Familia Präsident Niederberger: «Wir stellen keinen auf die Strasse»

ZUG ⋅ Die ausserordentliche Generalversammlung der Baugenossenschaft Familia hat den Projektierungskredit für die Neubauten in der Gartenstadt mit überwältigendem Mehr genehmigt.
02. Dezember 2017, 08:44

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

In der Gartenstadt in Zug sollen bekanntlich 13 Mehrfamilienhäuser abgerissen werden. Zehn sind im Eigentum der Gebäudeversicherung des Kantons, und drei gehören der Baugenossenschaft Familia Zug. Als Ersatz planen die Eigentümer acht Neubauten, wovon anderthalb Häuser der Familia gehören werden.

Gebaut wird in zwei Etappen. Die 20 Wohneinheiten der Familia werden in der zweiten realisiert. Die Baueingabe für diese zweite Etappe soll im März 2018 erfolgen. Damit dies wie geplant geschehen kann, muss entsprechend vorausgeschaut werden. Der für die Projektierung notwendige Betrag von 444960 Franken ist am Donnerstag Abend im Restaurant Brandenberg an der ausserordentlichen Generalversammlung der Familia von den Genossenschaftern mit überwältigendem Mehr gesprochen worden. 43 Ja-Stimmen standen nur einer Nein-Stimme gegenüber.

Vor der Abstimmung erläuterte Familia-Präsident Peter Niederberger die Umstände der «nötigen Abrisse der Altbauten» und die Notwendigkeit des Kredits, um «nicht ein halbes Jahr zu verlieren».Verwalter Paul Lan­genegger betonte: «Die alten Häuser kann man nicht mehr auf den neusten Stand bringen, wir kommen nicht drum herum, neue Bauten zu erstellen.»

Vergeblicher Aufruf

Völlig anderer Meinung ist der Verein Pro Gartenstadt und insbesondere dessen Gründerin Astrid Estermann. Die Alternative- die-Grünen-Politikerin wohnt in der Gartenstadt und hat im Vorfeld besagter Generalversammlung in alle Wohnungen der Genossenschaft ein Flugblatt ver­teilen lassen. «In der Gartenstadt geht es jetzt um die Wurst. Stimmen Sie Nein!», forderte Estermann die Mitglieder auf. Vergebens. Lediglich ein Genossenschafter und dessen Sohn stellten Fragen nach möglichen Kündigungen – auch von Mietern der Gebäudeversicherung.

«Unser Ziel sind günstige und zeitgemässe Wohnungen für unsere Genossenschafter», betonte Niederberger. Es sei nicht möglich, bis zum St.-Nimmerleins-Tag mit dem Abbruch der drei Häuser zu warten, die 1960 erbaut worden seien. «Wir haben immerhin 172 günstige Wohnungen in der Stadt Zug», ergänzte Niederberger und versprach: «Wir sind und bleiben preisgünstig. Das schleckt keine Geiss und auch kein politisch motiviertes Rundschreiben weg.» Die Familia suche nach Ersatzlösungen für alle Mieter, und diese hätten selbstverständlich ein Vorrecht auf die neuen Wohnungen in der Gartenstadt. Niederberger doppelte nach: «Wir stellen ganz sicher keinen einzigen Genossenschafter auf die Strasse.»

Hoffen auf baldige Baubewilligung

Ersatzlösungen und Umplatzierungen sind frühestens in vier bis fünf Jahren ein Thema. Denn so lange dauere es im «besten Fall», bis die Häuser der zweiten Etappe dereinst bezugsbereit sein werden. «Es kommt jetzt darauf an, wie lange es dauert, bis wir über eine rechtskräftige Baubewilligung verfügen», sagt Peter Niederberger. Gemäss «idealem» Zeitplan soll zwischen April 2019 bis im Mai 2022 die erste und ab Mai 2022 die zweite Etappe realisiert werden. Bezogen werden könnten die Wohneinheiten der Familia frühestens im Dezember 2022.

Schon heute klar ist hingegen, dass die acht Häuser ihre Heizenergie dereinst von der Circulago-Energiezentrale der Wasserwerke Zug AG beziehen, die unmittelbar neben dem Baufeld unterirdisch und auf rund 300 bis 400 Quadratmetern gebaut wird.

«Es ist eine schwierige Parzelle, und die Stadt hat nicht nur ­einen Wettbewerb verlangt, sondern auch zahlreiche Vorgaben gemacht und viel mitgeredet», erklärte Martin Lenz, der den Genossenschaftern das Projekt näher vorstellte und diesbezügliche Fragen beantwortete. Noch sei nicht klar, ob oder wie viel gepfählt werden müsse und wie tief die Garage in den Boden käme. «Es kommt darauf an, wie sich die Grundwassersituation letztlich präsentiert.»


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