Gartenstadt

Estermann: «Wir warten, um dann Einsprache zu machen»

In der Gartenstadt in der Stadt Zug sollen 13 Mehrfamilienhäuser abgerissen werden. Zehn sind im Eigentum der Gebäudeversicherung des Kantons, und drei gehören der Baugenossenschaft Familia Zug. Als Ersatz planen die Eigentümer acht Neubauten, wovon anderthalb Häuser der ­Familia gehören werden. Doch es gibt Widerstand.
06. Dezember 2017, 08:17

Am letzten Donnerstag sprachen sich die Genossenschafter an einer ausserordentlichen Generalversammlung mit deutlichem Mehr für einen Projektierungskredit von 444960 Franken aus, damit die Genossenschaft die Planung ihrer Wohneinheiten in Angriff nehmen kann. 43 Ja-Stimmen standen dabei einer Nein-Stimme gegenüber.

«In der Gartenstadt geht es um die Wurst»

«In der Gartenstadt geht es jetzt um die Wurst. Stimmen Sie Nein!», stand auf einem Flugblatt, das vor der Versammlung in alle Briefkästen der Genossenschafter verteilt wurde. Das Flugblatt ist unterzeichnet von Astrid Estermann vom Verein Pro Gartenstadt. Estermann sitzt für die Alternative-die Grünen im Stadtparlament. Sie wohnt im Quartier, neben den Häusern, die abgerissen werden sollen.

Astrid Estermann, wie werten Sie das äusserst deutliche Ja der Mitglieder der Baugenossenschaft Familia Zug an der ausserordentlichen Generalversammlung mit 43 zu 1 Stimmen für den Planungskredit für die Neubauten in der Gartenstadt?

Nebst dem, dass ein Teil der Bewohner die Pläne zu begrüssen scheinen, werte ich dies auch so, dass die Versprechungen der Bauherrschaft verfangen haben. Ausserdem wurde über Alternativen nicht informiert beziehungsweise diskutiert.

Hat das Ja der Genossenschafter Einfluss auf Ihren Widerstand gegen die Neubauten? Ob und wie agieren Sie diesbezüglich weiter?

Nein, es hat keinen Einfluss. Wäre es von Anfang an nur um die drei Häuser der Familia Zug gegangen, wäre der Widerstand nicht aufgekommen. Es geht aber um 13 Häuser und das ist ein sehr grosser Teil des Quartiers Gartenstadt. Ein Abriss verändert den Charakter in mehrfacher Hinsicht. Wir warten auf die Baueingabe, um dann Einsprache zu machen.

Sie wohnen in einem Haus, das 2003 erbaut worden und entsprechend zeitgemäss ausgebaut ist. Gönnen Sie den Leuten in den Häusern der Gebäudeversicherung und der Baugenossenschaft Familia Zug nicht, dass sie künftig denselben Wohnstandard geniessen können wie Sie?

Doch, das gönne ich ihnen. Jedoch ohne Abriss, Neubau und massiv erhöhte Mieten in Kauf nehmen zu müssen. Entsprechende Siedlungen in anderen Städten liefern den Beweis, dass dies möglich wäre. Ich gönne es ihnen und den übrigen Quartierbewohnern auch, dass der Charakter dieses attraktiven Quartiers im Sinne des ursprünglichen Gedankens seiner Gestaltung erhalten bleibt. Durch die Veränderung des Bauvolumens, insbesondere der bebauten Fläche und der damit einhergehenden Verringerung der Grün- beziehungsweise Gartenflächen, ist dies leider nicht der Fall.

Was sagen Sie zum Vorwurf, Sie seien primär gegen den Abriss und die Neubauten, weil Sie von der Bauerei und später den Neubauten bezüglich Aussicht und Beschattung persönlich betroffen seien?

Das ist schlicht Quatsch.

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: