Zug-Schleife: Stockwerkeigentümer fühlt sich wegen Baumängel «verschaukelt»

ÜBERBAUUNG ⋅ 2012 zogen die ersten Stockwerkeigentümer in die Überbauung Zug-Schleife ein. Schon damals stellten sie diverse Baumängel fest. Etliche Gutachten später ist nun eine Einigung in Sicht. Nicht zur Zufriedenheit aller.
03. Dezember 2017, 05:00

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Der 36-jährige Andreas Gerber war einer der Ersten, die 2012 eine Eigentumswohnung in der imposanten Überbauung Zug-Schleife bezogen. Zwischen 1,2 und 3 Millionen Franken mussten die 78 Stockwerkeigentümer jeweils für ihr neues Zuhause oder ihre Geldanlage hinblättern. Entworfen wurden die markanten roten Bauten vom bekannten Tessiner Architekten Valerio Olgiati. Heute bedrückt es Gerber jedoch, über die Überbauung zu reden. Denn: «Mich mit Baurecht auseinanderzusetzen, ist nicht gerade mein Hobby, wurde aber während der letzten Jahre leider zwangsläufig zu einem.» 

Die Kritik der Stockwerkeigentümer ist nicht neu. Schon 2013 berichtete unsere Zeitung über deren Mängelliste. Es ging unter anderem um diverse Wassereintritte in der Tiefgarage, die Verfärbung der roten Betonfassade, verschiedene beschädigte Schalungsplatten auf dem Beton und Schönheitsfehler in den Treppenhäusern. Sie gaben daraufhin ein Expertengutachten in Auftrag, welches die Mängel bestätigte. In Auftrag gegeben wurde die Überbauung einst vom Konsortium Peikert/4B. Bernhard Häni, Mitinhaber der Peikert AG, sagte damals, dass es noch viel zu tun gebe. Dafür seien aber die Totalunternehmer zuständig. Diese könnten dazu, bis zum Ende der zweijährigen Garantiefrist, warten. Totalunternehmer waren die beiden Firmen Toneatti und Dima. Die meisten der Baumeisterarbeiten wurden aber gemäss Häni von Ersterer durchgeführt, deren Vorstandsvorsitzender zu diesem Zeitpunkt der in der Zwischenzeit verstorbene SVP-Ständerat This Jenny war. Er zeigte sich mit der Arbeit bei der Schleife zufrieden. «Was ich abgegeben habe, entspricht auch der Bestellung», sagte er. 

Harsche Kritik an Peikert Immobilien

Andreas Gerber sieht dies nicht so: «Die Qualität ist unbefriedigend.» Er ist Mitglied der Fachgruppe, welche die Delegierten der Stockwerkeigentümer zum Thema ins Leben gerufen haben. Schon diverse ausserordentliche Stockwerkeigentümerversammlungen hätten zudem wegen der Sache durchgeführt werden müssen. «Die Hauptverantwortung sehen wir bei dem Konsortium und vor allem bei der Peikert Immobilien AG», sagt Gerber. «Wir Eigentümer wurden verschaukelt.» Denn was sie erst später realisiert hätten, mit der Unterzeichnung des Kaufvertrags seien auch die Gewährleistungsansprüche gegenüber der Baufirma vom Konsortium an die Stockwerkeigentümer übergegangen. «Das war ein kluger Schachzug zu unserem Nachteil», sagt Gerber. Denn vertreten wurden die Stockwerkeigentümer damals von der Verwaltung der Überbauung, bei der es sich wiederum um die Peikert Immobilien AG handelte. «Diese setzte sich naturgemäss ganz und gar nicht für uns ein.» Zudem habe die Baufirma die Ansprüche bezüglich Mängelbehebung abgelehnt. «Diese stellte sich bisher auf den Standpunkt, dass der Vertrag ja schliesslich mit dem Konsortium, aber nicht mit uns geschlossen worden sei. Wir haben also grosse Probleme, unsere berechtigten Forderungen durchzusetzen.» 

Das nächste Problem war 

die Gewährleistungssumme von 2,4 Millionen Franken. Diese ist ein Teil der Baukosten und wird während der Mängelfrist vom Auftraggeber als eine Art Depot zurückgehalten. Damit die Stockwerkeigentümer diese für Gewährleistungen hätten in Anspruch nehmen können, habe das Konsortium ein Gerichtsgutachten zu den Mängeln verlangt. In diesem Gerichtsgutachten aus dem Jahr 2015 steht dann unter anderem: «Die Dichtigkeitsproblematik bestand und besteht in Verbindung mit den Gehwegen und der darunter liegenden Garagendecke. Die Garagendecke ist im Bereich der Stützmauer nicht durch eine geeignete Abdichtung geschützt. Dies ist definitiv nicht nach Regel der Baukunde erstellt worden.» Auch in anderen Punkten geben dieses Gutachten und das Ergänzungsgutachten aus dem Jahr 2016 den Stockwerkeigentümern Recht. 

Verfahren gegen Konsortium wird geprüft

«Doch das Geld sollte uns auch dann noch nicht ausbezahlt werden», sagt der 69-jährige Albin Truffer. Der Chamer hat sich gemeinsam mit seiner Frau eine Wohnung in der Überbauung als Anlageobjekt gekauft. Er ist wie Gerber Mitglied der Fachgruppe. Vielmehr sei im Gegenzug für die Auszahlung vom Konsortium eine Sicherstellung von mehreren 100000 Franken verlangt worden. «Es ist ja klar, dass solch eine Summe nicht einfach so aufgebracht werden kann», so Truffer. Andreas Gerber ergänzt: «Das Konsortium hatte eben ein Interesse daran, dass die Garantiesumme nicht genutzt wird.» Schliesslich trage auch das Konsortium einen Teil der Verantwortung an den Mängeln, weil während der Bauphase nur ungenügende Kontrollen stattgefunden hätten. 

Nun ist die Frist jedenfalls abgelaufen. Dabei habe sich gerade diesen August das Debakel wieder mit voller Wucht gezeigt. «Bei einem Umwetter stand die ganze Tiefgarage voll Wasser, und die Stadt bestätigte uns, dass es nichts mit der Kanalisation zu tun hatte», so Gerber. Die Kosten zur Behebung dieses Schadens wie auch für die anderen zwei grossen Schäden in den letzten Jahren habe dann die Gebäudeversicherung übernommen. 

Aktuell werde nun geprüft, ein Zivilverfahren gegen das Konsortium zu eröffnen. Was jedoch herausfordernd sei. Denn: «Wie wir auch erst nachträglich erfahren haben, fand die Abnahme der fertigen Überbauung zwischen Konsortium, Totalunternehmer und der Verwaltung, wie sie uns im Kaufvertrag eigentlich zugesichert wurde, anscheinend gar nicht statt», erzählt Albin Truffer. «Und da kein Protokoll vorliegt, ist es schwierig, einen Nachweis der Mängel zum Zeitpunkt der Übergabe zu erbringen.» Zudem müsste dringend saniert werden. «Wir wollen spätestens Mitte des nächsten Jahres anfangen. Nur die Finanzierung ist noch unklar.» 

Zu wenig für die Sanierungskosten

Nun scheint es aber Aussicht auf eine aussergerichtliche Einigung mit der Toneatti AG zu geben. «Der Betrag, der im Raum steht, deckt nur einen geringen Teil der anstehenden Sanierungskosten», so Truffer. Zudem habe man sich auf Anfang 2018 eine neue Verwaltung geholt. «Peikert Immobilien vertrauen wir nicht mehr. Ich weiss wirklich nicht, wo dort die Menschlichkeit geblieben ist», sagt Andreas Gerber. 

Bei Peikert Immobilien heisst es auf Nachfrage, dass beide Parteien wie auch die mit der Erstellung beauftragte Totalunternehmung durch Anwaltsbüros vertreten seien und in einem laufenden Verfahren stünden. Das Konsortium sei nicht bereit, über die Zeitung diese Differenzen auszutragen und breitzuschlagen. «Das Konsortium Zug-Schleife ist sich sicher, seinen Aufgaben und seinen Verpflichtungen aus den bestehenden Verträgen voll und ganz nachgekommen zu sein», schreibt Bernhard Häni. Die Toneatti AG äussert sich nicht zum Thema. «Wir möchten dazu keine Stellung nehmen», sagt der heutige Geschäftsführer, Urs Bachmann, auf Anfrage.


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