Der demografische Wandel zeigt auch Auswirkungen im Pflegebereich

BAAR ⋅ Die Auswirkungen des demografischen Wandels zeigen sich auch im Pflegebereich. Experten haben sich in Zug zu diesem Thema geäussert. Sie weisen auch auf ein Problem betreffend die Ausbildung in der Schweiz hin.
10. November 2017, 07:46

Wolf Meyer

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Die Schweiz steht vor einem demografischen Wandel. 2020 kommen die Babyboom-Jahrgänge ins Rentenalter. Bis im Jahr 2045 wächst die Zahl der über 60-Jährigen von 1,5 Millionen auf 2,7 Millionen. Damit steigt auch der Bedarf an Pflegepersonal für Spitäler, Heime und Spitex von 169000 im Jahr 2014 bis 2045 auf 244000. Schon heute ist man mit rund 154000 Arbeitenden bereits unterbesetzt. Gleichzeitig steht dem derzeitigen Personal in der Pflege ein interner Pensionierungsschub bevor: Ein Drittel der derzeitigen Pflegefachfrauen und -männer ist bereits über 50 Jahre alt. Dazu kommt, dass sich aufgrund der Belastungen im Beruf viele frühpensionieren lassen. So düster beschreibt der nationale Versorgungsbericht für die Gesundheitsberufe 2016 die mittelfristige Zukunft. Die Pro­bleme in der Rekrutierung, die mit dem stark erhöhten Bedarf an Personal einhergehen, sind offensichtlich. Von den volkswirtschaftlichen Herausforderungen ganz zu schweigen.

Am vergangenen Mittwochabend veranstalteten die SP 60+ des Kantons Zug und der Kantonale Seniorenverband im Altersheim Martinspark in Baar eine Podiumsdiskussion und Input­referate zu diesem Thema. Dabei wurde klar: Auch das negative Image der Pflege als Berufsfeld ist ein Faktor, der die Rekrutierung erschwert. Darin sind sich die meisten an diesem Abend einig. «Wir müssen den Leuten klarmachen, dass dieses Bild überholt ist. Die Pflege hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert», sagte Diana Brand in ihrem Referat. Sie ist Leiterin des Alterszentrums Frauensteinmatt in Zug und repräsentierte im Martinspark die Sicht der Heime. Auch die Geschäftsführerin der Zuger Spitex, Doris Ruckstuhl, und die Generalsekretärin der Gesundheitsdirektion Zug, Beatrice Gross, hielten vor der anschliessenden Podiumsdiskussion ein kurzes Referat zu ihrer Sicht der Dinge. Abgerundet wurde der informative Teil der Veranstaltung durch einen Vortrag von Peter Dolder, der am erwähnten nationalen Versorgungsbericht mitgearbeitet hat.

Positive Tendenzen

Auch die Masseneinwanderungsinitiative könnte sich negativ auf diese Tendenzen auswirken. «Zurzeit kommen auf drei in der Schweiz ausgebildete Pflegefachpersonen zwei mit ausländischem Diplom», zitiert Dolder den Versorgungsbericht. Er äussert zudem Bedenken, ob es fair sei, ausgebildete Leute aus dem Ausland anzulocken und so die Kosten für deren Bildung auf unsere Nachbarländer abzuwälzen. Es gibt aber auch Befunde, die positiv stimmen. So stieg etwa die Zahl der Abschlüsse in Pflege und Betreuung zwischen 2010 und 2014 schweizweit um 30 Prozent. Der gesamte Personalbestand stieg in dieser Zeit um 14 Prozent.

Ein wichtiger Schritt, um die Rekrutierung von Pflegepersonal anzukurbeln, sei das vermehrte Angebot von berufsbegleitenden Ausbildungen. Viele Quereinsteiger fänden ihren Weg in die Pflege in einer Lebenssituation, in der sie es sich nicht mehr leisten könnten, von einem Lehrlingslohn zu leben, betont Brand.


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