Imker sind zufrieden mit der Honigernte

HONIG ⋅ Während in anderen Bereichen dieses Jahr die Ernte eher mässig ausfiel, hatten die Imker ein gutes Jahr. Vor allem die Sommerhonigmengen waren überdurchschnittlich.
08. November 2017, 09:02

Nils Rogenmoser

redaktion@zugerzeitung.ch

Seit 2011 ist in Imker-Kreisen ein spezielles Phänomen festzu­stellen. Im Zweijahresrhythmus ­fallen die Waldhonigernten abwechselnd positiv und negativ aus. Wie 2011, 2013 und 2015 konnte auch dieses Jahr wieder viel Honig geerntet werden. Dies war zu erwarten – das Wetter im Frühjahr war sonnig warm und die Regenperioden kurz. Was für viel Nektarfluss gesorgt hat, dies war der Erzeugung des Honigtaus – so werden die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Insekten genannt – förderlich. Nektar und Honigtau zusammen wandeln die Bienen dann in Honig um. Über das Jahr betrachtet waren vor allem die Sommerhonigmengen überdurchschnittlich, wobei im April die abrupte Kältewelle Rekordwerte dann doch verhindert hat.

Diesem Ausfall ist aber auch Positives abzugewinnen, denn mit der fehlenden Blütenpracht sind die Bienen verfrüht zum Flug in die Wälder aufgebrochen, um Honigtau zu sammeln. Statt Goldgelb sind die Frühlingshonige wegen des erhöhten Waldhoniganteils dunkel ge­worden und für den Waldhonig ­typisch balsamisch und aromatisch im Geschmack.

Ertrag steht und fällt mit dem Wetter

Der Präsident der Honigkommission von Apisuisse, Bruno Reihl, die unter anderem die Qualität des Schweizer Bienenhonigs sicherstellt, spricht den ominösen Zweijahresrhythmus dem Wetter zu: «Er kann nicht bis ins letzte Detail geklärt werden, doch der Ertrag der Honigernte steht und fällt mit dem Wetter. Es soll vorzugsweise im Sommer sonnig sein und genügend Regentage sowie kein Gewitter und Hagel haben.»

Imkerin Ursula Hotz aus Oberwil ist über die hervorragende Honigernte erfreut: «Ich habe zehn Bienenvölker, von denen sechs gross sind, und konnte dieses Jahr 150 Kilogramm Honig ernten. Dabei musste ich sogar eine Zwischenschleuderung einlegen, was eine Premiere war. Beim Schleudern wird durch Zentrifugalkraft Honig aus den Bienenwaben gewonnen. Ihr Jahr als Imkerin sehe wie folgt aus, so Ursula Hotz. Im Februar gehe sie ins Bienenhaus und prüfe, ob die Insekten noch leben und genügend Waben produzieren würden. «Die Bienenkönigin bringt pro Tag 2000 Bienen zur Welt, und diese brauchen folglich Platz.» Im Mai und im August mache sie dann im Normalfall zwei Schleuderungen.

«Es gibt in der Schweiz Hunderte verschiedener Honigsorten, so beeinflussen etwa die Pflanzen in der Nähe den Geschmack beträchtlich.» So finde beispielsweise ein Imker mit einem Rapsfeld in seiner Nachbarschaft den Geruch von Raps auch in seinem Honig. «Besonders fein ist zum Beispiel der seltene rubinrote Chriesihonig, der von Chriesi saugenden ­Bienen kommt. Die Nahrung der Bienen nennen wir übrigens Tracht, oft muss man, wenn es im Sommer nicht mehr so blüht, ­etwas nachfüttern.» Als Imker müsse man bei der Arbeit vor allem angstfrei sein, so Hotz: «Man soll auf keinen Fall vor einem Gewitter ins Bienenhaus gehen, da die Bienen dann aggressiv sind.»


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