Zug will gemeinsame Einsatzleitzentrale

ORGANISATION ⋅ Derzeit befasst sich die Zentralschweizer Polizeidirektorenkonferenz mit dem Aufbau einer gemeinsamen Einsatzzentrale bis 2025. Sicherheitsdirektor Beat Villiger setzt sich schon länger für eine solche ein – auch aus finanziellen Gründen.
07. November 2017, 05:00

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Die Konferenz der Zentralschweizer Polizeidirektoren hat in ihrer aktuellen Projektliste vom April 2017 wieder ein altes Thema aufgenommen: die Schaffung einer gemeinsamen Einsatzleitzentrale (wir berichteten). Bei dieser werden die Notfalleinsätze im jeweiligen Gebiet disponiert. Sie ist an 365 Tagen in Betrieb und dies 24 Stunden pro Tag. Schon 2003 war diese im Rahmen des Projektes Polizei XXI ein Thema, wurde dann aber verworfen. Unter anderem wegen der unterschiedlichen Abläufe in den Kantonen.

Einen freut es besonders, dass die gemeinsame Einsatzleitzentrale wieder auf der Agenda steht: den Zuger Sicherheits­direktor Beat Villiger. «Schon als junger Regierungsrat habe ich bei der damaligen Zusammen­legung der Luzerner Kantons- und Stadtpolizei zur Luzerner Polizei die Möglichkeit gesehen, dieses Thema anzugehen. «Ein Vorschlag, mit dem ich damals aber sozusagen etwas mit der Türe ins Haus fiel.»

Kräfte effizienter nutzen

Es gebe so Villiger in der Schweiz insgesamt einfach auch im Vergleich zum Ausland viel zu viele Einsatzleitzentralen, alleine beispielsweise in der Stadt Bern mehrere. «Die jeweiligen Einsatzleitzentralen sollten für grössere Gebiete zuständig sein können.» Dabei gehe es vor allem auch um die Kosteneinsparung. «Für mich als Sicherheitsdirektor ist das Ziel, die lokalen Polizeikräfte für das zur Verfügung zu haben, wozu sie wirklich gebraucht werden, also um möglichst viel draussen und möglichst nahe an der Bevölkerung zu sein.» Dies diene der Effizienz und Bündelung von Kapazitäten in Zeiten des Spardrucks.

Kulturelle Unterschiede überwinden

Natürlich sei die Zusammen­legung der Polizeizentralen nicht unproblematisch, gerade was die kulturellen Unterschiede be­treffe. «Wenn beispielsweise etwas im Muotatal passiert ist und die Person dann mit jemandem in Zug oder in Luzern verbunden wird, der nicht so gut über die Situation vor Ort Bescheid weiss wie jemand aus dem Kanton Schwyz, ist dies schon nicht so einfach. Man darf nicht vergessen, hier geht es auch um den Einsatz der Feuerwehr.» So etwas liesse sich aber lernen. Ausserdem finde, wenn Menschen aus verschiedenen Kantonen in einer solchen Zentrale zusammenarbeiten würden, automatisch ein Austausch statt. Oder man sorge dafür, dass jeweils eine Person aus jedem Kanton vor Ort sei. Aber dies müsse alles noch geklärt werden. «Entscheidend ist, dass der Bevölkerung im Kontakt immer noch die lokale Nähe vermittelt wird, organisatorisch aber etwas im Hintergrund vereinfacht werden kann», so Villiger. Nebst der Personalfrage ginge es auch um die Technik. «Die Technik für solche Einsatzzentralen ist sehr komplex.» Auch diese liesse sich gemeinsam effizienter nutzen.

Eher zwei Einsatzzentralen als eine

Ob gleich alle sechs Zentralschweizer Kantone ihre Zentralen zusammenlegen werden und beispielsweise eine gemeinsame Einsatzzentrale unter einheitlicher Führung im geplanten Neubau auf dem EWL-Areal in Luzern zu Stande kommt, wie in der «Zentralschweiz am Sonntag» steht, wagt Villiger jedoch zu bezweifeln. «Ich denke eher, dass es sich auf zwei Zentralen verteilen wird. Eine für Luzern, Ob- und Nidwalden und eine für Zug, Schwyz und Uri.» Gerade in Bezug auf Uri und die Gotthardstrecke stelle sich dann aber noch die Frage, wie das mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) koordiniert werde, da dieses dort zuständig sei. Laut Planung soll das Projekt mit dem Namen «Vision 2025» bis 2025 umgesetzt werden. «Länger sollte es nicht dauern, es ist Zeit für diese Zusammenlegung», sagt Sicherheits­direktor Villiger dazu. Derzeit laufe jetzt die Projektinitialisierung, was sicher noch ein Jahr in Anspruch nehme.


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