Zuger Doppelmörder wird verwahrt

ZUG ⋅ Das Bundesgericht hat die Beschwerde der Verteidigung abgewiesen. Damit bleibt der Mann, der zwei Frauen ermordet hat, wohl lebenslang hinter Gittern.
Aktualisiert: 
15.11.2017, 21:00
15. November 2017, 13:37

Urs-Peter Inderbitzin

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

Nun ist das Urteil im Zuger Doppelmord definitiv: Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der Verteidigung abgewiesen, welche eine Neubeurteilung des Falles gefordert hatte. Damit ist auch klar, dass der zu einer lebenslänglichen Strafe verurteilte Täter verwahrt wird. Es handelt sich dabei um die ordentliche Verwahrung. Diese muss von Zeit zu Zeit überprüft werden.

Der Doppelmord im Februar 2009 in einer Penthouse-Wohnung am Eschenring in Zug hatte grosses Aufsehen erregt. Laut der Zuger Staatsanwaltschaft hatte dort der Täter, ein mehrfach vorbestrafter Schweizer, zwei Frauen gefesselt und erdrosselt. Danach hatte er zur Beseitigung der Spuren ein Feuer gelegt und Schmuck, Bargeld sowie Kreditkarten entwendet. Den Schmuck veräusserte er, die Kreditkarten setzte er mehrfach zur Bezahlung ein. Eine Kreditkarte der 54-jährigen erdrosselten Wohnungsinhaberin gab er einem Kollegen weiter.

Das Strafgericht Zug verurteilte den Täter im Oktober 2013 wegen mehrfachen Mordes, Raubes, Brandstiftung und weiterer Delikte zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe. Das Gericht ordnete gleichzeitig eine Verwahrung an. Anfänglich hatte der Mann die Tötung der beiden Frauen gestanden, später gab er nur zu, die 36-jährige Haushalthilfe stranguliert zu haben. Für den Tod der 54-jährigen Wohnungsinhaberin, mit der er laut Anklage eine intime Beziehung gepflegt haben soll, sei er nicht verantwortlich. Diese habe wohl einen epileptischen Anfall erlitten und sei deshalb gestorben.

Kritik an der Zuger Justiz

Das Obergericht des Kantons Zug bestätigte im Februar dieses Jahres die Verurteilung wegen Doppelmordes und verwarf die Ansicht der Verteidigung, es liege zwar ein Tötungsdelikt, aber kein Mord vor. Das Gericht hielt auch die lebenslängliche Strafe und die Verwahrung für angemessen.

In seiner Beschwerde ans Bundesgericht forderte der verurteilte Doppelmörder, der Fall sei zur Wiederholung einer mündlichen Verhandlung unter neuer Gerichtsbesetzung beziehungsweise zur neuen Beurteilung an das Obergericht zurückzuweisen. Er warf dem Zuger Obergericht unter anderem vor, sieben Monate nach der Berufungsverhandlung keine eigentliche Urteilsberatung durchgeführt zu haben, zumal das 74 Seiten umfassende Urteil wenige Tage später verschickt worden sei. Die Beratung sei «offensichtlich eine Alibiübung» gewesen. Für das Bundesgericht war diese Rüge unbegründet, weil die Verfahrensverzögerung angesichts der Komplexität und des Aktenumfanges sowie der notwendigen Auswechslung eines Richters nachvollziehbar war.

Ohne Erfolg blieb auch der Einwand, sein vormaliger Verteidiger habe eklatante Fehler begangen. So habe ihn die Verteidigung krass pflichtwidrig nicht auf die ersten Einvernahmen vorbereitet; eine effektive Verteidigung habe deshalb nicht stattgefunden. Eine Pflichtverletzung seitens des früheren Verteidigers vermochte das Bundesgericht nicht zu erkennen. Damit war aber auch der Vorwurf an die Behörden, sie hätten einschreiten müssen, vom Tisch. «Der Behörde kann nicht die Verantwortung für jegliches Versäumnis auferlegt werden», heisst es dazu im Urteil.

Vorwurf der Willkür

Schliesslich lag der Verurteilte auch mit seiner Kritik falsch, die Zuger Richter hätten den Sachverhalt falsch ermittelt und eine willkürliche Beweiswürdigung vorgenommen. Diesbezüglich führte er ins Feld, das Obergericht hätte im Zweifel zu seinen Gunsten davon ausgehen müssen, dass die 54-jährige Wohnungsinhaberin infolge eines epileptischen Anfalls gestorben sei. Sodann rügte er auch die Feststellungen des Obergerichts zum Kokainkonsum; er habe im Februar 2009 nicht – wie vom Gutachter mittels Haaranalyse errechnet – rund 5 Gramm, sondern 14 Gramm reines Kokain pro Woche konsumiert. Eine plausible Begründung, wie der damals arbeitslose Täter diesen Kokainkonsum finanziert haben will, konnte der Verurteilte jedoch nicht beibringen. Ebenso wenig gelang es ihm, aufzuzeigen, inwiefern sich der hohe Konsum auf den Tathergang ausgewirkt haben soll. In früheren Aussagen hatte der Täter erklärt, Kokain mache ihn nicht aggressiv, sondern beruhige. Zudem hatte er angegeben, am Tattag nicht unter Symptomen einer kokaininduzierten Psychose gelitten zu haben.

Nicht zu beanstanden war nach Meinung des Bundesgerichts auch, dass das Obergericht davon ausging, dass der Täter die Wohnungsinhaberin erdrosselt hatte und diese nicht eines natürlichen Todes gestorben war. (Urteil 6B_499/2017 vom 06.11.2017)


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