40 Stellungnahmen: Zuger Energieleitbild auf dem Prüfstand

UMWELT ⋅ Die Regierung hat interessierte Kreise aufgerufen, die Energiepolitik des Kantons zu analysieren. Jetzt erfolgt der nächste Schritt zur Erneuerung des Energieleitbildes.
18. Juli 2017, 04:38

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Der Kanton Zug ist daran, sein Energieleitbild von 2011 zu analysieren und an die Entwicklungen der letzten Jahre anzupassen. Mit dem Forum Energie Ende Januar startete die Baudirektion diesen Prozess. Damals diskutierten rund 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gemeinden, Wirtschaft und Wissenschaft in der Aula der Kantonsschule Zug über die kantonale Energiepolitik. Baudirektor Urs Hürlimann ermunterte alle interessierten Kreise, die bisherige Energiepolitik des Kantons zu prüfen und Vorschläge zu einer allfälligen Neuausrichtung einzureichen. Um ein erfolgversprechendes Konzept erstellen zu können, gab er den Beteiligten im Namen des Gesamtregierungsrates die folgenden drei Fragen mit auf den Weg: Welches sind die drei grössten Herausforderungen, welche die Energiepolitik des Kantons Zug in nächster Zukunft zu bewältigen hat? Welche konkreten Ziele für die kantonale Energiepolitik leiten sich daraus ab, und mit welchen Massnahmen können diese Ziele erreicht werden?

Wie die Baudirektion nun mitteilt, sind inzwischen über 40 Stellungnahmen bei ihr eingegangen. Vorgesehen sei nun, im Rahmen eines ersten Workshops mögliche Ziele und Massnahmen zu diskutieren und diese an einem zweiten Workshop zu präzisieren. Daraus soll ein Vorschlag für das Energieleitbild 2018 resultieren.

Das erste Zusammentreffen soll laut Baudirektor Hürlimann im Herbst dieses Jahres stattfinden. Da die kantonale Energiepolitik möglichst breit abgestützt sein soll, werde man jetzt «auch die Politik einbeziehen», wird Hürlimann in der Mitteilung zitiert. Auch wenn noch keine Daten fixiert sind, soll weiter nicht viel Zeit verloren werden. Das Ziel des Baudirektors ist es, «im Sommer 2018 unser neues Energieleitbild durch den Gesamtregierungsrat verabschieden zu lassen». Nach dem Nein zum Referendum zur Energiestrategie 2050 seien die Rahmenbedingungen für die kantonale Energiepolitik weitgehend geklärt, so Hürlimann weiter. «Es ist nun an der Zeit, die kantonale Energiepolitik zu überdenken.»

WWF fordert Eingreifen im Gebäudebereich

Der Energie- und Umweltdirektor ist dabei überzeugt, «dass wir auf diesem Weg zu einer Energiepolitik finden werden, die zukunftsgerichtet und ambitioniert ist, sich gleichzeitig am Machbaren orientiert und spezifisch auf unsere Zuger Bedürfnisse und Chancen zugeschnitten ist». Was das konkret heisst, ist noch nicht klar. Im Januar zeigte Hürlimann allerdings auf, wo er und der Gesamtregierungsrat Potenzial sehen: Ein Blick auf den Bedarf an Wärmeenergie in den Wohnbauten des Kantons zeigt, dass mehrheitlich fossil – hauptsächlich mit Heizöl (52 Prozent) – geheizt wird. Nur rund 16 Prozent der Wärme für Heizen und Warmwasser stammen zurzeit aus erneuerbaren Quellen. Vor allem bei älteren Bauten sieht der Regierungsrat grossen Aufholbedarf. Schon vor den Workshops ist für den Baudirektor daher klar: «Der Kanton Zug will auch mit seiner Energiepolitik die Balance halten zwischen Wachstum und Wahrung natürlicher Ressourcen.» Er verlange eine sichere Versorgung mit Elektrizität und einen deutlichen Anteil erneuerbarer Energien bei den Energieträgern. Erreichen will man dies unter anderem anhand besserer Marktbedingungen für die Förderung und den Ausbau einheimischer erneuerbarer Energien.

Was keinen Platz haben soll, sind Denk- und Technologieverbote. Dies dürfte Hürlimann meinen, wenn er sagt, die neue Energiepolitik soll «zukunftsgerichtet und ambitioniert» sein, sich aber «gleichzeitig am Machbaren orientieren». Der Baudirektor scheint sich bewusst alle Möglichkeiten offenhalten zu wollen.

Dass die Zuger Regierung ihr Energieleitbild überarbeiten will, begrüsst der WWF Zug. Die grössten Verursacher von Treibhausgasen und damit die drei grössten energiepolitischen Herausforderungen seien der Gebäudesektor, der Verkehr und die Industrie. «Gerade im Gebäudebereich besitzt der Kanton gute Hebel, die Treibhausgasemissionen zu senken», da die Energiegesetze im Gebäudebereich in der Verantwortung der Kantone liegen würden, schreibt der WWF.


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