Zuger macht spektakulären Zeitrafferfilm

FOTOGRAFIE ⋅ Zwischen Februar und September verbrachte Oliver Schmid (42) 17 schlaflose Nächte in den Schweizer Bergen. Dabei fotografierte er die Milchstrasse tausendfach. Entstanden ist ein gut dreiminütiges Zeitraffervideo, das sogar im Ausland grosse Beachtung fand.
04. Oktober 2017, 10:50

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Oliver Schmid schläft gerne. Und er schläft viel. Eigentlich: Für ein besonderes Projekt verzichtete der 42-Jährige während dieses Jahres mehrmals auf die erholsamen Stunden im warmen Bett. Stattdessen zog es ihn des Nachts an die frische Luft, in die Kälte, hoch hinaus: 17 Mal verbrachte er die Nacht im Gebirge. Doch nicht des Wanderns wegen, sondern wegen der Suche nach dem perfekten Bildmotiv: «Ich wollte das Zentrum der Milchstrasse in seiner schönsten Form einfangen», sagt der Zuger im Gespräch mit unserer Zeitung. Das ist ihm gelungen. Zwischen Februar und September tingelte er so durch die Gebirge der Schweiz – auf den Titlis, den grossen Mythen, den Pilatus oder den Sustenpass. Dabei schoss er über 30'000 Einzelbilder, die er in mühseliger Arbeit am Computer zusammengeschnitten hat. 200 Stunden Arbeitsaufwand habe ihn das gekostet.

Die Mühe scheint sich gelohnt zu haben: Aus den hunderten Arbeitsstunden entstand der Film «Sleepless in Switzerland», welchen er auf Youtube und Facebook veröffentlichte. Das Interesse der virtuellen Gemeinschaft ist beachtlich: Alleine auf Youtube wurde der Clip über 10'000 Mal angeklickt. Zudem nahm das holländische Newsportal www.nu.nl Schmids Video auf und veröffentlichte es auf seiner Homepage: «Ich habe mich auch gefragt, wieso die Holländer so interessiert an meinem Film sind. Wahrscheinlich, weil sie dort selber keine Berge haben», mutmasst Schmid.

Zur Fotografie ist der Zuger anfänglich aus Interesse an der Technik gekommen. Hinzu kam die Liebe zur Natur. Und was war der schönste Moment während dieses intensiven halben Jahres? «Mein grosses Ziel war es, dass die Reflektion der Sterne im Wasser aufzunehmen. Bei meinem zweiten Besuch auf dem Grimselpass ist das gelungen.» Als er merkte, dass die Aufnahmen gelungen waren, seien die Freude und die Erleichterung riesig gewesen. Aber es gab auch den einen oder anderen Rückschlag. Wie ein missglückter Ausflug auf den grossen Mythen: «Während der ganzen Nacht war es auf dem Gipfel stark bewölkt. Ich habe zwar gehofft, dass sich die Wolken verziehen, aber sie sind geblieben.» Doch damit nicht genug: Als Schmid vom Gipfel absteigt und bei der Bergstation der Rotenfluebahn ankommt, ist erst fünf Uhr morgens. Die Bahn fährt noch gar nicht: «Also hatte ich keine brauchbare Aufnahme und musste auch noch zu Fuss gehen. Das war schon frustrierend.»

Nichtsdestotrotz ist Schmid glücklich über sein Projekt, die Resonanz aus seinem Umfeld sei überwältigend gewesen. Und jede einzelne Nacht in den Bergen «war einzigartig.» Deshalb hört Schmid nach dem ersten Film auch nicht auf, ein zweiter soll folgen. Diesmal dürfte es den Zuger vor allem ins Wallis und den Kanton Graubünden verschlagen. Bis es aber so weit ist, muss sich der Hobbyfotograf noch ein halbes Jahr gedulden: «Das Zentrum der Milchstrasse sieht man bei uns nur von Februar bis September. Ich kann es kaum erwarten, bis es wieder so weit ist.»

Video: Spektakulärer Zeitrafferfilm über die Schweiz in der Nacht

Zwischen Februar und September verbrachte Oliver Schmid (42) 17 schlaflose Nächte in den Schweizer Bergen. Dabei fotografierte er die Milchstrasse tausendfach. Entstanden ist ein gut dreiminütiges Zeitraffervideo, das sogar im Ausland grosse Beachtung fand. (Youtube / Oliver Schmid, 04.10.2017)


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