Zuger Personalvermittler im Aufwind

ZUG ⋅ Seit sechs Jahren geht es stetig bergauf für das Headhunting-Unternehmen Prime21. Seit kurzem werden nicht nur IT-Spezialisten vermittelt, sondern auch Ärzte, Pflegepersonal, Architekten und Bauleiter.
09. Oktober 2017, 04:38

Adrett gekleidet stehen die drei jungen Männer am Treffpunkt im Zuger Bahnhof. Die Stimmung ist locker, es wird gescherzt, einander aufgezogen. Andri Granziol (33), Mario Kaufmann (41) und Sebastian Booz (33) haben allen Grund, zufrieden zu sein. Vor gut sechs Jahren gründeten sie das Headhunting-Unternehmen Prime21 mit Sitz in Zug. Ein knappes Jahr nach dem Start war der Break-even erreicht, das investierte Geld also wieder reingeholt worden.

Heute beschäftigen die drei Gründer und Partner rund 30 Angestellte in drei Städten. Seit 2012 hat Prime21 auch ein Büro in Zürich, vor zwei Jahren kam der Standort Bern dazu. Warum läuft das Geschäft so gut? Das habe mit der anhaltend hohen Nachfrage und der Spezialisierung auf IT-Fachkräfte zu tun, sagt der in Zug aufgewachsene Andri Granziol. Das Unternehmen hat den Fokus von Anfang an auf diese Berufsgruppe gelegt. Da sich in der Schweiz nur schwer gute Programmierer oder Spezialisten für die Unternehmensstandardsoftware SAP finden, ging es mit der Firma rasch vorwärts. Nach einem halben Jahr habe man bereits die ersten Leute einstellen können.

Der Chef wurde zum Partner

Kennen gelernt haben sich die drei Gründer vor fast zehn Jahren. Booz und Granziol arbeiteten damals bei einem Zentralschweizer Personalvermittler und wechselten dann zusammen zu einem internationalen Vermittlungsunternehmen nach Zürich. Ihr neuer Chef dort war Mario Kaufmann. Nach rund einem Jahr festigte sich in den Köpfen des Trios der Gedanke, etwas Eigenes aufzubauen. «Das Management dieser grossen internationalen Firma sass in Deutschland, und wir sahen immer wieder, dass der Schweizer Bezug etwas fehlte», sagt Booz. Doch es brauche eine gewisse Nähe zu den Leuten und den Firmen. So wurde aus dem Chef ein Partner. «Doch bevor wir die Firma gründeten, mussten wir uns auf eine Vision einigen», so Granziol. Sie seien alle drei Alphatiere. «Jeder hält seine Idee jeweils für die beste», sagt Granziol lachend.

Man einigte sich darauf, einen Headhunting-nahen Ansatz zu verfolgen, jedoch mit stärkerer Fokussierung auf die Bedürfnisse der Kandidaten. «Was uns unterscheidet, ist, dass wir an langfristigen Vermittlungen interessiert sind, also nicht einfach das knallharte Vermittlungsgeschäft betreiben», sagt Granziol. Um die suchenden Firmen wie auch die Kandidaten nachhaltig zufriedenzustellen, komme man nicht um persönliche Gespräche mit beiden Seiten umhin. Man müsse genau wissen, was eine Firma suche, welches ihre Unternehmenskultur sei und welche Erwartungen auf Seiten der Kandidaten vorhanden seien.

Ein weiterer Vorteil sei die eigens entwickelte Software. Dort sind Tausende Kandidaten strukturiert erfasst. Die Daten werden laufend aktualisiert. «Mit der Software haben wir eine höhere Suchgenauigkeit, wissen also besser, was die Kandidaten wollen und können. So holen wir unsere Kunden besser und schneller ab», erklärt Granziol. Er, Kaufmann und Booz sind überzeugt, dass auch dies ein Faktor war und ist für das schnelle Wachstum.

Und dieses ist auch verantwortlich dafür, dass Prime21 im kommenden März das heutige Büro an der Baarerstrasse verlassen und in die zweite Etage des Zuger Bahnhofs ziehen wird. Es sei einfach zu eng geworden. Im Zuger Büro arbeiten heute 11 Rekrutierungsspezialisten, geleitet wird der Standort von Granziol. Kaufmann und Booz verantworten zusammen den Standort Zürich mit 15 Leuten. Für diese beiden Büros wie auch für den Berner Standort suche man weitere Arbeitskollegen.

Zug als optimale Drehscheibe

Für Zug als Hauptsitz habe man sich damals entschieden, weil Granziol hier einen guten Nährboden für junge Unternehmen sah, etwa aufgrund der Nähe zur Verwaltung. Aber auch die Lage sei ein Vorteil. «Wir sind in der ganzen Deutschschweiz tätig. Und da wir viel bei den Kunden sind, ist Zug optimal», sagt er. Und nicht zuletzt siedelten sich hier immer mehr IT-Firmen an.

Die Arbeit dürfte Prime21 kaum ausgehen. Auch aufgrund eines Trends: «Immer mehr Firmen lagern den ganzen – zunehmend aufwendigeren – Rekrutierungsprozess aus», sagt der gebürtige Luzerner Kaufmann. Gerade bei KMU seien Personalverantwortliche hauptsächlich mit anderen Belangen als der zeitintensiven Suche nach IT-Spezialisten beschäftigt. «Diese Aufgabe wird dann an uns ausgelagert. So können Unternehmen letztlich Zeit und Geld sparen.»

Und neuerdings suchen Kaufmann, Booz und Granziol nicht mehr ausschliesslich IT-Spezialisten, sondern auch Ärzte, Pflegefachpersonal, Bauleiter oder Architekten. Vor einem Jahr kam der Bereich Construction 21 dazu, der sich der Vermittlung von Fachkräften in der Baubranche widmet. Und im vergangenen August erweiterte man das Angebot mit Care 21 auf den Medizinalbereich.

 

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch


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