Zuger Polizei hat neuen psychologischen Dienst

VERGABE ⋅ Seit dem Sommer sucht die Zuger Polizei Psychologen. Jetzt steht fest, wer den Dienst übernimmt. Es wird erneut eine externe Firma sein. Doch das Echo auf die Ausschreibung war gering.
13. November 2017, 05:00

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Die Ausschreibung im Sommer liess aufhorchen. Denn das Mandat, das die Zuger Polizei ausschrieb, war ein wichtiges: Es ging darum, einen neuen An­bieter für den polizeipsychologischen Dienst zu finden. Nicht, dass die Polizei mit dem bisherigen Dienst unzufrieden gewesen wäre; vielmehr verlangte das Submissionsgesetz des Kantons eine öffentliche Ausschreibung. Bis Ende August konnten Unternehmen – grundsätzlich jedermann, der die Anforderungen erfüllt – Angebote einreichen.

Jetzt ist klar, wer die anspruchsvolle Aufgabe künftig übernehmen wird: «Den Zuschlag für das Mandat Polizeipsychologie hat die Firma Michael Stark Psychologische Beratung und Coaching erhalten», sagt Gregor Bättig, Chef Kommandobereiche bei der Zuger Polizei, auf Anfrage. Er ist für das Mandat zuständig. Der Zuschlag sei erteilt worden, «weil die Firma alle Voraussetzungen restlos erfüllt», so Bättig weiter.

Hilfe bei emotionalen Extremsituationen

Und der Katalog der Voraussetzungen ist umfangreich: Die Psychologinnen und Psychologen haben zum einen die Aufgabe, die Polizeibeamten auf Situationen vorzubereiten, in denen diese als Erste auf Tote, Verletzte oder suizidgefährdete Personen treffen. Sie sind andererseits auch für Einsätze und die Einsatznachbereitung zuständig. Und sie wirken bei der Anstellung von Polizisten mit. Da die Ein­sätze für die Krisenintervention nicht planbar, aber jeweils dringlich sind, müssen die Polizeipsychologen rund um die Uhr während 365 Tagen im Jahr erreichbar und innert einer Stunde am Einsatzort innerhalb des Kantons Zug sein, wie es in der Ausschreibung hiess. Weiter müssen sie «vertrauenswürdig» und «gut ausgebildet» sein.

Diese anspruchsvollen Kriterien zu erfüllen, ist äusserst schwierig. Dies könnte ein Grund sein, warum das Echo auf die Ausschreibung gering ausfiel. Bättig: «Auf die Ausschreibung hin hat sich nur eine Firma um das Mandat beworben und eine Offerte eingereicht.» Während der Ausschreibungsphase habe es ausserdem noch eine Anfrage einer Firma aus Bern gegeben, «die dann aber auf eine Offerte verzichtet hat». Mit der Michael Stark Psychologische Beratung und Coaching (MSBC) werde nun der neue Vertrag – der fünf Jahre, also bis 2022 läuft – «auf der Grundlage der Ausschreibung beziehungsweise Offerte erarbeitet», so Bättig. Das Budget für die Leistungen beläuft sich auf 95000 Franken. So viel hat der psychologische Dienst die Zuger Polizei in den letzten fünf Jahren laut eigenen Angaben im Durchschnitt jährlich gekostet. Vergeben wird der Auftrag von der Sicherheitsdirektion.

Hinter der Firma MSBC, die nun den Auftrag erhalten hat, steht Michael Stark. Er ist seit zehn Jahren Psychologe bei der Stadtpolizei Zürich. Im gleichen Team wie Stark arbeitet auch der Zuger Wolfgang Moos, dessen Firma Humanfocus – Moos HR Consulting den polizeipsychologischen Dienst in Zug bisher wahrgenommen hat, in der Form eines Netzwerks von sechs Psychologinnen und Psychologen in verschiedenen Teilzeitmandaten. Dies im Gegensatz etwa zur Luzerner Polizei, die drei Psychologinnen fest anstellt.

Bisheriger Anbieter verzichtet

In Absprache mit den Kommandanten der Korps der Stadt Zürich und der Zuger Polizei stellte Moos den Dienst im Nebenerwerb bereit. Schon im Sommer konnte er aber nicht sagen, ob er überhaupt eine Offerte einreichen werde. Offensichtlich hat sich Moos dagegen entschieden. Er stellte sich aber klar hinter das Ausschreibungsverfahren.


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