«Zugin suomalaiset» oder die «Finnen in Zug»

CHAM ⋅ Zum 100-Jahr-Jubiläum von Finnland haben sich gestern über 70 Feierfreudige in der Villa Villette getroffen. Auch ein besonderer Gast aus Bern hat sich die Ehre gegeben, dabei zu sein.
07. Dezember 2017, 05:00

Die Villa Villette in Cham ist gestern zu einem Klein-Finnland mitten im Kanton Zug geworden: Denn am 6. Dezember vor genau 100 Jahren hatte das finnische Parlament die Unabhängigkeit vom russischen Reich proklamiert. Dieser Nationalfeiertag wird jedes Jahr gebührend gefeiert. Der Höhepunkt ist jeweils der Empfang im Präsidentenpalast in Finnlands Hauptstadt Helsinki, wo wichtige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft teilnehmen.

Diesen Anlass haben sich die beiden Finninnen Riikka Horvat (42) und Leena Seemann (67), ehemalige Wirtin des «Ascot» in Zug, zum Vorbild genommen, um in der «Villette» ebenfalls gross zu feiern. Insgesamt 76 Finnen zusammen mit ihren Angehörigen haben sich für die Feier angemeldet. Bereits vor zehn Jahren organisierten die beiden ein solches Fest – damals zum 90-Jahr-Jubiläum des nordischen Staates. «Es ist einfach schön, sich in Ballkleider zu schmeissen», findet Riikka Horvat. Sie habe in den vergangenen Tagen noch extra geübt, mit «Stöckelschuhen» zu laufen. Ihre Freundin Leena Seemann erwidert in Gedanken an die hohen Schuhe: «Wir Finnen lieben die Herausforderung.»

Die beiden Organisatorinnen haben Schweizer geheiratet. Leena Seemann ist bereits seit den 1970er-Jahren in der Schweiz. «Wir Finnen lieben die Natur und diese geniesse ich hier besonders», sagt die in Oberägeri Wohnhafte. Auch der Winter in der Schweiz sei nicht so hart wie jener im Norden. «Dort ist es halt immer dunkel und kalt.» Leena Seemann fühlt sich äusserst wohl im Kanton Zug, wie sie selber sagt. «Ich habe die Sitten hier akzeptiert und konnte mich daher auch wirklich leicht integrieren.» Sie gibt aber zu: «Ein Teil von meinem Herzen wird doch immer Finnland gehören.»

«Das gibt es nur bei uns Finnen»

Eine Parallele zwischen dem Wesen der Finnen und demjenigen der Schweizer ist Riikka Horvat aus Baar schon aufgefallen: «Charakterlich sind wir nicht so unterschiedlich: Die Finnen werden auch gerne in Ruhe gelassen und akzeptieren, wenn das andere wollen.» Die 42-Jährige lebt inzwischen seit 17 Jahren in der Schweiz.

Ende 2016 wohnten 251 Finninnen und Finnen ständig im Kanton Zug. Viele von ihnen gehören der privaten Facebook-Gruppe «Zugin suomalaiset» (Finnen in Zug) an, die inzwischen um die 180 Mitglieder zählt. Die Organisation der Jubiläumsfeier sei sehr unbürokratisch verlaufen: «Wir haben einfach alle Mitglieder eingeladen.» Zudem treffen sich die «Finnen in Zug» jeweils am ersten Donnerstag im Monat im Restaurant Hops One in Zug. «Es kommen immer wieder Neue», freut sich Riikka Horvat.

Neben diesen Treffen können die beiden Finninnen auch an der Jubiläumsfeier wieder ihre Muttersprache aktiv benutzen. «Es ist schön, Zeit mit Finnen zu verbringen», sagt Riikka Horvat.

Doch diesmal haben sie noch eine Scheibe draufgelegt: Der finnische Botschafter gibt sich die Ehre und feiert mit. «Eigentlich habe ich um eine Videobotschaft oder ein Grusswort gebeten und ihm eine Einladung in die Botschaft geschickt. Als er dann zusagte, fühlten wir uns sehr geehrt», resümiert Riikka Horvat. Auch eine Tanzshow haben die beiden Organisatorinnen vorbereitet. Riikka Horvat greift zum Mikrofon und singt. Während Leena Seemann zusammen mit vier Frauen und einem Mann im Hintergrund tanzt – inklusive Kleiderwechsel. «Das gibt es nur bei uns Finnen: Eine fast 70-Jährige schwingt die Hüften», sagt Leena Seemann mit einer gehörigen Portion Selbstironie. «Wir nehmen das mit Humor.»

 

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: