Zwei Institutionen hören auf

ALPLI/WILDSPITZ ⋅ Die Pächter der Alpwirtschaft Alpli und des Berggasthauses Wildspitz verlängern ihre aus- laufenden Verträge nicht mehr. Für viele Zuger ändert sich damit 2018 die traditionelle «Schnitzelitour».
13. Juli 2017, 08:26

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Ende Juni 2018 endet die achtjährige Miete des Berggasthauses Wildspitz von Christa und Philippe Klinger. Und vier Monate später ist auch für Edith und Ueli Baumann Schluss. Die beiden Unterägerer haben ihren Pachtvertrag mit der Korporation Zug für das «Alpli» nicht mehr erneuert und hören nach 21 Jahren auf.

Die beiden «Kündigungen» sind ein herber Schlag. Und dies sowohl für die Stammgäste der beiden Gastronomiebetriebe als auch für deren Besitzer. «So jemanden wie die Baumanns finden wir nie mehr», sagt Korpo­rationspräsident Urban Keiser. «Die Baumanns sind legendär.» Ueli und Edith Baumann haben nämlich in dritter Generation das «Alpli» von der Korporation Zug gepachtet, und damit endet die Ära Baumann definitiv. «Sie kann man nicht ersetzen», sagt Keiser: «Denn die Baumanns sind eine Institution.» Es sei für die Korporation wichtig, dass die Alp weiter bestossen werde. Denn sonst verganden die Alpweiden, betont Keiser. «Es ist sicher schwierig, jemanden zu finden, der im Sommer Rinder sömmert und gleichzeitig im Restaurant wirtet.» Denn es habe im «Alpli» keinen Strom, und sei es nur an sieben von zwölf Monaten möglich, das Restaurant geöffnet zu haben.

Schnelle Entscheidung erwünscht

«Meine Hoffnung ist es, dass wir jemanden finden, der im gleichen Stil weitermacht», sagt Verwaltungsrat Franz Weiss, der für die Bergallmenden der Korporation zuständig ist. Er sei aber zuversichtlich. «Vielleicht kommen jetzt, wenn die Neuigkeit bekannt ist, ja bald Bewerbungen rein.» Er bevorzuge ein junges Paar, das noch voller Elan sei, sagt Weiss. «Es muss ja nicht grad ein 50 bis 60 Jahre alter Aussteiger sein. Wir werden nach den Sommerferien aktiv und schauen bis dann mal, wer sich bei uns meldet.» Wichtig sei eine schnelle Entscheidung, damit die Baumanns dem neuen Pächter ihr Wissen weitergeben könnten.

«Jeder ist ersetzbar», entgegnet Ueli Baumann das Lob des Korporationspräsidenten. «Es ist für uns der absolut richtige Zeitpunkt, um aufzuhören.» Denn nachdem klar geworden sei, dass keiner ihrer drei Söhne die Tradition weiterführen wolle und der zehnjährige Pachtvertrag gerade zur Disposition gestanden sei, seien sich seine Frau und er einig gewesen: «Das passt ideal.»

Auch Baumann sieht als Nachfolger am ehesten «Junge, die Pfupf» haben. «Und nicht alte Quereinsteiger.» Gut sei ausserdem, wenn diese in der Nähe wohnen würden. «Und am besten wäre es, wenn deren Kinder in Walchwil oder Unterägeri in die Schule gehen könnten.» Wünschenswert sei zudem, dass die Bestossung der Alp und die Wirtschaft nicht getrennt würden, ergänzt Baumann. «Das gäbe nämlich etliche Probleme – auch im Bezug auf die Wohnsituation.»

Koch und Praktiker gefragt

Eine ähnliche Problematik stellt sich auf dem Wildspitz. «Ich würde die Klinglers am liebsten klonen», sagt Stiftungsrat Albert Röthlin von der Stiftung Wildspitz, der das Land und das im Jahr 2000 erbaute Berggasthaus Wildspitz gehören. Der Stiftungsrat werde sich im September mit dem Nachfolgeproblem beschäftigen.

Er bedaure sehr, dass die Klinglers aufhören würden, sagt Röthlin: «Die beiden sind perfekte Gastgeber.» Wichtig finde er, dass einer der beiden Nachfolger Koch sei, und gefragt sei zudem ein Praktiker, der sich mit der Gebäudetechnik gut auskenne. «Wir wollen aufhören, wenn es am schönsten ist», sagt Philippe Klinger. Seine Frau und er hätten das Gefühl, es sei an der Zeit, nach acht Jahren aufzuhören. Es kämen ein paar Sachen zusammen, resümiert Klingler. «Zwei unserer langjährigen Mitarbeiter werden pensioniert, es stehen bauliche Sachen an, und wir müssen einfach ein bisschen runterfahren.» Ausserdem werde er im kommenden April 62 Jahre alt, und sie hätten als Quereinsteiger in vielen Jahren etwas aufgebaut, was sie nun gerne weitergeben würden. «Noch sind wir hier», sagt Klingler. «Noch dauert es ein Jahr, das wir geniessen, und wir werden unser Bestes für unsere vielen zufriedenen Kunden geben.» Er habe noch keine Ahnung, was sie nach dem «Wildspitz» machen wollen, gesteht Klingler. «Sicher etwas, was uns nicht so viele Stunden pro Tag beschäftigt. Wohl einfach etwas Ruhigeres und Einfacheres.»

Noch bleibt also ein Jahr Zeit, um die berühmte «Schnitzeli­tour», bestehend aus einem Apéro auf dem Wildspitz bei Klinglers und «Baumann-Schnitzeli» im «Alpli», zu geniessen.


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