Der «Freshman» schlägt voll ein

FUSSBALL ⋅ Vor einem Jahr wechselte Marc Hoppler aus Luzerns U21-Equipe in ein US-College-Team. Nun ist der 19-jährige Krienser für die Sommerferien zurückgekehrt – mit einer besonderen Auszeichnung.
08. August 2017, 07:45

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

In diesen Tagen ist es so, als wäre er nie weggewesen. Marc Hoppler bestreitet zwar mit der U21-Auswahl des FC Luzern keine Spiele, am Training nimmt er aber teil, wie er es bis vor einem Jahr getan hat. Zudem wohnt er wieder zu Hause in Kriens bei seiner Mutter, sorgt während ihrer Ferienabwesenheit für ihre drei Hunde. Lange wird es aber nicht mehr so bleiben, am 17. August wird der 19-Jährige zurück in die USA fliegen – nach Roanoke im Bundesstaat Virginia, wo er seit einem Jahr Wirtschaft studiert und Fussball spielt. «Ich bin absolut zufrieden, super glücklich und freue mich, wenn es dort weitergeht», sagt der junge Mann und lacht.

Wie seine Zwischenbilanz nach dem ersten der vier geplanten Auslandsjahre ausfällt, ist damit bereits vorweggenommen. Marc Hoppler hat sich auf dem verhältnismässig familiären College mit 2500 Studenten bestens eingelebt. «Mühe hatte ich zu Beginn nur mit der Sprache. Ich dachte eigentlich, ich könne recht gut Englisch. Vor Ort musste ich zunächst aber feststellen, dass ich vieles nicht erzählen konnte, was ich gerne erzählt hätte.» Sein Leben in der Hochschule im Ortsteil Salem teilt er dabei in zwei Bereiche auf: «Sport und den Rest.»

Hoppler ist Schlüsselspieler und Torjäger

Sein Team sind die Roanoke Maroons, sein Wirkungsgebiet ist nicht wie in Luzern die linke Aussenbahn, sondern die zentrale Abwehr. «Ich kann vieles bewirken, habe mehr Kontrolle über das Spiel. Zwischendurch dribble ich mit dem Ball sogar nach vorne.» Hoppler gibt zu, dass das Niveau in der dritten College-Division nicht sehr hoch ist. Fussballerisch aber sei er trotzdem weitergekommen, weil er mehr Verantwortung über­nehmen könne und sogar in eine Leaderrolle hineingewachsen sei. Mehr noch: Der «Freshman» aus Luzern, so werden Studienanfänger genannt, hat sich gleich die Auszeichnung des Rookie of the Year geangelt. Auf der Website der Liga mit dem Namen ODAC heisst es übersetzt: «Hoppler war ein Schlüsselspieler, sowohl im Angriff als auch in der Defen­sive.» Mit sechs Treffern war er teamintern sogar der beste Torschütze. In der regulären Saison belegte seine Mannschaft den zweiten Rang, in den anschliessenden Playoffs verpasste sie dann aber die Qualifikation für das nationale Turnier. Speziell: Die Saison dauerte nur von September bis Dezember, im Frühjahr ruhte die Meisterschaft, und auch der Trainingsbetrieb war reduziert. «Der Verband gibt viele Regeln vor. So darf man in der 3. Division nur eine beschränkte Anzahl Trainings durchführen. Der Fokus soll auf der Schule liegen», berichtet Hoppler.

Die freie Zeit nutzte er für individuelle Übungseinheiten und zum Lernen. Mit der Durchschnittsnote 2,8 habe er seine Lehrer überzeugt, das Maximum sei eine 4. Auch College-Partys lernte er kennen. Oder Verbindungen. «Bei den Aufnahme­ritualen geht es aber nur darum, sich zu betrinken. Darauf kann ich verzichten.» Ohnehin müsse er als noch nicht 21-Jähriger in den USA vorsichtig mit dem ­Alkoholkonsum sein. «Erwischt mich die Polizei auf der Strasse mit einem Bier in der Hand, drohen mir drei Tage Knast.»

Wechsel in die 1. Division soll nächster Schritt sein

Und wie hat sich das Land seit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten verändert? «Auf dem Campus ist das kein Thema. Als ich einen Kollegen in Baltimore besuchte, schien für dessen Mutter, die für Hillary Clinton gestimmt hatte, aber eine Welt unterzugehen. Amerikaner können extrem sein.» So gut es Marc Hoppler in Roanoke nahe der Atlantikküste auch gefällt, seine Zeit neigt sich bereits dem Ende zu. Ein Jahr wolle er dort noch studieren, dann möchte er wechseln. Des Fussballs wegen. «Ich strebe den Wechsel in die 1. Division an. Da ist alles ­professioneller und die Spieler sind physisch stärker», erzählt Hoppler, der in der nächsten Saison nicht mehr mit der Nummer 32, sondern mit der 23 seines Lieblingsspielers David Beckham auflaufen wird. Sein Fernziel bleibt die Major League Soccer. «Ich lasse ein Video mit Highlights von meinem Spiel zusammenschneiden und werde mich dann auf die Suche nach einem neuen College machen.»


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