In italien geht die Angst vor dem Weltuntergang um

FUSSBALL ⋅ Italien hat seit 1958 keine WM verpasst. Auch wenn sich die Squadra in der Barrage (Hinspiel heute, 20.45/TV 24) gegen Schweden durchsetzt, muss Trainer Gian Piero Ventura fürchten, seinen Posten zu verlieren.
10. November 2017, 08:54

Jürgen Zelustek (SID), Stockholm

sport@luzernerzeitung.ch

In Italien schiessen die Spekulationen jetzt schon ins Kraut. Bereits vor den beiden Play-off-Spielen des viermaligen Weltmeisters in der WM-Qualifikation gegen Schweden wird offen über die Absetzung des Nationaltrainers Gian Piero Ventura und über ein Comeback des Vorgängers Antonio Conte diskutiert.

Die Angst vor dem «Weltuntergang» geht um. «Wenn wir die WM verpassen, käme das einer Apokalypse gleich», sagt Italiens Verbandschef Carlo Tavecchio unmissverständlich. Vor dem Hinspiel in Stockholm (heute, 20.45/TV 24/RAI 1) sollen daher bereits hochrangige Vertreter des italienischen Verbandes FIGC Conte in London besucht haben, um den Teammanager des FC Chelsea zu einer Rückkehr in seine Heimat zu bewegen. Aber auch Ex-Trainer Fabio ­Capello wird gehandelt.

Selbst wenn Ventura mit seiner Mannschaft im Rückspiel am Montag in Mailand (20.45/TV 24/RAI 1) das Ticket zur WM-Endrunde 2018 in Russland löst, muss er nach den vielen schwachen Auftritten der Squadra Azzurra in seiner Amtszeit um seinen Job fürchten.

Den Untergang des italienischen Fussballs soll vor allem Ciro Immobile verhindern, der in der Form seines Lebens ist und für Lazio Rom in der Liga nach Belieben trifft. «Er ist in bestechender Form, natürlich hoffen wir auf seine Tore», sagt Ventura über den ehemaligen Dortmunder Chancentod.

Der Coach ist sich sicher, dass sein Team das Ziel erreicht: «Mit unserer Entschlossenheit werden wir das WM-Ticket lösen. Wir denken nicht einmal ans Ausscheiden», so Ventura. Bislang fehlten die Italiener nur 1930 und 1958 bei der WM.

Vom Chaos-Haufen zur verschworenen Einheit

Rückendeckung erhält Ventura von der einflussreichen «Gazzetta dello Sport», die siegessicher titelte: «Die Azzurri können nicht scheitern.» Derweil bemüht Verteidiger Leonardo Bonucci die Vergangenheit: «Als Italien 2006 Weltmeister wurde, gab es im Umfeld einiges Chaos, doch dann hat sich das ganze Land hinter die Nationalmannschaft gestellt. Unsere Stärke liegt darin, dass wir in schweren Momenten zusammenstehen.»

Routinier Daniele De Rossi, Weltmeister von 2006, warnt aber: «Wir dürfen uns gegen diese starke Mannschaft keine Fehler leisten.» Auch Torwart-Legende Gianluigi Buffon, der zum Abschluss seiner Karriere seine sechste WM-Teilnahme anstrebt, äusserte Respekt: «Schweden hat nicht umsonst die Niederlande hinter sich gelassen.»

Schweden setzt auf Berg und Forsberg

Der schwedische Trainer Janne Andersson, der in der Gruppe A der Qualifikation nur Frankreich den Vortritt lassen musste, sieht sein Team auch in der Aussenseiterrolle gut gerüstet: «Wenn wir unsere Form abrufen, müssen wir keinen Gegner fürchten, auch nicht Italien. Der Coach setzt unter anderem auf den früheren Hamburger-SV-Flop Marcus Berg, der in zehn Qualifikationsspielen zehn Tore erzielte, und auf den Leipzig-Star Emil Forsberg.

Der ehemalige schwedische Captain Zlatan Ibrahimovic rechnet jedenfalls mit einem spannenden Duell: «Beide Mannschaften werden so spielen, als wäre es ein WM-Final.»


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