Doppelvergabe auch im Winter?

OLYMPISCHE SPIELE ⋅ Das Internationale Olympische Komitee hat Gefallen gefunden an der Idee, zwei Spiele auf einmal zu vergeben. Dies könnte auch für das Projekt «Sion 2026» von Bedeutung sein.
16. September 2017, 04:40

Nikolaj Stobbe (SID)

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Fortsetzung folgt: Nach der gefeierten Doppelvergabe der Sommerspiele 2024 und 2028 an Paris und Los Angeles richteten sich die Blicke im Internationalen Olympischen Komitee IOC auf die nächste Herausforderung. Wer bekommt die Winterspiele 2026? Interessenten sind da, aber auch jede Menge Probleme. Wird es wieder zu einer Doppelvergabe kommen? «Eine interessante Frage», sagte Präsident René Fasel vom Eishockey-Weltverband (IIHF) am Rande des IOC-Gipfels in Lima. «Wenn wir wieder eine europäische und eine amerikanische Stadt haben, könnte man es machen. Ich fand die Vergabe an Paris und Los Angeles sehr elegant», meinte das einflussreiche IOC-Mitglied.

Und die Chancen, dass Europa und die USA je einen Kandidaten stellen, stehen gut. In Europa bereiten Sion (Schweiz) und Innsbruck (Österreich) Bewerbungen vor. In den USA haben Salt Lake City und Denver Interesse (siehe Kasten). Auch Calgary (Kanada), Sapporo (Japan) und Almaty (Kasachstan) prüfen Bewerbungen.

Noch viele Hürden für «Sion 2026»

Allerdings sind die Planungen alle noch im Anfangsstadium. Erst 2019 wird über die Vergabe entschieden. Hohe Hindernisse stehen im Weg. So muss Innsbruck am 15. Oktober ein Bürgervotum überstehen. Und auch in der Schweiz sind noch einige Hürden zu nehmen. Eingebunden ins Olympia-Projekt «Sion 2026» sind auch die Kantone Freiburg, Bern und Waadt. In St. Moritz soll zudem die Bobbahn genutzt werden. Weil die Kosten der Kandidatur auf die vier Kantone aufgeteilt werden, dürfte zwar keine obligatorische Volksabstimmung nötig sein, Referenden sind bei einem solchen Projekt aber fast schon programmiert und dürften im Herbst 2018 an die Urne kommen.

Bereits Anfang Oktober wird der Bundesrat den Grundsatzentscheid für oder gegen die Olympischen Winterspiele 2026 in der Schweiz fällen und eine Botschaft zuhanden des Parlaments ausarbeiten. Die parlamentarischen Debatten sollten dann im Herbst 2018 stattfinden. Die Kosten für die Organisation der Spiele werden derzeit mit rund 1,9 Milliarden Franken beziffert.

Wieder ein traditioneller Wintersportort

Sollten am Ende nur zwei Kandidaten übrig bleiben und die Aussichten für 2030 auch nicht besser werden, könnte das IOC auf die neue Wunderwaffe Doppelvergabe zurückgreifen. Die Wahl mit Paris und LA an einem Tag hatte fast nur Lob geerntet. IOC-Präsident Thomas Bach sprach ständig von einer «Win-win-win-Situation» für sein IOC und beide Städte.

«Wir haben jetzt in Lima darüber nicht konkret gesprochen», meinte Gian Franco Kasper, Präsident des internationalen Skiverbands (FIS) und Vorsitzender aller Wintersportarten im IOC, zum Thema Doppelvergabe. «Aber natürlich ist so etwas auch im Winter möglich.» Mit Blick auf die Winterspiele 2026 hatte Bach gefordert, dass die Wettkämpfe an einen traditionellen Wintersportort zurückkehren. In Sotschi (2012), Pjöngjang (2018) und Peking (2022) erhielten drei wintersportliche Entwicklungszentren den Zuschlag.


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