Analyse zum Schweizer Eishockey-Cup

Eine dekadente Philosophie – der Sport wird missbraucht

30. September 2016, 05:09

Drei Jahre sind genug. Es ist Zeit, die auslaufenden Verträge nicht mehr zu erneuern und den Cup im Eishockey wieder abzuschaffen. Nächste Saison ist das Gedränge im Terminkalender mit dem olympischen Turnier noch grösser. Ein idealer Zeitpunkt, um Schluss zu machen.

Der Hockey-Cup ist das Kind einer dekadenten Sportphilosophie. Es ist eine Veranstaltung ohne jeden sport­lichen Wert, von den Teilnehmern geringgeschätzt und nur dazu da, auf Kosten des Eishockeys Geld zu ver­dienen. Eine Vermarktungsagentur hat den Cup erfunden, um für ihre Kunden eine Werbeplattform im Eishockey zu bekommen. Der Sport wird missbraucht, seiner Glaubwürdigkeit Schaden zugefügt.

Anders als die Champions Hockey League, die mit dem internationalen Spielbetrieb der Clubs eine wünschenswerte sportliche Strategie ver­folgt, hat der Cup null sportlichen Stellenwert. Ja, der Cup hat inzwischen selbst in der Provinz seinen Reiz verloren. Lediglich 684 Zuschauerinnen und Zuschauer wollten die Ticino Rockets gegen den SCB sehen. Wiki Münsingen spielte in einer halb leeren Arena gegen den EV Zug.

Ausgerechnet der SC Bern hat diesen Wettbewerb nun ganz offiziell vollends lächerlich gemacht. Ohne Ausländer und nur mit zwei Spielern, die regelmässig in den ersten beiden Blöcken zum Einsatz kommen, ist der Meister gegen NLB-Letzten Ticino Rockets ausgeschieden (1:2 n. P.). Vorher hatten die Berner per Medienmitteilung (!) angekündigt, die Meisterschaft und die Champions League seien wichtiger, und deshalb müsse man die Stars schonen. Das Ziel ist erreicht. Der SCB muss diese Saison im Cup nicht mehr antreten.

Immerhin: Dank dem Cup hat das Spiel von heute Freitag gegen den SC Bern für den EV Zug einen besonderen Reiz bekommen: Die Zuger, die das Cupspiel gegen Wiki ernst genommen haben, bis auf Torhüter Tobias Stephan mit allen Tenören angetreten sind und 10:1 gewonnen haben, treffen auf die im Cup geschonten und ausgeruhten SCB-Stars, denen die ungeheure Be­lastung einer Busreise ins Tessin und eines schier unglaublich schweren Spiels gegen den NLB-Tabellenletzten nicht zuzumuten war. Ein Sieg der Zuger wäre der Triumph einer vorbildlichen Berufsauffassung über die Ar­ro­ganz und Ignoranz von SCB-General Marc Lüthi und SCB-Trainer Kari Jalonen.


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