Langnau – Playoffs so nah und doch so fern

EISHOCKEY ⋅ Können die SCL Tigers in der NLA die «gläserne Decke» durchstossen? Diese Woche wird eine erste Antwort auf die Frage geben.

01. Dezember 2016, 09:50

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

«Gläserne Decke»? Ja, dieses Phänomen macht Aussenseitern wie den SCL Tigers oder Ambri-Piotta zu schaffen. Die «Kleinen» erreichen zwar hin und wieder die Playoffs. In der Regel nicht im Schlussspurt. Die einzigen NLA-Playoffs der Langnauer im Frühjahr 2011 und Ambris letzte Playoffs 2014 waren vielmehr die süssen Früchte eines goldenen Herbstes.

Der unbelastet herausgespielte Vorsprung war so gross, dass beide Mannschaften im Februar in der Sänfte den Playoffs entgegengetragen wurden. Langnau schaffte damals die defini­tive Playoff-Qualifikation bereits am 22. Januar 2011 und verlor dann acht von neun Partien. Ambri hatte im Dezember 2013 schon 14 Punkte Vorsprung auf den 9. Platz.

Die Playoffs «von unten herauf» doch noch zu erreichen, ist für Aussenseiter hingegen schwierig. Siegen «müssen» ist eben schwieriger als siegen «dürfen». Zwischen Platz 8 und 9 gibt es eine «gläserne Decke», die Aussenseiter, die Playoffs vor Augen, nur in Ausnahmefällen durchstossen können. Die Playoffs: so nah und doch so fern.

Im Übereifer die Tugenden vergessen

Langnau hatte in 15 Spielen unter Heinz Ehlers 14 Punkte Rückstand auf Biel wettgemacht und am Dienstag die Chance, mit einem Sieg in der Direktbegegnung erstmals (und auf Kosten von Biel) über den Trennstrich zu klettern. Aber sie verloren 3:5. Sie stiessen an die «gläserne Decke». Den 8. Platz zum Greifen nah, beinahe auf dem Tablett serviert, vergassen sie in Übereifer und Nervosität ihre erstaunlichen Tugenden.

Langnau hat ja auf dem Papier eine der schwächsten Mannschaften der Liga. Deshalb ist die Wirkung des Trainerwechsels von Scott Beattie zu Heinz Ehlers nach zehn Runden und neun Niederlagen so erstaunlich. Die SCL Tigers sind nicht ein talentiertes Team, das gegen den Trainer spielte und dann, erlöst von einem ungeliebten Chef, zum Höhenflug ansetzt wie vor einem Jahr der SC Bern. Der Operetten-Trainer Scott Beattie war beliebt. Weil jeder tun und lassen konnte, was er wollte.

Was hat sich unter Heinz Ehlers verändert? Der taktische Hexenmeister hat Ordnung ins Spiel gebracht. Verteidiger Philippe Seydoux hat es in einem Satz erklärt: «Jeder kennt seine Rolle und kann sich auf den Mitspieler verlassen.» Heinz Ehlers organisiert eine nominell unterlegene Mannschaft nach dem «Hase-Igel-Prinzip». Talent und Tempo fehlen, um den Gegner vom Eis zu fegen. Die Differenz macht die Spielintelligenz beziehungsweise Taktik. Dort, wo die schnelleren Gegenspieler, die schnelleren Hasen, hinwollen, steht schon ein Igel, ein Langnauer. Wird dieses Prinzip mit Leidenschaft, Hingabe, Mut und Disziplin umgesetzt, dann ist der Himmel das Limit.

Heinz Ehlers bestätigt die Einschätzung, dass die Lang­nauer wahrscheinlich am wenigsten Talent haben. «Wenn Sie es so sagen, dann fehlen mir die Argumente, um diese Aussage zu widerlegen ...» Aber er hat etwas vorgefunden, das ihn beeindruckt. «Die Leidenschaft für das Eishockey ist in Langnau einfach unglaublich.» Das gelte nicht nur für die Spieler, sondern für alle: die Führung, die Helfer, ja für das ganze Dorf. «Das, was wir als Eishockeykultur bezeichnen, finden wir in Langnau.» Mag sein, dass das Geld fehlt. Aber der Geist ist da.

Die Tigers sind nicht bloss billiges Plastikspielzeug

Dieses «Hase-Igel-Prinzip» funktioniert nur, wenn sich alle daran halten und die Torhüter überdurchschnittlich halten. Als einziges Team neben Davos setzt Langnau konsequent auf zwei Goalies (Ivars Punnenovs und Damiano Ciaccio). So bleiben die Goalies trotz starker Belastung frisch. Ohne starke Schlussmänner zerbricht selbst das beste taktische Konzept wie billiges Plastikspielzeug.

Beim 3:5 gegen Biel musste Ivars Punnenovs nach vier Gegentreffern und einer Fangquote von 83,33 Prozent durch Damiano Ciaccio ersetzt werden. Diesmal war der Torhüter nicht gut genug für den Sieg. Und der Veteran Sven Lindemann fasste selbstkritisch zusammen: «Wir haben alle zu viele Fehler gemacht.» Die defensiven Igel waren zu oft nicht dort, wo Biels offensive Hasen auftauchten. Es haben sich nicht alle ans tak­tische Konzept gehalten.

Nun haben die Tigers zwei schwierige Partien gegen Teams auf Tabellen-Augenhöhe. Morgen gegen Servette, am Samstag in Ambri. Zwei weitere Chancen, die «gläserne Decke» zwischen Rang 9 und 8 zu durchstossen.


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