«Schaue lieber NLA als NHL»

EISHOCKEY ⋅ Larry Huras (61) ist Fribourgs neuer Trainer und gastiert am Samstag in Zug. Er sagt, warum er in seiner 18. NLA-Saison noch nicht altersmilde geworden ist.

28. September 2016, 21:32

Larry Huras, Ihre Handy­nummer ist immer noch die gleiche wie vor 15 Jahren. Haben Sie die behalten, weil Sie immer mit einem Anruf aus der Schweiz rechnen? Sie sind jetzt nach 2007 und 2009 zum dritten Mal zurückgekommen.

Die Schweiz ist tatsächlich meine zweite Heimat geworden. Ich habe hier die besten Jahre meiner Karriere erlebt und bin nun in meiner 18. Saison. Nur Arno del Curto hat noch länger gecoacht als ich.

Was ist der Unterschied zwischen dem Larry Huras, dem Meistertrainer von 2001 in Zürich, 2003 in Lugano, 2010 in Bern und dem Larry Huras, der jetzt in Fribourg seine Arbeit aufgenommen hat?

Meine Persönlichkeit, mein Charakter sind gleich geblieben. Aber ich habe mich als Coach im Laufe der Jahre verändert. So wie sich jeder Berufsmann weiterentwickelt.

Das heisst?

Ich bin geduldiger geworden ...

... also weicher. Das könnte ein Problem werden.

Nein, das bin ich nicht. Fragen Sie meine Spieler.

Sie haben am Dienstag getobt, als Fribourg im Cup gegen das NLB-Team aus Martigny 1:3 zurücklag? Sie haben ja schliesslich noch 4:3 gewonnen.

Wie gesagt, fragen Sie meine Spieler.

Sie sind also nicht altersmilde geworden?

Nein. Älter und erfahrener sein heisst nicht, dass man nachgiebiger oder – wie Sie es sagen – weicher wird. Es gibt Spieler, die sind mit 39 noch genauso motiviert und hungrig wie mit 25. Arno del Curto ist ein so guter Coach, weil er nicht nur mit der Zeit geht. Er ist der Zeit voraus. Er sucht immer neue Wege zu einem noch besseren Hockey. Dafür bewundere ich ihn. Wer als Coach stillsteht, wird überrollt.

Sie sind also nicht nach Fribourg gekommen, um einen milden Karriereherbst zu geniessen?

Oh nein. Ich bin nach Fribourg gekommen, weil ich eine neue Herausforderung gesucht habe. Fribourg ist ein grossartiges Hockeyunternehmen, das aber noch nie etwas gewonnen hat. Das will ich ändern.

Wahrlich, eine grosse Herausforderung. Sie wollen also mit Fribourg Meister werden.

Ich habe diese Saison ein paar Spiele gesehen. Die Mannschaft ist schnell und kann sehr intensiv spielen. Das ist schon einmal eine gute Grundlage.

Wo haben Sie denn die Spiele gesehen?

Ich habe nach wie vor Zugang zum System der Liga und kann alle Spiele sehen. Ich schaue ­lieber eine NLA-Partie als NHL. NLA-Hockey ist schnell, kreativ und unterhaltsam. Das Schweizer Hockey ist eine wunderbare Mischung aus den verschiedensten Hockeyphilosophien. Stanley-Cup-Playoffs sind grossartig, aber bei manchen NHL-Qualifikationsspielen schlafe ich ein.

Und, was haben Sie gesehen? Ist Fribourg ein Meisterteam?

In ein paar Monaten kann ich ­Ihnen mehr sagen. Nun geht es erst einmal darum, dass ich durch meine Arbeit den Spielern die Möglichkeit gebe, besser zu werden, eine Vertrauensbasis, eine Siegermentalität zu schaffen.

Ob Sie Ihre Ziele erreichen, hängt davon ab, ob Sie einen guten Torhüter haben. Wenn Benjamin Conz nicht besser wird, hilft alles nichts.

Ja, alles beginnt mit dem Torhüter. Ich habe mit Benjamin Conz bereits in Lugano gearbeitet. Wir haben aber mit Dennis Saikkonen einen sehr guten zweiten Torhüter. Der Konkurrenzkampf kann beide besser machen.

Sie haben also noch nicht den besten Benjamin Conz gesehen?

Diese Frage kann ich noch nicht beantworten.

Eigentlich versucht ein Coach immer, einen möglichst langen Vertrag herauszuholen. Sie haben aber nur bis zum Saisonende unterschrieben.

Ich bin inzwischen in der glücklichen Lage, dass ich heute das tun kann, was ich will und nicht einfach den erstbesten Job annehmen muss. Ich habe eine neue Herausforderung gesucht, und als ich den Anruf von Sportchef Christian Dubé bekam, habe ich keine Sekunde gezögert und die Vertragslänge war gar kein Thema für mich.

Und jetzt wartet ja am Samstag schon mal eine grosse Herausforderung. Sie treten mit Ihrem neuen Team in der NLA erstmals auswärts an. In Zug ...

... ja, ja, ich weiss. Das ist tatsächlich eine grosse Herausforderung.

 

Larry Huras

Der Kanadier war von 1975 bis 1980 in den Farmteamligen und bestritt zwei NHL-Spiele. Von 1980 bis 1994 Spieler und Spielertrainer in Frankreich (Grenoble, GAP, Rouen).

Trainer: ZSC (1994 bis 1996), Ambri (1996 bis 2000), ZSC Lions (2000 bis 2002), Lugano (2002 bis 2006), Ambri (2006/07), Stavanger (2007/08), Villach (2008/09), SC Bern (2009 bis 2012), Lugano (2012/13), München (2013/14) Ingolstadt (2014/15), Modo (2015), Fribourg-Gottéron.

Erfolge: Viermal französischer Meister. – Qualifikationssieger und Playoff-Final mit Ambri. – Meister mit den ZSC Lions (2001), Lugano (2003) und dem SC Bern (2010).

Interview Klaus Zauggsport@luzernerzeitung.ch


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