Lara Stalder – Beste Skorerin in der besten Liga

EISHOCKEY ⋅ Die Schweizer Nationalstürmerin Lara Stalder lebt eine Bilderbuchkarriere. Zurzeit ist die 23-jährige Luzernerin Topskorerin in Schweden. Und sie träumt von einer weiteren Olympia-Medaille.
12. November 2017, 09:53

Daniel Monnin

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Lara Stalder steht mit beiden Füssen im Leben, «ganz schön erwachsen», wie die Luzernerin mit einem ansteckenden Lachen sagt. «Dabei musste ich zu Beginn meiner Auslandkarriere zuerst lernen, erwachsen zu werden.» Sie ist ehrgeizig, auf und neben dem Eis, sportlich wie auch beruflich. Sie hat sich ihre Erfolge hart erarbeitet, dabei das grosse Talent gebündelt. Auch wenn sie manchmal als Juniorin beim HC Luzern und später in verschiedenen Frauenteams hin und wieder mit dem Kopf durch die Wand wollte. Eine Rückblende auf zwei prägende Stationen in ihrer Karriere.

Piestany, 9. April 2010: Rookie Lara Stalder, noch keine 16 Jahre alt und eine der Jüngsten an den Weltmeisterschaften der Division 1 wird aufgrund ihrer überragenden Leistungen (5 Tore und 4 Assists in 5 Spielen) und einer Plus-18-Bilanz zur besten Verteidigerin des Turniers gewählt. «Das war mein erster grösster Höhepunkt», lächelt sie und wählt bewusst die Steigerungsform von gross. «Es war meine erste WM und meine erste Goldmedaille. Wir hatten ein Super-Team, haben alle Gegner dominiert und sind verdient aufgestiegen.»

Sotschi, 20. Februar 2014: Lara Stalder, noch nicht ganz 20-jährig, steht an den Olympischen Spielen in Russland kurz nach dem überraschenden Sieg im kleinen Final gegen Schweden verschwitzt, aber überglücklich vor den TV-Kameras: «Unglaublich, ich kann es kaum fassen. Dafür haben wir uns den ganzen Sommer lang den A… aufgerissen.» Das hätte sie wohl besser nicht so gesagt, blickt sie heute, vier Jahre später, mit einem schelmischen Lächeln zurück: «Ich habe meinen Gefühlen freien Lauf gelassen, und diese Worte lagen mir einfach auf der Zunge. Und sie entsprachen ja auch der Wahrheit.»

«Wir haben uns stetig weiterentwickelt»

Und schon bald folgt der nächste Akt im Vier-Jahres-Rhythmus: Pyoengchang im Februar 2018: «Alles ist wieder möglich», ist die Luzernerin überzeugt. «Wir haben uns stetig weiterentwickelt und arbeiten hart für unser Ziel.» Sie spricht von einer riesigen ­Vorfreude, die das ganze Team seit Monaten begleitet. «Immer wenn wir zurückblicken, kehren auch die unglaublichen Glücksmomente für kurze Zeit zurück. Das ist Ansporn und macht Lust auf mehr», sagt die Stürmerin, die im Februar am Qualifikationsturnier in Arosa die Schweiz mit acht Treffern praktisch im ­Alleingang nach Pyoengchang geschossen hatte.

Zwischen ihrem internationalen Debüt und heute liegen fast acht Jahre. Jahre, in denen Lara Stalder eine ganze Menge erlebt hat. Vor allem die vier Jahre an der University of Minnesota Duluth haben sie geprägt. «Das war ein Riesenerlebnis. Wie ich bereits erwähnt habe, musste ich zuerst lernen, selbstständig und erwachsen zu werden. Und weil ich ausgeprägt ehrgeizig bin, wollte ich neben dem Eishockey auch den Grundstein für eine spätere berufliche Karriere legen. Deshalb habe ich ein hochstehendes Programm ausgewählt.»

Neben vielen Auszeichnungen als Spielerin und einer beeindruckenden Skorerbilanz mit 148 Punkten (54 Tore/94 Assists) in 134 Spielen schloss sie auch den ersten Teil ihres Studiums in Retail Marketing Analytics ab. Der spätere Beruf – ihr schwebt eine Arbeit im Bereich Business Analytics und Consulting vor – war auch mitentscheidend bei der Wahl ihres neuen Klubs. «In Linköping habe ich die Möglichkeit, den Master of Business (MBA) zu machen.» Dass auch Nationaltorhüterin Florence Schelling beim schwedischen Spitzenklub und aktuellen Leader spielt, war ein weiterer guter Grund für den Wechsel zu Linköping.

«Mir gefällt es sehr gut in Schweden, alles ist professionell organisiert.» Das unterstreichen auch ihre statistischen Werte: Mit 34 Punkten aus 18 Spielen (22 Tore/13 Assists) führt sie die Skorerliste der Liga an. Das sei zwar schön, «aber für mich steht immer das Team im Vordergrund». Dass sie kürzlich 67 Sekunden vor Spielende gegen SDE Hocke aus Stockholm (mit Nati-Kollegin Phoebe Staenz) ihr Team mit dem einzigen Treffer des Spiels zum Sieg schoss, verschweigt sie.

Lara Stalder ist erfolgreich und bescheiden zugleich.


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