Kopf des Tages

800 NHL-Spiele: Der Wegbereiter Mark Streit

EISHOCKEY ⋅ Der Berner Mark Streit war der erste Schweizer Feldspieler, der sich in der berühmtesten Hockey-Liga der Welt durchgesetzt hat. Der Stanley Cup krönt seine Karriere.
13. Juni 2017, 09:59

Die Hockeygötter sind gerecht. Sie haben Mark Streit den Stanley Cup beschert. Der erste Schweizer Feldspieler, dem diese Ehre zufällt. Oder doch nicht ganz? Weil er im Final kein Spiel bestritten hat – er sass als überzähliger Verteidiger auf der Tribüne –, wird sein Name auf der berühmtesten Hockey-Trophäe nicht eingraviert. Die Ehrenrunde mit dem Pokal im Stadion ist trotzdem die verdiente Krönung einer der grössten Schweizer Hockey-Karrieren.

Auch wenn der Berner für Puritaner nicht als echter Stanley-Cup-Sieger gelten mag, so ist er doch einer der grössten Schweizer Spieler aller Zeiten. Ein Hockey-Pionier, der sich als erster Schweizer Feldspieler in der NHL durchgesetzt und einer ganzen Generation den Weg in die berühmteste Liga der Welt geebnet hat. Und auch durch die Heirat mit Tom Lüthis Ex-Freundin Fabienne Kropf, einem Model mit abgeschlossenen Studium, ist er wie kein anderer helvetischer Hockey-Star ein Liebling des Boulevards und der bunten Heftli geworden. Eine Rolle, die ihm nicht so recht behagt. Weil sie nicht seinem Wesen entspricht.

Geld und Ruhm haben Mark Streitn nämlich nicht verändert. Er wirkt heute genauso bescheiden, leise, freundlich, aufmerksam und geduldig wie vor 20 Jahren. Er protzt nicht mit seinem Reichtum. In Bern hat er sich längst an bester Lage eine Eigentumswohnung gekauft, und dass er dort einen Mercedes in der Garage stehen hat, wagt er fast nicht zu sagen.

SC Bern-Sportchef Bill Gilligan schätzte Mark Streit als untauglich für die NLA ein. Zu wenig kräftig und talentiert. Das hätte bereits das Karrierenende sein können. Doch Streit wechselt auf Anraten seiner Eltern zu den Junioren des Erzrivalen Gottéron. Eine grandiose Laufbahn nimmt im Herbst 1995 ihren Anfang, die über Fribourg, Davos, Salt Lake City, Tallahassee, Springfield, Zürich, Montréal, New York, Philadelphia und Tampa schliesslich im Frühsommer 2017 zur Stanley-Cup-Party nach Pittsburgh führen wird.

Mark Streits Vertrag, dotiert mit vier Millionen Dollar Jahressalär, ist nun ausgelaufen. Er wird im Dezember 40 Jahre alt. Aber das letzte Kapitel dieser einzigartigen Karriere ist noch nicht geschrieben. Die Chancen stehen gut, dass er noch einmal einen NHL-Vertrag bekommen wird. Eine Rückkehr in die NLA schliesst er klugerweise aus. Sein Name und sein Charisma würden viel zu hohe Erwartungen wecken. Er könnte sie nicht einmal erfüllen, wenn er zehn Jahre jünger wäre. Wer sich in mehr als 800 NHL-Spielen bewährt und mehr als 50 Millionen Dollar verdient hat, mag sich zum Schluss nicht in Bern, Langnau oder Zürich abmühen und kritisieren lassen.

 

Klaus Zaugg


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