Josh Holden ist Matchwinner gegen Davos

EISHOCKEY ⋅ Der Kanadier Josh Holden ist in der National League nur noch Gelegenheitsarbeiter. Der alte Leitwolf kann dank seiner Erfahrung aber immer noch Impulse setzen – so auch beim Zuger 2:1-Sieg nach Penaltys in Davos.
07. Januar 2018, 22:10

Sven Aregger, Davos

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Als die Zuger Zuschauer «Josh Holden»-Sprechchöre anstimmten, kam der Kanadier mit einem breiten Grinsen nochmals aufs Eis zurück und liess sich vor der Fankurve feiern. Kurz davor hatte er den entscheidenden Penalty verwandelt und dem EV Zug zum zweiten Sieg gegen Davos innert zwei Tagen verholfen. Wieder Holden. Der fast 40-jährige Center hatte seinem Team schon Mitte Dezember gegen Servette im Penaltyschiessen den Sieg gesichert. «Ich überlege mir vor dem Penalty eine Bewegung und versuche sie dann umzusetzen», erklärte Holden sein Erfolgsrezept. Sein Trainer Harold Kreis sagte: «Josh ist ein schlauer Spieler. Er kann zwanzig Jahre Erfahrung einbringen und verfügt über die nötige Ruhe. Ich vertraue ihm.»

Dabei ist Holden in der National League als fünfter Ausländer nur noch Gelegenheitsarbeiter. Vornehmlich kommt er im EVZ-Farmteam in der Swiss League zum Einsatz, wo er ein junges Team anführt. Von vielen Mitspielern könnte er der Vater sein. Auf höchstem Level spielt er nur noch, wenn einer der vier gesetzten Ausländer ausfällt. Das traf gestern ein – Holden erhielt am Vormittag den Anruf, dass er mit nach Davos fährt. «Das ist meine Rolle. Ich muss immer bereit sein», sagte er. «Zum Glück hatte das Farmteam am selben Tag auch ein Spiel. So war ich schon im Wettkampfmodus.»

Stalberg droht längere Sperre

Holden wurde so kurzfristig aufgeboten, weil der EVZ auf Viktor Stalberg verzichten musste. Der schwedische Flügel war vorsorglich gesperrt worden. Nach einem Check gegen Linienkollege Garrett Roe war er beim 5:1-Sieg am Samstag auf den Davoser Gregory Sciaroni losgegangen und verpasste dem Schiedsrichter, der schlichen wollte, einen Schlag. Solche Vergehen werden nach Verbandsregel 116 (Schlag/Stoss gegen einen Schiedsrichter) hart bestraft. Stalberg muss mit einer Sperre von mehreren Spielen rechnen. In dieser Saison sollen Unparteiische noch konsequenter geschützt werden. Trainer Kreis macht sich wenig Hoffnung: «Wenn man sich ähnliche Fälle anschaut, ist es selten bei einer Spielsperre geblieben.» Ein Schiedsrichter-Rempler von EVZ-Verteidiger Timo Helbling wurde zu Saisonbeginn mit sechs Spielsperren sanktioniert.

Die Zuger mussten sich ihren gestrigen Sieg ungleich härter erarbeiten als am Vortrag. Kreis bemängelte «zu viele Scheibenverluste». Die Bündner ihrerseits, die ihr achtes Spiel in zwölf Tagen absolvierten, zeigten keine Ermüdungserscheinungen. Vielleicht war es die Höhenluft, vielleicht waren die Davoser nach der deutlichen Niederlage am Samstag einfach nur im Stolz verletzt. Jedenfalls entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe. Zwar brachte erneut Carl Klingberg die Zuger im Mitteldrittel in Führung, doch die Reaktion des HCD liess nicht lange auf sich warten. Nur 54 Sekunden später markierte Marc Wieser den Augleich. Unmittelbar davor war ein Tor von Andres Ambühl wegen Offsides aberkannt worden. Die Zuger hatten mit ihrer Coaches Challenge das richtige Gespür.

51 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit hätte HCD-Topskorer Broc Little per Penalty die Entscheidung herbeiführen können, aber der US-Amerikaner vergab diese Chance. Wie man es besser macht, zeigte später Josh Holden.

Davos – Zug 1:2 (0:0, 1:1, 0:0, 0:0) n. P.

5013 Zuschauer. – SR Mollard/Wehrli, Kaderli/Obwegeser.

Tore: 23. Klingberg (Diaz, Roe/Strafe angezeigt) 0:1. 24. Marc Wieser (Kousal) 1:1.

Penaltyschiessen: Kessler -, Roe -; Little -, Martschini 0:1; Du Bois -, Klingberg -; Buck 1:1, Kast -; Corvi -, Holden 1:2. – Strafen: 6-mal 2 plus 10 Minuten (Marc Wieser) gegen Davos, 5-mal 2 Minuten gegen Zug.

 

Davos: Senn; Nygren, Du Bois; Schneeberger, Paschoud; Heldner, Jung; Payr, Grossniklaus; Sciaroni, Corvi, Ambühl; Marc Wieser, Kousal, Little; Kessler, Buck, Dino Wieser; Simion, Aeschlimann, Frehner.

Zug: Stephan; Diaz, Morant; Schlumpf, Alatalo; Thiry, Leeger; Fohrler, Helbling; Klingberg, McIntyre, Suri; Martschini, Roe, Lammer; Schnyder, Diem, Kast; Zehnder, Holden, Senteler.

Bemerkungen: Zug ohne Stalberg (gesperrt), Geisser (U20) und Grossmann (verletzt). – Pfostenschuss Marc Wieser (14.).

Video: Viktor Stalberg trifft den Schiedsrichter

Nach einem Check gegen Garrett Roe geht Viktor Stalberg auf den Davoser Gregory Sciaroni los und verpasst dem Schiedsrichter, der schlichten wollte, einen Schlag. (SRF, 08.01.2018)




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