«Ausgeglichenheit macht uns aus»

EISHOCKEY ⋅ Der nach dem letzten Playoff-Debakel umgerüstete EV Zug liegt nach einem Viertel der Qualifikation an der Tabellenspitze der NLA. Rafael Diaz (30), der wichtigste Einzelspieler, erklärt die überraschende Entwicklung.

10. Oktober 2016, 07:55

Es gibt immer gute Gründe, warum ein Verein in der schnellsten Mannschaftsportart der Welt Erfolg hat. Sie kann eine ungemeine offensive Feuerkraft haben, sie ist in der Abwehr fast unüberwindbar, sie hat einen herausragenden Hexenmeister, sie zelebriert ein zwingendes Überzahlspiel oder lässt mit einem Mann weniger kaum Gegentreffer zu.

Das Erstaunliche dabei: In keiner dieser Disziplinen ist der EV Zug top. Mit 3,08 Toren pro Match ist er Sechster der Liga, mit 2,67 Gegentreffern pro Spiel Fünfter. Sein bester Goalgetter, Lino Martschini, belegt Platz 7 der nationalen Torjäger-Liste, Tobias Stephan mit einer Fangquote von fast 91 Prozent den gleichen Rang unter den Goalies. Geradezu im Mittelmass befinden sich die Zuger, wenn es um die erfolgreich genutzten Powerplays geht (Rang 7 mit 16,33 Prozent) oder um das Verhindern von Gegentoren bei Unterzahl (Platz 5 mit 83,33 Prozent).

4 Tore und 4 Assists für den Marathon-Mann

Aber in der wichtigsten und alles entscheidenden Sparte ist Zug bei fast einem Viertel der 50 Spiele umfassenden Qualifikation unübertroffen: bei den Punkten. Deren 25 in 12 Spielen, Platz 1 in der Tabelle – wie ist das möglich?

«Wir sind ein gutes, kompaktes und ausgeglichenes Team», sagt Rafael Diaz. «Das macht uns aus.» Und der spielstarke Verteidiger ergänzt: «Wir sind unberechenbar, weil bei uns jede Linie die entscheidenden Tore schiessen kann.» Bestes Beispiel dafür ist der jüngste 2:1-Sieg in Genf, der sechste von acht Vollerfolgen mit einem Plustor Unterschied. Da hat die dritte Linie um Zangger, McIntyre und Lammer beide Treffer erzielt.

Für Diaz, den wichtigsten Einzelspieler im EVZ, ist die Rückkehr aus Nordamerika zu seinem Stammklub perfekt verlaufen, wie er zugibt: «Das kann man so sagen.»

Platz 1 in der Tabelle sei eine coole Sache, sagt er. «Wir sind eine Mannschaft mit viel Charakter, die nie aufgibt und für Vollgas-Hockey steht.» Auch Diaz persönlich ist es ganz gut gelaufen. 4 Tore und 4 Assists für den Marathon-Mann, das darf sich sehen lassen. Er gibt zu: «Das Pensum mit Spielen am Dienstag, Freitag und Samstag war für die Mannschaft und mich ein enormes. Eines, das mich an die NHL erinnert. Zudem war es bis jetzt ziemlich heiss in der Ausrüstung, das hat mich recht viel Energie gekostet.»

Umso wichtiger wird die Erholung. Diaz macht jeweils am freien Sonntag ein leichtes Jogging oder geniesst den Wellnessbereich im Fitnesscenter. Denn kommende Aufgaben gibt es genug. «Wir wissen, dass wir gelegentlich einen Durchhänger in einem Spiel haben. Das müssen wir ausmerzen.» Und morgen geht es gegen die Eisbären Berlin um den Vorstoss in die Achtelfinals der Champions League –trotz 0:4-Hypothek aus dem Hinspiel vom letzten Dienstag. Diaz sagt es vor dem Heimspiel (19.45, Bossard-Arena) unmissverständlich: «Ich will weiterkommen. Wenn wir den Gegner extrem unter Druck setzen und ein guter Start gelingt, ist es möglich.» Und so heiss soll es am Dienstag auch nicht mehr sein.

Andreas Ineichenandreas.ineichen@luzernerzeitung.ch


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