Da hilft nur reden wie ein Bundesrat

EISHOCKEY ⋅ Bei einem ersten Zwischenzeugnis gibt es für einen Zuger ungenügende Zensuren: für Carl Klingberg.

26. September 2016, 05:02

Könnte Zugs Sportchef Reto Kläy Bundesrat werden? Ja, wenn er sich für eine politische Laufbahn interessieren würde. Denn er kann reden wie ein Bundesrat.

Acht Runden sind gespielt. Nun wird die Meisterschaft für die erste Cup-Runde unterbrochen, es geht erst am nächsten Freitag in Bern weiter. Zeit für eine erste Standortbestimmung. Der EV Zug steht mit vier Punkten Rückstand auf den überraschenden Leader Lausanne auf dem dritten Platz. «Mit den Resultaten sind wir soweit zufrieden», sagt Kläy. Mit dem Toreschiessen habe man in einzelnen Partien zwar Mühe gehabt. Aber die Art und Weise, wie die Mannschaft auf Schwierigkeiten reagiert habe – etwa in Langnau (4:3 nach 0:3) oder gegen Biel (3:2 nach 0:2) – sei erfreulich.

Nun braucht es noch kein diplomatisches und politisches Geschick, um zu einer solchen Einschätzung zu kommen. Wie die anderen grossen Teams – die ZSC Lions, der SC Bern – befindet sich auch der EV Zug im September noch in einer «Findungsphase». Schliesslich wird die Meisterschaft erst im März und April entschieden.

Der Dialog mit dem Sportchef

Heikler wird es hingegen bei einem ganz besonders sensiblen Thema: bei der Leistung von Carl Klingberg (25). Der kräftige Riese (190 cm/98 kg) hat in acht Partien erst zwei Assists erzielt und hat die Erwartungen, die ein Spitzenteam an einen ausländischen Stürmer stellt, stellen muss, in keiner Weise erfüllt. Er kann den letztjährigen Liga-Topskorer Pierre-Marc Bouchard nicht ersetzen. Die Verantwortung für die Rekrutierung des ausländischen Personals trägt der Sportchef.

Und so entwickelt sich folgender Dialog mit Reto Kläy.

Suchen Sie einen neuen ausländischen Stürmer?

Es gehört zu meinen Aufgaben, den Markt laufend zu beobachten.

Suchen Sie konkret einen ausländischen Stürmer?

Wir werden im Hinblick auf die Playoffs unser Kader wohl mit einem fünften Ausländer ergänzen.

Suchen Sie einen Ersatz für Carl Klingberg?

Nein, warum?

Weil seine Leistungen ungenügend sind.

Es geht bei der Beurteilung nicht um Einzelspieler. Sondern um die Mannschaft als Ganzes. Es gibt Spieler, die sind in Form, und andere noch nicht.

Sie sind also mit Carl Klingberg zufrieden?

Er macht viele kleine Dinge richtig, es geht bei der Beurteilung der Leistung nicht nur um Skorerpunkte.

Aber ein ausländischer Stürmer, der in acht Partien bloss zwei Assists beisteuert, kann den Ansprüchen des EV Zug nicht genügen.

Ich mache keine öffentliche Beurteilung einzelner Spieler.

Wenn auf dem Markt jetzt ein Stürmer wie Pierre-Marc Bouchard zu einem günstigen Preis zu haben wäre – würden Sie ihn nehmen?

Mit solchen Gedankenspielen befasse ich mich nicht.

So diplomatisch klug äussert sich ein Bundesrat zu einem heiklen Thema. Deshalb: Reto Kläy for Bundesrat.

Nun ist Eishockey tatsächlich ein Mannschaftssport, und die Namen sind nur auf die Dresses genähte Buchstaben. Aber in einer so ausgeglichenen Meisterschaft werden am Ende des Tages doch Einzelspieler entscheiden: der Torhüter und die «Gamebreaker». Stürmer, die dazu in der Lage sind, ein Spiel zu entscheiden.

Daher lässt sich auch bei wohlwollendem Zwischenzeugnis nach acht Partien eine polemische Aussage machen. Wenn Reto Kläy nicht einen besseren ausländischen Stürmer als Carl Klingberg findet, wird Zug die Halbfinals nicht erreichen. Da er aber den Ausländermarkt aufmerksam beobachtet, können wir davon ausgehen, dass er diesen Klingberg-Ersatz finden wird.

Klaus Zauggsport@luzernerzeitung.ch


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