Carl Klingberg: «Die Kritik hat mich irritiert»

EISHOCKEY ⋅ Carl Klingberg (25) hat in den letzten vier Spielen sechs Tore erzielt und seine Kritiker vorerst verstummen lassen. Am Erfolg des EV Zug hat er durchaus seinen Anteil – auch wenn dies die Statistiken so nicht zeigen.

29. November 2016, 05:00

Jonas von Flüe

jonas.vonfluee@luzernerzeitung.ch

Die Stimmung in der Bossard-Arena ist am Montagmittag hervorragend. Trainer Harold Kreis ist gut gelaunt, als er das Eis verlässt. Seine Mannschaft hat am Wochenende zwar nur zwei Punkte geholt, doch wie sie sich jeweils in die Spiele gegen die ZSC Lions (4:6) und Lugano (5:4 nach Penaltyschiessen) zurückgekämpft hat, hat dem Kanada-Deutschen gefallen. Zudem hat sich die Personalsituation vor dem heutigen Spiel gegen Davos entspannt (siehe Box).

Carl Klingberg schiebt zu jener Zeit auf dem Eis noch Extraschichten. Der Schwede hat in den letzten Spielen nicht nur mit seiner imposanten Statur (1,91 Meter) auf sich aufmerksam gemacht, sondern auch mit Toren. Sechs Mal traf er in den letzten vier Partien, drei Mal am letzten Wochenende. Der 25-Jährige stand zuvor wegen seiner mageren Punkteausbeute in der Kritik – zumindest medial. Nun ist es nicht so, dass Klingberg Schweizer Zeitungen liest oder sich TV-Beiträge anschaut. Dennoch hat er mitbekommen, wie über ihn berichtet worden ist: «Die Kritik hat mich irritiert, denn ich wusste nicht, dass in der Schweiz so sehr auf die Statistiken geschaut wird. Doch Druck habe ich deswegen keinen gespürt.»

Lob von Trainer Harold Kreis

Im EV Zug hingegen sind sie mit der Personalie Klingberg zufrieden. Der Schwede wirkt bisweilen ein wenig introvertiert, kann aber durchaus aus sich herauskommen und ist in der Garderobe ein wichtiger Akteur. «Carl ist sehr mannschaftsdienlich, arbeitet hart und gibt nie auf», lobt ihn Harold Kreis. Am Freitag gelang ihm gegen den ZSC ein besonders sehenswerter Treffer. An der Mittellinie angespielt, zog er auf direktem Weg Richtung Tor, liess ZSC-Verteidiger Samuel Guerra wie einen Junior stehen und schob eiskalt ein. «Er hat viel Kraft und ist kaum aufzuhalten, wenn er mal losgelegt hat», führt Kreis weiter aus, «er hat schon vorher gute Leistungen abgeliefert, trifft nun aber auch ins Tor. Das freut mich für ihn.»

Elf Meisterschaftsspiele hat es gedauert, bis Klingberg seinen ersten Treffer erzielt hat. Er streitet nicht ab, dass er eine gewisse Anlaufzeit gebraucht hat, um sich in der neuen Liga, im neuen Team zurechtzufinden.

Klingberg fühlt sich in Zug rundum wohl

Klingberg wurde aber auch nicht verpflichtet, weil man sich von ihm eine ähnliche Punkteausbeute wie von Pierre-Marc Bouchard erhofft hätte. Zur Erinnerung: Der Kanadier entzückte in den letzten beiden Jahren mit insgesamt 128 Skorerpunkten, war physisch aber fragil und in den entscheidenden Phasen – den Playoffs – nur ein Schatten seiner selbst.

Klingberg hingegen kam in der KHL bei Torpedo Nischni Nowgorod in 55 Spielen nur auf 18 Punkte – ist physisch hingegen um einiges präsenter und gewinnt viele Zweikämpfe. Fähigkeiten, welche die Statistiken nicht spiegeln. Der EVZ ist auch dank ihm um einiges kräftiger geworden.

Klingberg sagt mit Nachdruck, dass er sich in Zug rundum wohl fühle, dass es seiner Freundin Therese hier sehr gefalle und sich das auch auf seine Leistungen niederschlage. Sein Vertrag läuft Ende Saison aus. Mit starken Auftritten wie zuletzt kann er nicht nur Werbung in eigener Sache machen, sondern auch weiterhin für gute Stimmung sorgen.

Suri und Diem sind einsatzfähig

Heimspiel Der EV Zug kann heute gegen Davos aus dem Vollen schöpfen – zumindest in der Offensive. Die beiden Stürmer Reto Suri und Nolan Diem kehren nach ihren Ellbogen-Verletzungen in die Mannschaft zurück und werden in den angestammten Linien spielen. Für Suri muss Fabian Schnyder wieder zurück in die vierte Sturmlinie. Der Ex-Captain hat neben Josh Holden und Lino Martschini allerdings eine gute Figur abgegeben.
Die Situation in der Verteidigung ist aber weiter angespannt: Santeri Alatalo stand zwar gestern kurz auf dem Eis, fällt aber weiter aus, und Johann Morant ist noch ein Spiel gesperrt. (jvf)
 


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: