Bob Leslie sieht in allen Lebenslagen das Positive

EISHOCKEY ⋅ Der Kanadier Bob Leslie (67) hat in seiner langen Coaching-Karriere nur mit dem EV Zug einen Titel gewonnen. Er erinnert sich gerne an diese Zeit zurück und kommt immer wieder gerne in die Zentralschweiz.

21. März 2017, 05:00

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

«Ich bin viel in der Welt herumgekommen», sagt der Kanadier Bob Leslie (67). Ein Blick auf seine Stationen als Eishockeycoach zeigt dies eindrücklich. Er hat in Deutschland, Grossbritannien, Österreich und in der Schweiz gearbeitet. Sein Engagement beim EV Zug ab der Saison 1988 hat für Bob Leslie eine spezielle Bedeutung: «Zug war das Sprungbrett für meine Coaching-Karriere.» Gekommen ist er damals auf Empfehlung von Andy Murray. Aus familiären Gründen ist er dann nochmals für ein paar Jahre nach Carman in der kanadischen Provinz Manitoba zurückgekehrt, ehe er im Jahr 1994 wieder beim EV Zug angeheuert hat.

In dieser Zeit beginnt der sportliche Höhenflug der Zuger, welcher im ersten und bisher einzigen Meistertitel des EVZ im Jahr 1998 mündet. An diesem hat Bob Leslie an der Seite von Sean Simp­son einen nicht unwesentlichen Anteil. «Ich bin immer noch stolz, im EVZ-­Team gewesen zu sein, das den Titel geholt hat. Es war mein einziger in meiner 22-jährigen Coaching-Karriere.» Mit Simpson habe er sich blind verstanden: «Wir waren zwei Brüder.» Es überrascht deshalb nicht, dass er immer wieder gerne an diese Zeit in der Hertihalle zurückdenkt. 1999 wechselt Bob Leslie dann zu den Kölner Haien. Für ihn beginnt eine intensive Zeit. «Ich konnte überall Erfahrungen sammeln», erinnert sich Leslie und vergisst nicht anzufügen: «Es ist nicht immer nur aufwärtsgegangen. Doch alles in allem habe ich mehr Positives als Negatives erlebt.» Das Herausstreichen von guten Erlebnissen ist für ihn nicht einfach ein Moto, es ist für ihn die Art, das Leben zu meistern: «Als Coach habe ich immer versucht, positiv zu bleiben.» Er habe letztlich immer auf einem hohen Niveau gearbeitet, und das sei doch «ein toller Leistungsausweis».

Leslies fliegender Wechsel beim Coachen

Nach seinem kurzen Gastspiel als Assistenzcoach bei den ZSC Lions im Jahr 2010 – Trainer ist dort Colin Muller gewesen – hat Leslie seine Karriere als Eishockey-Trainer an den Nagel gehängt. Doch Coach ist er immer noch. Er gibt Führungsseminare für Firmen. Leslie sagt: «Manager sind Eishockeyspielern sehr ähnlich. Der Erfolg ist für sie sehr wichtig. Auch an sie werden Erwartungen geknüpft.» Ein Vorteil sei dabei sicher, dass in der Wirtschaft in längeren Zeitachsen gerechnet werde als im Sport. Er klagt auch hier nicht: «Ich bin zufrieden mit dem, was ich mache. Ich freue mich immer wieder, wenn ich Leuten zeigen kann, wie man sich verbessern kann.» Obwohl eigentlich bereits Pensionär, hat Leslie immer noch Elan, um weiterzuarbeiten: «Ich mache so lange weiter, wie ich Lust dazu habe.» Leslie schätzt, dass er in Sachen Coaching im Jahr rund 80 Tage unterwegs ist. Und auch bei diesem Job reist er in halb Europa herum.

Und es bleibt noch Zeit für seine alte Leidenschaft

Doch ganz vom Eishockey lassen kann Bob Leslie nicht. Zusammen mit seinen zwei Söhnen Boe (41) und Nathan (39) organisiert er Eishockey-Camps. Voller Stolz erzählt er von einem Abstecher in die Mongolei vor drei Jahren, wo die Leslies für einmal in der weiten Steppe auf einem improvisierten Eisfeld Kindern Eishockey beigebracht haben. Im Weiteren hilft der weitgereiste Kanadier in Ungarn beim Aufbau einer Junioren­organisation: «Als wir vor fünf Jahren damit angefangen haben, waren es 50 Spieler, jetzt sind es 500.» Wenn es die Zeit erlaubt – Leslie wohnt mit seiner Frau in Horgen –, kommt er auch immer wieder gerne in die Bossard-Arena, um sich ein NLA-Spiel anzusehen: «1988 hatte kein Spieler die NHL im Kopf, jetzt ist das anders. Das spricht für das Schweizer Eishockey.» Oft fliegen die Leslies nach Nordamerika, um ihre Söhne zu sehen. Bis jetzt sind sie immer wieder nach Europa zurückgekommen, wo Bob Leslie so viel Schönes erlebt hat.

Hinweis

Mehr über Bob Leslie im Internet auf www.lesliegloballeaderschip.ca

  • TODD ELIK

Szenen aus dem EVZ zwischen 1997 und 2007


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