«Es ist alles gut rausgekommen»

EISHOCKEY ⋅ Als Konsequenz für das Playoff-Debakel im Frühjahr musste Dario Bürgler (28) den EV Zug verlassen. Bei seinem neuen Verein in Lugano hat der Goalgetter wieder Fahrt aufgenommen.

14. Oktober 2016, 05:00

Er brauchte nicht mal fünf Spielminuten, um sein erstes Tor für seinen neuen Arbeitgeber Lugano zu erzielen. Und es passte zu seiner verrückten Geschichte, dass dieses 1:0 in Zug fiel, dort, wo Dario Bürgler in den letzten zwei Saisons nicht glücklich geworden war. Ausgerechnet bei dem Verein, dessen Sohn er ist. Dieser Treffer war so etwas wie der finale Vorhang eines Dramas, ein letztes Augenzwinkern des Schicksals vielleicht. «Man kann schon sagen, dass es in diesen Film passte», sagt Dario Bürgler. Aber es wäre ihm, merkt er an, doch lieber gewesen, hätte er an diesem 9. September gesiegt.

Doch am Ende sind jene erleichtert als Sieger vom Eis gegangen (4:3), die ihn im Frühjahr aus der Bossard-Arena vertrieben haben. Als einen der Schuldigen für das zweite Scheitern der Zuger in den Playoff-Viertelfinals in Folge. 0:4 nach Siegen gegen Lugano und den vormaligen EVZ-Trainer Doug Shedden.

Wie Bürgler die Selbstzweifel verscheucht

Gut sieben Monate später sagt Bürgler, dass er das, was passiert sei, im Sommer verarbeitet habe. Der Sohn von Lauberhorn-Sieger Toni Bürgler gesteht freimütig ein, dass er am Ende der letzten Saison mit dem EV Zug und dem darauf folgenden Entscheid, ihn trotz einem bis 2018 gültigen Vertrag freizugeben, von Zweifeln gepackt worden sei. «Es war zwar eine ungewohnte Situation in meiner Karriere, aber ich fiel nicht in ein Loch, weil der Einsatz, der Wille und das Talent vorhanden waren», erzählt er, der in den vorangegangenen sieben Jahren mit dem HC Davos zweimal Schweizer Meister (2009 und 2011) geworden ist.

Aber warum klappte es beim EVZ nicht? Die erste Saison sei blöd gelaufen, weil er die Hälfte der Meisterschaft wegen einer Verletzung verpasst habe. «Da gingen meine Rolle und das Vertrauen verloren», blickt der Goalgetter, der sich in der Lohn-Hierarchie der Zuger weit oben eingereiht hatte, zurück. «Für Zug hat Aufwand und Ertrag nicht gestimmt. Das kann ich verstehen.»

Trotzdem waren es nicht zwei verlorene Jahre. Er ist überzeugt, «ein bisschen besser geworden zu sein». Nach der langen Zeit bei Davos habe er in Zug anfänglich Mühe bekundet, sich in ein anderes System zu integrieren. Aber er habe es geschafft. «Zudem habe ich gelernt, mit negativen Reaktionen umzugehen. Lebensschule kann nie schaden.»

Die Zwischenbilanz von Luganos Topskorer

Heute und morgen stehen in Lugano bzw. Zug (jeweils 19.45 Uhr) die nächsten Direktbegegnungen an. Die Realität besagt: Der EVZ ist NLA-Leader, sechs Punkte vor Lugano, und Bürgler ist wieder in Form gekommen. Mit sieben Toren und zwei Assists ist der mit Abstand beste Goalgetter Luganos nach 12 Spielen bei der Hälfte der Punkteausbeute angekommen, die er in den letzten beiden Qualifikationen mit Zug (18 bzw. 21 Punkte) erreichte. Zugs Chefcoach Harold Kreis hält auf eine entsprechende Frage trocken fest: «Ich mag die Leistung Bürglers nicht kommentieren. Wir nehmen aber alle Torschützen Luganos zur Kenntnis.»

Dass der EVZ an der Spitze liegt, vermag Bürgler nicht zu überraschen. «Im Klub herrscht Kontinuität. Sie mussten kein neues System installieren und haben die Wechsel gemacht, die sie für nötig hielten.» Aber am Ende sei es im Eishockey halt eine harte Realität, dass es auf vier, fünf Spiele ankomme. Auf das Abschneiden in den Playoffs warten sie auch in Zug gespannt. Bis dato bilanziert Bürgler: «Es ist für beide Seiten gut rausgekommen.»

Andreas Ineichenandreas.ineichen@luzernerzeitung.ch


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