Gute Aussichten trotz herber Enttäuschung

EISHOCKEY ⋅ Der EV Zug muss sich im Final dem grossen Favoriten SC Bern geschlagen geben. Für den Moment ist das bitter. Aber die Entwicklung im Klub geht in die richtige Richtung. Eine Analyse.
17. April 2017, 23:19

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Was für eine Enttäuschung! Der Zuger Traum vom zweiten Meistertitel in der Vereinsgeschichte ist gestern jäh geplatzt, der EVZ war beim 1:5 chancenlos gegen Bern. Er hat den SCB in dieser Finalserie zwischenzeitlich ins Wanken gebracht, aber nicht zu Fall. Der Erfolgshunger, die kollektive Geschlossenheit und die gute Moral reichten am Ende nicht aus gegen die individuell besser aufgestellten Berner, die in den wichtigen Momenten ihre ganze Klasse zeigten. Und die den Zugern das nicht unwesentliche Wissen voraushatten, wie man Titel gewinnt.

Auch wenn in Zug derzeit der Frust überwiegt: Der EVZ darf auch stolz sein. Die Klubverantwortlichen haben die Konsequenzen aus den missratenen Playoffs der Vorsaisons gezogen und die Mannschaft intelligent verstärkt (Rafael Diaz, David McIntyre, Carl Klingberg, Timo Helbling). Die Zuger spielten eine konstant gute Qualifikation und bewiesen nun auch in der entscheidenden Saisonphase, dass sie zu grossen Taten fähig sind. Mit ihrer guten Mentalität haben sie bei den Fans eine Euphorie entfacht, die so in den letzten Jahren kaum zu beobachten war. Das Zuger Publikum mit den vielen Geschäftsleuten gilt gemeinhin ja als reserviert. Doch auch gestern trieb es seine Mannschaft unaufhörlich an. Und als das Spiel vorbei war, feierten die Zuschauer ihr Team noch lange lautstark weiter.

Aber nicht nur bei den eigenen Anhängern hat der EVZ in den Playoffs Sympathiepunkte gesammelt. Die ganze Eishockey-Schweiz nimmt wieder Notiz von Zug. Vor allem die kleineren Klubs werden mit Interesse die Entwicklung des EVZ verfolgt haben. Zug hat ihnen aufgezeigt, dass es möglich ist, den Ligagrössen die Stirn zu bieten. In diesem Jahrtausend war die Dominanz der «Grossen» – Bern, ZSC, Davos und Lugano – bisher erdrückend. Zug steht deshalb auch für die Hoffnung, dass sich dies in absehbarer Zeit einmal ändern könnte.

Fragezeichen hinter Ausländern

Der EVZ kann zwar finanziell nicht mithalten mit dem SCB oder den ZSC Lions. Dennoch stehen die Zentralschweizer sportlich und wirtschaftlich auf solidem Fundament. Sie haben sich das ambitionierte Ziel gesetzt, zur besten Ausbildungsstätte im Schweizer Eishockey zu werden. Mit der Hockey Academy sind sie auf gutem Weg dazu. Künftig soll die Breite des NLA-Kaders aus eigenen Nachwuchsspielern bestehen, damit der Klub in der Region noch besser verankert werden. Die Bemühungen im Juniorenbereich tragen bereits Früchte. Jungtalente wie Tobias Fohrler, Tobias Geisser, Nico Gross und Fabian Haberstich, deren Namen bisweilen schon weit oben in den Notizbüchern von NHL-Scouts stehen, haben das Zeug für eine erfolgreiche Karriere. Das sind gute Aussichten für Zug.

Der EVZ wird gleichwohl weiterhin auf Ausländer angewiesen sein. Und just in diesen Tagen laufen die Verträge der Söldner Josh Holden (39), Jarkko Immonen (35) und Carl Klingberg (26) aus. Während der schwedische Stürmer Klingberg unter anderem durch seine Robustheit überzeugte, blieb der Finne Immonen mit seiner Produktivität in dieser Saison weit hinter den Erwartungen und dürfte im Herbst kaum mehr dem Team angehören. Bei Holden steht die Führung vor einem Balanceakt. Der Kanadier ist ein verdienter Spieler und immer noch für Tore gut, aber der Zahn der Zeit nagt an ihm.

Und da ist vor allem Trainer Harold Kreis (58). Auch er wartet auf einen neuen Vertrag. Der Deutsch-Kanadier stand nach dem zweimaligen Viertelfinal-Aus unter massivem Druck. Angesichts seines Leistungsnachweises in dieser Saison wäre nun alles andere als eine Verlängerung eine grosse Überraschung.

Video: «Jetzt redt de EVZ»: Fans zum letzten Spiel der Finalserie

Die Meisterschaft ist zu Ende, der Triumph der Berner sicher. Trotz Niederlage des EVZ gegen die Berner feierten die Fans ihre Spieler wie verrückt. (shä/chg, 17. April 2017)




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