Mit Holden in die Zukunft

EISHOCKEY ⋅ Der Center Josh Holden dürfte dem EV Zug erhalten bleiben, verhandelt wird nur noch über Vertragsdetails. Und: Der Kanadier lernt doch noch Deutsch.

15. Januar 2016, 05:00

Josh Holden steht in seiner achten Saison beim EV Zug, und das ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert. Zum einen, weil der Kanadier hinter dem SCB-Stürmer Martin Plüss und dem ZSC-Captain Mathias Seger der älteste Feldspieler der Liga ist – am Montag feiert Holden seinen 38. Geburtstag. Und zum anderen, weil es in der NLA keinen Ausländer gibt, der auf mehr Dienstjahre kommt. Der Druck auf die Söldner ist in der Schweiz ja gewaltig, die Fluktuation ist gross, bei nur vier Ausländern pro Team. Mit seiner Beständigkeit hat sich Holden ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen, von dem er heute zehrt. Er hat viele Fürsprecher im Klub – darunter die zwei wichtigsten Entscheidungsträger: der Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Strebel und der CEO Patrick Lengwiler.

Holden hat davon schon profitiert; die Vertragsverlängerung um zwei Jahre vom Oktober 2013 war ein Alleingang Lengwilers gewesen. In diesem Winter verhält es sich anders. Wohl sprechen sich Lengwiler und Strebel für einen Verbleib Holdens aus. Doch sie wissen darum, dass sich der Klub in der viel besseren Verhandlungsposition befindet. Denn Holden mag über exquisite Statistiken verfügen, er sammelt kaum mehr Strafminuten und skort mit 37 Punkten aus 33 Spielen so fleissig wie seit 2010/11 nicht mehr, doch das Interesse in der Liga an ihm hält sich in Grenzen. Denn jeder Spieler hat ein Ablaufdatum. Und nach menschlichem Ermessen wird Holden seines bald erreichen, zumal in einer Liga, die immer schneller wird.

Hoffen auf den Schweizer Pass

Es wäre also schwierig, einen Transfer zu realisieren. Und dazu kommt, dass Holden seine Familie nur ungerne umsiedeln würde. Die Kinder gehen hier zur Schule, Holden möchte sie nicht aus ihrem sozialen Umfeld herausreissen. Zudem hofft der Stürmer weiter auf eine Einbürgerung im Jahr 2017, und er kann seine Chancen darauf nur wahren, wenn er im Kanton Zug wohnhaft bleibt. Der Schweizer Pass kann für Holden gegen eine Million Franken wert sein. Er würde dann das Ausländerkontingent nicht mehr belasten und könnte seine Karriere um zwei oder drei Jahre verlängern.

Im EVZ weiss man um all diese Aspekte – und versucht davon zu profitieren. Der Sportchef Reto Kläy hat Holden einen Einjahresvertrag zu deutlich reduzierten Bezügen unterbreitet. Dieser wurde inzwischen zwar nachgebessert, doch die Justierung war marginal, um empfindliche Einbussen wird Holden nicht herumkommen. Ausserdem muss er einen seiner zwei Dienstwagen abgeben. Der Klub beharrt darum auf den Kürzungen, weil das Budget durch die Verpflichtung von Rafael Diaz stark belastet wird. Diaz wird im EVZ ja zum teuersten Spieler der Vereinsgeschichte aufsteigen, was bedeutet, dass anderswo gespart werden muss. Das prominenteste Opfer der Entwicklung war der Abwehrchef Tim Ramholt, der sich in Ermangelung eines Zuger Angebots Kloten anschloss.

Doch keine Zukunft als Agent

Holden hat sie nicht, diese Alternativen, darum wird der Zuger Plan aufgehen. Die Einigung zwischen den Parteien steht unmittelbar bevor, gefeilscht wird nur noch um Details. Für Holden ist die Unterschrift auch ein Grundsatzentscheid. Er hatte mit dem Gedanken gespielt, nach Nordamerika zurückzukehren und dort ins Agentengeschäft einzusteigen. Stattdessen bereitet er sich nun auf einen längerfristigen Verbleib in der Schweiz vor – und lernt zu diesem Zweck nun doch noch intensiv Deutsch, nach elf Jahren im Land. Es ist seine Art, sich auf die Zeit nach der Karriere vorzubereiten – denn angedacht ist nach wie vor, dass der Klub sein langjähriges Aushängeschild dereinst in einer zu definierenden Rolle im Nachwuchsbereich einbindet. Auch dieser Vorgang ist nicht alltäglich, bei einem Ausländer. Aber was ist an der Laufbahn des Josh Holden schon normal?


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