Powerplay macht den Unterschied

EISHOCKEY ⋅ Der EV Zug verliert im Spitzenspiel in Lausanne 2:3. Die Waadtländer schiessen zwei Treffer in Überzahl, Zug nutzt solche Chancen nicht.

25. September 2016, 08:36

Im Juli hat der EV Zug seine Supporter aufgerufen, in ihrem Umfeld nach Erinnerungsstücken aus der bald 50-jährigen Geschichte des wichtigsten Zuger Sportvereins zu stöbern. Dabei kommt oftmals Skurriles ans Tageslicht. Erwähnt sei hier eine Episode aus Lausanne aus der NLB-Saison 1985/86. Am 9. November 1985 hatte der EVZ in der Waadtländer Metropole gespielt. Die Zentralschweizer führten nach 40 Minuten mit 3:1. Dann griff, wie die «Zuger Nachrichten» damals schrieben, der Eismeister in die «Trickkiste». Die Folge des Malheurs: In der Eisfläche klaffte ein Loch, sie war somit unbespielbar. Der Match wurde abgebrochen und am 5. Dezember wiederholt. Just an diesem Tag erhielt der Lausanne-Kanadier Gaëtan Boucher den Schweizer Pass und war dann am 4:6-Untergang des EVZ massgeblich beteiligt. Den späteren Abstieg von Lausanne in die 1. Liga hat aber auch er nicht verhindern können. Zug rettete sich hingegen in letzter Sekunde und stieg ein Jahr später sogar in die NLA auf.

Solche anrüchigen Aktionen hat das aktuelle Team des HC Lausanne nicht nötig. Die Waadtländer lagen vor der gestrigen Partie gegen Zug nach Verlustpunkten gerechnet auf dem ersten Tabellenplatz. Ein Rang, den dem Team von Trainer Daniel Ratushny vor der Saison niemand zugetraut hat. Zug folgt Lausanne auf dem Schlittschuh. Deshalb hatte die gestrige Partie den Charakter eines Spitzenkampfes, bei dem nur die Zuschauerzahl mit 6147 nicht dieser Affiche entsprochen hat.

1:1 nach 20 Minuten schmeichelt den Zugern

Lausanne war auch gestern der bekannt unangenehme Gegner. Das Team schaffte es, defensiv stabil zu spielen und auch offensiv konstruktiv in Erscheinung zu treten. Das erhöhte den Unterhaltungswert der Partie. Wobei die Gastgeber schnell einmal klarmachten, wer der Herr im Hause ist. Zug geriet früh unter Druck und blieb mit seinen Abschlussversuchen immer wieder an einem Lausanner Spieler hängen.

Immerhin holten die Zentralschweizer aus den ersten 20 Minuten das Maximum aus vier Torschüssen (Lausanne: 11 Torschüsse) heraus: Das 1:1 schmeichelte dem Gast. EVZ-Verteidiger Santeri Alatalo sagte nach dem Spiel denn auch: «Wir haben den Lausannern am Anfang zu viel Raum gelassen.» Dominic Lammer, der gestern seine Saison­tore zwei (11. Minute, 1:0) und drei (52. Minute, 3:2) geschossen hat, ergänzte: «Bei Gleichstand der Kräfte sind wir besser gewesen. Wir haben gut mitgehalten. Die zwei Powerplay-Tore der Gastgeber machten aber letztlich den Unterschied.» In der Tat: Das 1:1 (15. Minute, Sven Ryser) und das 3:1 (49. Minute, Dustin Jeffrey) fielen, als Zug mit einem Mann weniger agieren musste.

Lausanne hat einen Lauf

Die Niederlage vermieste Lammer die Freude über seine beiden Tore: «Es wäre mir lieber gewesen, wenn ich nicht getroffen, aber wir gewonnen hätten.»

Klar ist aber: Lausanne hat einen Lauf, bei dem der Equipe Flügel zu wachsen scheinen. Zug hat gut mitgehalten und gekämpft, aber so locker, wie Lausanne derzeit seine Spiele zu gestalten weiss, ist es für jeden Gegner schwierig dagegenzuhalten. Auch EVZ-Headcoach Harold Kreis attestierte seinem Team «guten Einsatz».

In Bestbesetzung gegen Erstligisten im Cup

Doch der intensiv getaktete Spielplan lässt momentan kaum Zeit für tief greifende Analysen. Denn schon nächsten Dienstag spielt der EV Zug sein Schweizer-Cup-Spiel gegen Wiki-Münsingen (1. Liga, 20.15 Uhr, Wichtrach). Laut EVZ-Sportchef Reto Kläy steht diese Cupmission nicht als lockerer Ausflug auf dem Programm: «Dieser Wettbewerb ist für uns relevant. Es muss mehr drinliegen als in den vergangenen zwei Jahren.» Kläys Worte in Gottes Ohr. Zur Erinnerung: Der EV Zug ist jeweils in der zweiten Hauptrunde (Achtelfinals) gescheitert und dabei nicht mit wehenden Fahnen untergegangen. EVZ-Headcoach Kreis hat die Worte von Kläy aufgesogen und sagte gestern trotzig: «Wir werden gegen Wiki-Münsingen in Bestbesetzung antreten.»

Marco Morosoli/Lausannemarco.morosoli@zugerzeitung.ch


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