Silberheld hat die Seuche

EISHOCKEY ⋅ Ist Reto Suri (27) ein Notfall für den neu verpflichteten EVZ-Sportpsychologen? Der Powerflügel läuft seinem eigenen Anspruch weit hinterher. Aber solange Zug rockt und rollt, hat Suri Schonfrist.

18. Oktober 2016, 05:00

Er braucht niemandem mehr etwas zu beweisen. Er gehörte jener Schweizer Auswahl an, die sich 2013 mit dem Gewinn der WM-Silbermedaille in die Geschichtsbücher unseres Eishockeys eingetragen hatte. Und in den darauffolgenden drei Saisons machte er immer mehr als 30 Punkte. Reto Suri trug seinen Teil zur spektakulären Feuerkraft des EV Zug bei und spekulierte zwischenzeitlich damit, seine Karriere in der NHL fortsetzen zu können. Es war eine Karriere auf der Sonnenseite der NLA.

Doch in seiner mittlerweile zehnten Saison in dieser Liga ist der 27-jährige Zürcher unvermittelt in eine Schaffenskrise geraten. In 13 Spielen steht er mit einem Tor und einem Assist zu Buche – nach einem Viertel der laufenden Qualifikation ein Zwischenzeugnis für einen Hinterbänkler. Für Suri muss sich das anfühlen wie eine schallende Ohrfeige. Er sagt: «Das ist Sport. Ich mache mir über meine Situation so wenig Gedanken wie möglich. Ich habe in den letzten Partien Konstanz in mein Spiel gebracht, kann meine Mitspieler in Szene setzen. Aber mir läuft es nicht. Der Puck will nicht rein. Da muss ich jetzt durch.»

Sein Chef übt sich in Geduld

Saul Miller, übernehmen Sie!, möchte man dem Sportpsychologen zurufen, auf dessen Dienste der EVZ seit letztem Wochenende zählt. Der Nordamerikaner kennt Eishockey, das war für Sportchef Reto Kläy ein entscheidender Faktor für eine Zusammenarbeit, und Suri bemerkt: «Vielleicht sollte ich meine Situation mit ihm anschauen.» Im Brustton der Überzeugung ergänzt er: «Als Profisportler kann man nicht genug im mentalen Bereich arbeiten.»

Allerdings scheint es derzeit auch nicht angebracht, auf Alarmismus zu machen. Schliesslich bestreitet der EV Zug heute im Hallenstadion (19.45) den Spitzenkampf gegen die ZSC Lions. Suri hat gewiss nicht Unrecht damit, wenn er darauf verweist, dass «ich der Mannschaft aktuell mit Einsätzen im Boxplay und meiner Energie zu helfen versuche». Gut, dass Chefcoach Harold Kreis Suris Leistungstief mit Geduld zu begegnen scheint: «Irgendwann platzt bei Reto der Knoten, weil er hart arbeitet.» Kann Suri zum nächsten «Fall Dario Bürgler» werden, der den EVZ trotz weiterlaufenden Vertrags am Ende der letzten Saison verlassen musste? «Die Rolle von Reto ist nicht vergleichbar mit derjenigen von Dario.» Bürgler, mittlerweile zu Liga-Konkurrent Lugano gezogen, definiert sich in erster Linie über seine Goalgetter-Qualitäten. Nachdem der Schwyzer 2014/15 von einer Oberschenkelverletzung gebremst wurde, wurde Bürgler von Kreis nach einem schlechten Start in die darauffolgende Qualifikation in die dritte Linie verbannt. Am Saisonende folgte die Trennung.

Im Leben eines Profis kann es durchaus Probleme geben, die nichts mit seinem Job zu tun haben. Auch bei Suri? Er verneint: «Mir gefällt es extrem gut in Zug. Ich investiere viel und bin stolz darauf, Teil eines Teams zu sein, das in jedem Spiel darauf aus ist, harte und ehrliche Arbeit abzuliefern.» Der WM-Silberheld von 2013 hat die Seuche. «Es gab in jeder Saison immer wieder Phasen, die schwierig gewesen sind», sagt Suri und gesteht ein: «Aber keine Durststrecke hat so lange gedauert wie die aktuelle.» Ein Aufgebot für die Nationalmannschaft ist für ihn selbst­redend weit weg. Suri hat andere Probleme.

Andreas Ineichenandreas.ineichen@luzernerzeitung.ch


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