Spektakel ohne Happy End

EISHOCKEY ⋅ Der EV Zug verliert den Spitzenkampf gegen die ZSC Lions trotz beherzter Aufholjagd 4:6. Die Emotionen kochten im spektakulären Duell zwischenzeitlich über.

26. November 2016, 08:21

Während mehrerer Minuten wurde kein Puck gespielt. Das Heimpublikum tobte, durch die Bos­sard-Arena hallte ein gellendes Pfeifkonzert. Zur Spielmitte kochten die Emotionen im Spitzenkampf zwischen Zug und den ZSC Lions über. Zunächst wurden dem EVZ innerhalb von einer Minute zwei Tore aberkannt. Eines zu Recht. Eines zu Unrecht: Jarkko Immonen schob den Puck ins Tor, als der ZSC-Torhüter Lukas Flüeler die Scheibe nicht blockieren konnte. Doch weil die Schiedsrichter das Spiel zu früh unterbrochen hatten, zählte das Tor zum allgemeinen Unmut nicht. Es wäre der 3:4-Anschlusstreffer gewesen.

Spätestens als es dann wenig später zu einer Massenschlägerei kam, wähnte man sich in einem hitzigen Playoff-Spiel – oder eben in einem Spitzenkampf, was das Duell ja auch war. In den Hauptrollen: Timo Helbling und Ronalds Kenins, die sich ohne Handschuhe und Helm die Fäuste um die Ohren schlugen und anschliessend unter die Dusche geschickt wurden. EVZ-Trainer Harold Kreis fand für die Leistung der Schiedsrichter klare Worte: «Ihr Auftritt war schlicht und einfach amateurhaft.»

Zug erzeugt viel Druck auf das gegnerische Tor

Zuvor und danach wurde auch noch Eishockey gespielt. Das Spitzenspiel hielt, was es versprach: Die 6648 Zuschauer sahen nicht nur Schlägereien, sondern auch viele Tore. Das Spiel blieb bis zuletzt spannend, weil der EVZ trotz des zwischenzeit­lichen Dreitorerückstands nie aufgab und vor allem im letzten Drittel viel Druck auf das gegnerische Tor erzeugen konnte. Erst Nilssons 6:4 ins leere Tor 38 Sekunden vor Schluss entschied die Partie. «Wir haben uns gegen eine sehr starke Mannschaft gut ins Spiel zurückgekämpft», lobte Kreis. Der EVZ zeigte auch gestern trotz der Niederlage wieder, dass der nach der letzten Saison eingeläutete Umbruch und die Verpflichtung von physisch stärkeren Spielern ein cleverer Schachzug gewesen sind.

Doch die Zuger müssen sich vorwerfen lassen, zu unkonzentriert in die Partie gegangen zu sein. Denn es dauerte genau 25 Sekunden, bis das erste Tor fiel. Nachdem Josh Holden den ZSC-Keeper Lukas Flüeler zum ersten Mal geprüft hatte, wurde der EVZ bereits in der ersten Minute ausgekontert. «Im ersten Drittel haben wir viel zu viele unnötige Fehler gemacht», monierte Kreis, «wir haben naiv und viel zu offen gespielt.» Auch in den anderen Dritteln kassierte der EVZ frühe Gegentore.

ZSC Lions nutzen Fehler schonungslos aus

Gegen andere Mannschaften hätte die Zuger Leistung wohl dennoch zu einem Sieg gereicht. Doch die ZSC Lions verfügen über enorm viel Qualität im 27-köpfigen Kader und nutzten die Fehler in der Zuger Defensive schonungslos aus. Und davon gab es gestern ungewohnt viele: Im Aufbauspiel agierte der EVZ oft zu ungenau, die ZSC-Angreifer kamen zu leicht zu Abschlüssen, und Torhüter Tobias Stephan wirkte zuweilen unsicher. «Wir sind mit der Scheibe zu wenig sorgfältig umgegangen», war sich auch Kreis bewusst.

Für Timo Helbling hat die gestrige Schlägerei ein Nachspiel. Der Verteidiger kann heute Abend gegen Lugano nicht auflaufen, weil er die zweite Spieldauerdisziplinarstrafe erhalten hat. Für ihn rückt Tobias Fohrler oder Florian Schmuckli ins Team. Der EVZ läuft in der Verteidigung langsam, aber sicher auf dem Zahnfleisch. «Das darf keine Ausrede sein», so Kreis.

Jonas von Flüe

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Spitzenkampf in der Bossard Arena zwischen dem EVZ und dem ZSC.


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