Unterstützt Kreis den Zuger Kurs?

EISHOCKEY ⋅ In den nächsten Tagen werden die EVZ-Chefs mit Trainer Harold Kreis über eine Vertragsverlängerung verhandeln. Dabei wird die Frage zu klären sein, ob Kreis die Strategie mit dem Einbau von jungen Spielern mittragen will.
19. April 2017, 05:00

Klaus Zaugg und Sven Aregger

sport@luzernerzeitung.ch

Das grosse Ziel des EV Zug bleibt der zweite Meistertitel der Geschichte. Erst recht nach der Begeisterung, die in den letzten Tagen die Zuger erfasst hat. Sportchef Reto Kläy sagt: «Die Unterstützung, die wir auf allen Ebenen gespürt haben und die sich nach dem verlorenen sechsten Spiel im Stadion gezeigt hat, ist für uns Verpflichtung und Motivation zugleich. Wir haben gesehen, dass wir etwas bewegen können.» Er habe noch nie erlebt, dass eine Mannschaft auch nach einer Niederlage im Stadion so gefeiert worden sei. Es war eine «Hühnerhaut-Stimmung».

Die Frage ist also nicht, ob die Zuger auch nächste Saison zum Gipfelsturm ansetzen. Sondern nur, wie. Für Kläy ist der Weg klar: Der Titel wird nicht «eingekauft», sondern erarbeitet. Er sagt: «Im Zentrum steht die Weiterentwicklung unserer Leistungskultur auf allen Ebenen.» Diese Saison habe gezeigt, dass man auf dem richtigen Weg sei. Entsprechend ist die Transferpolitik. Bei den Schweizer Spielern gibt es nur punktuelle Veränderungen: Emanuel Peter, Samuel Erni (nach Langnau), Sandro Zangger (Lausanne), Simon Lüthi (Olten) und Marc Marchon (Kloten) gehen, Timothy Kast (Servette) kommt. Weder Leistungsvermögen noch Chemie der Mannschaft verändern sich durch diese Wechsel.

Keine Revolution, sondern Kontinuität

Im Zentrum steht jedoch die Trainerfrage. Bereits im Herbst hatte Kläy angekündigt, erst nach den Playoffs mit Harold Kreis (58) über eine Vertragsverlängerung zu verhandeln – und er hat diese Ankündigung umgesetzt. Bleibt Kreis? Kläy sagt: «Die Trainer haben ganz wesentlichen Anteil an der positiven Entwicklung unserer Leistungskultur.» Und da diese Leistungskultur im Zentrum eines Sportunternehmens steht, wäre eine vierte Saison mit Kreis logisch.

Auch EVZ-CEO Patrick Lengwiler lobt die «hervorragende Arbeit» von Kreis und seinem Staff. Aber die Verantwortlichen sagen aus gutem Grund noch nicht, dass der Trainer bleibt. Es sind noch Gespräche zu führen. Nicht nur über das Gehalt. Es geht auch um die strategische Ausrichtung. Zug sucht ja den nächsten Titel nicht durch eine Revolution, nicht durch «Königstransfers». Sondern durch kontinuierliche Weiterentwicklung. Dazu gehört, dass nächste Saison junge Spieler integriert werden. Die Verteidigerpositionen sieben, acht und neun werden beispielsweise mit den eigenen Talenten besetzt. Mit Nico Gross (17), Tobias Fohrler (19) und Tobias Geisser (18). «Wir sind auf gutem Kurs, der Nachwuchs macht Freude», sagt Lengwiler. «Unser Fokus liegt auf dem Einbau von jungen Spielern.»

Kreis ist ein konservativer Coach und neigt dazu, in wichtigen Phasen den Routiniers das Vertrauen zu schenken. Er ist ein guter Bandengeneral, aber nicht bekannt als Ausbildner. Nur wenn sich Sportchef Kläy in den kommenden Tagen in Gesprächen davon überzeugen kann, dass Kreis gewillt ist, sich in diesem Bereich zu bessern, wird er, wie allseits erwartet, den Vertrag verlängern. Kreis hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er gern in Zug bleiben würde. Und am Montag nach dem Spiel liess er schon mal durchblicken, dass er bereit ist, den strategischen Weg des EVZ mitzugehen.

Holden als Ausländer im Farmteam?

Fragezeichen stehen auch noch hinter dem ausländischen Personal, das die Konkurrenzfähigkeit des EV Zug stark beeinflussen wird. Sicher ist nur, dass Dave McIntyre bleibt. Die Verträge von Carl Klingberg, Jarkko Immonen und Josh Holden laufen aus. Kläy versucht, in den nächsten Tagen in Gesprächen eine Entscheidungsgrundlage zu finden. «Wir werden sicher wieder mit vier ausländischen Stürmern spielen», sagt der Sportchef, meidet aber eine Trendmeldung wie der Teufel das Weihwasser.

Nun, Klingberg kann mit einer Vertragsverlängerung rechnen, Immonen hingegen nicht. Heikel ist der Fall Holden. Wird der kanadische Leitwolf im Laufe der nächsten Saison Schweizer? Dann würde eine Vertragsverlängerung des 39-jährigen Captains Sinn machen. «Aber wir können, wenn überhaupt, erst gegen Saisonende mit dem Schweizer Pass rechnen», sagt Kläy. Den Einbürgerungsprozess kann der EV Zug nicht beeinflussen. Eine Lösung wäre allenfalls, Holden während der Wartezeit auf den Pass als Ausländer fürs Farmteam zu verpflichten. Aber kann es einem so charismatischen Spieler zugemutet werden, in die Garderobe des Farmteams zu zügeln?

Kläy sagt, der Ausländermarkt sei offen, die Zeit dränge nicht. Tatsächlich ist dieser Markt sogar so interessant wie seit Jahren nicht mehr. Weil die NHL-Stars erstmals seit 1994 nicht bei den Olympischen Spielen dabei sind, kann es sein, dass dieser oder jene NHL-Star mit auslaufendem Vertrag und abgeschlossener Vermögensbildung ein Jahr nach Europa kommt, um im Februar 2018 Olympische Spiele erleben zu können.

Hinweis

Am Donnerstag findet ab 18.00 Uhr vor der Bossard-Arena der EVZ-Saisonabschluss statt. Die 1. Mannschaft steht den Fans für Autogrammwünsche zur Verfügung.


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