Verwirrung um Zugs Captain

EISHOCKEY ⋅ Der lange Zeit emotionslos wirkende EV Zug ist mit einem 1:2 gegen die Eisbären Berlin aus der Champions League ausgeschieden. Die ketzerische Frage: Wollte der NLA-Leader in jedem Fall ein Wunder vermeiden?

12. Oktober 2016, 05:03

Wenn der Captain der Zuger lieber auf der Pressetribüne der Bossard-Arena sitzt, dann ist Champions League. Auf die Frage, ob er denn verletzt sei, sagte Josh Holden: «Nein, ich kann spielen.»

Warum er dann nicht unten auf dem Eis stehe, wollte der 38-jährige Stürmer nicht mehr beantworten. In freundlichem Ton bemerkte Holden: «Wir haben abgemacht, dass nur Reto Kläy Auskunft geben wird.»

Wie begründete also der EVZ-Sportchef das Fehlen des Kanadiers? Er deutete auf seinen Brustkorb und sagte: «Hier hat er sich etwas eingeklemmt im Spiel gegen Genf.»

Aha, und warum sagt dann Holden, dass er spielen könne? «Sie wissen ja, ein Spieler sagt so etwas schnell einmal.» Komisch nur, dass auch Zugs Chefcoach Harold Kreis seine Mannschaft am Tag vor dem Spiel als komplett vermeldete.

Eine uninspirierte Vorstellung der Zuger

Aber die Verwirrung um Holdens Einsatzfähigkeit passte zum Geschehen unten auf dem Eis. Der EV Zug, der sich am Dienstag vor einer Woche eine 0:4-Hypothek fürs Rückspiel einhandelte, vermochte nie den Eindruck zu vermitteln, dass der Glaube an eine Wende vorhanden war. Denn dafür fehlten die Emotionen, die Wucht, die Laufbereitschaft, die zündenden Ideen im Angriffsspiel und die Zielstrebigkeit. Eigentlich war im Zuger Spiel nichts vorhanden, um das «Comeback des Jahres», wie es Kreis im Vorfeld formulierte, zu schaffen. Stattdessen fühlte es sich von Anbeginn so an, als habe sich der NLA-Leader mit dem Abgang von der internationalen Bühne abgefunden. Ohne den auf der Tribüne sitzenden Leitwolf Holden erst recht.

Dabei waren die Eisbären Berlin, wie schon vor Wochenfrist im eigenen Haus, wieder von überschaubarer Qualität. Sie sind zwar ein physisch harter, aufsässiger und darum ein Stück weit auch mühsam zu bespielender Gegner. Aber in der NLA müssten sich die Deutschen vielleicht sogar gegen den Fall in die Abstiegsrunde wehren, denn im Spiel nach vorne sind sie mit ihrem Latein schnell am Ende.

Gegen Lugano ist Holden wieder dabei

Als die ersten Pfiffe als Quittung für die uninspirierte Vorstellung der Zuger, die sich im ersten Drittel nicht eine einzige echte Torchance erarbeitet hatten, ertönt waren, besänftigte Dominic Lammer den wachsenden Unmut unter den wundersam gut gezählten 4692 Zuschauern. Sein Treffer im Überzahlspiel war der erste der Zuger nach sage und schreibe 86 Minuten und 34 Sekunden erfolglosem Anrennen - und der einzige.

Das Berliner Schlussbouquet mit zwei Toren hätte es nicht gebraucht, um für klare Verhältnisse in diesem Sechzehntelfinal zu sorgen. Die Gastgeber, die bis zum Ende höchstens auf eine Hand voll guter Torchancen kamen, waren weiter weg von einer Wende, als Zug und Berlin auseinanderliegen. Etwas Gutes bringt das Ausscheiden mit sich: Eine Belastung neben Meisterschaft und Cup hat sich erledigt.

Am Freitag und am Samstag geht es ja schon wieder weiter. Für Zug zweimal gegen Lugano (zuerst auswärts). Laut eigenem Bekunden wird Josh Holden dann wieder dabei sein – sofern niemand im EVZ der Ansicht ist, der Captain sei verletzt. Aber am Wochenende steht ja die NLA an – und nicht die Champions League.

Andreas Ineichenandreas.ineichen@luzernerzeitung.ch


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