Wieder mit vier ausländischen Stürmern

EISHOCKEY ⋅ Nur der Hockey-Gott kann wissen, was diese Saison dem NLA-Spitzenklub Zug noch bringen wird. Sportchef Reto Kläy muss indes die nächste Saison planen. In der Abwehr scheint er schon einen Schritt weitergekommen zu sein.

17. Oktober 2016, 07:42

Zum Glück für Sportchef Reto Kläy plagen den EV Zug keine sportlichen Sorgen. Der Umbau nach dem Playoff-Debakel im Frühjahr ist erfolgreich eingeleitet, die Mannschaft könnte nicht besser unterwegs sein. Ein Spitzenplatz nach 14 Runden – darauf lässt sich aufbauen. Allerdings: Eine Zuger Mannschaft, die in der Qualifikation an der Spitze mitmischt, das ist nichts Neues, wird der Skeptiker sagen. Der Optimist hingegen streicht die Qualitäten eines erneuerten EV Zug hervor, die zum jüngsten 5:0 gegen den HC Lugano geführt haben: Robustheit, Laufvermögen, Disziplin und Kaltblütigkeit. Gegen diesen Gegner hat die Mannschaft von Harold Kreis vor gut sieben Monaten versagt.

Lüthi und Erni haben einen schweren Stand

Kläy gibt der überraschend gute Lauf vor allem Zeit, Raum und Luft, sich der Personalplanung für nächste Saison zu widmen. 14 von 23 Spielern haben beim EVZ bekanntlich einen auslaufenden Vertrag, dazu noch das Trainergespann Harold Kreis und Waltteri Immonen. Der wichtigste Markt, jener der Preziosen, findet bekanntlich bereits im Herbst statt.

Mit der Vertragsverlängerung von Dominik Schlumpf (25) um zwei Jahre bis 2019 hat der Sportchef in den Defensivreihen einen Pfahl einschlagen können, der Rückschlüsse auf die nächsten Schritte in der Personalplanung erlaubt: Da Rafael Diaz (bis 2020), Timo Helbling, Robin Grossmann, Johann Morant (alle bis 2018) alle weiterlaufende Verträge besitzen und die Youngsters Tobias Geisser als auch Tobias Fohrler (beide bis 2018) in dieser Saison ihre NLA-Tauglichkeit unter Beweis gestellt haben, geht es noch um einen zu besetzenden Platz in der Abwehr: um den von Santeri Alatalo.

Kläy bestätigt: «Unser Ziel ist es, auch nächste Saison mit vier ausländischen Stürmern aufzulaufen.» Aber das heisst offenbar nicht, dass eine Vertragsverlängerung mit Alatalo bei ihm Priorität geniesst. «In dieser Hinsicht ist bis dato noch nichts gelaufen», sagt Kläy ohne Aufregung. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der neben Diaz aufgeblühte Alatalo erst mal den Markt sondiert und damit gleichzeitig ein Gefühl dafür gewinnt, wie die Planung in Zug mit Jarkko Immonen aussieht. Der 34-jährige Finne ist einer von vier ausländischen Stürmern, die derzeit ihr gewohntes Rendement noch nicht erreicht haben. Immonen und Alatalo verbindet ein freundschaftliches Verhältnis.

Was die defensive Planung angeht, hat Kläy ja auch Alternativen. Die heissen in erster Linie nicht Simon Lüthi (30) oder Samuel Erni (25), die aktuell für den EV Zug verteidigen. Dafür war Lüthi seit 2013 zu oft verletzt, und Erni hat es nicht geschafft, die sportliche Leitung von seiner Einstellung und seinem Willen zu überzeugen. Ihre Zeit beim EV Zug scheint ein Ende zu nehmen.

Die Alternative zu Santeri Alatalo

Hier kommt vor allem ein Name ins Spiel. Der von Yannick Rathgeb, der für Fribourg verteidigt und in einer Woche 21 Jahre alt wird. Zum früheren Langenthal-Junior pflegt der frühere Langenthal-Sportchef ein spezielles Verhältnis. «Ich war für einige Zeit sein Personal Coach», erzählt Kläy. Rathgeb gilt als Spieler mit grossem Potenzial. Er war Captain der Schweizer U 20 und kam schon sechsmal für die A-Nationalmannschaft zum Einsatz.

Der 1,85 Meter grosse und 88 Kilo schwere Verteidiger ist spiel- und schussstark, aber in der defensiven Arbeit verliert er noch zu oft die Übersicht. Dafür spricht die relativ hohe Anzahl an Gegentoren, wenn er auf dem Eis steht. Die Auktion um Rathgeb wird im November wohl erst richtig losgehen.

Wenn es Kläy nicht gelingen sollte, dieses Talent an den Zugersee zu lotsen, so fragt man sich unweigerlich: bei wem denn sonst?

Andreas Ineichenandreas.ineichen@luzernerzeitung.ch


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