Zug bricht den Resega-Fluch

EISHOCKEY ⋅ Zum fünften Mal muss der EV Zug in dieser Saison in die Verlängerung, zum ersten Mal gewinnt er. Die ersatzgeschwächten Zuger verdienen sich den 5:4-Sieg nach Penaltyschiessen, weil sie nie aufgaben.

27. November 2016, 05:02

Elvis Merzlikins war wütend. Der Lugano-Goalie warf seine Handschuhe aufs Eis und musste von seinen Mitspielern beruhigt werden. Er wusste: Dieses Spiel hätte seine Mannschaft nie verlieren dürfen. Lino Martschini, Sandro Zangger und Jarkko Immonen trafen im Penaltyschiessen für den EV Zug, und weil auf der Gegenseite nur Ryan Gardner traf, reisten die Zuger mit zwei Punkten nach Hause. Es war ihr erster Sieg in der Resega nach zuletzt vier Niederlagen und im fünften Anlauf der erste Overtime-Erfolg. Das blamable Playoff-Out von Anfang Jahr rückt nach dem dritten Saisonsieg gegen die Tessiner immer mehr in den Hintergrund.

Parallelen zur Niederlage gegen die ZSC Lions

Eigentlich sprach gestern nichts für einen erfolgreichen Zuger Abend. 3:1 führte Lugano nach dem ersten Drittel, die Tessiner schlugen ein hohes Tempo an, und der EVZ agierte wie bereits am Freitag gegen die ZSC Lions in den ersten 20 Minuten zu passiv. Allen voran die Ex-Zuger Bürgler, Sondell, Brunner, Chiesa und Bertaggia spielten stark auf. Sondell wurde von Trainer Doug Shedden eigentlich aussortiert, aber weil bei den Luganesi noch mehr Verteidiger verletzt sind als beim EVZ, kehrte der Schwede zurück ins Team.

Als Lugano dann über eineinhalb Minuten in doppelter Überzahl spielen konnte, lag der vierte Treffer in der Luft. Doch das Zuger Boxplay funktionierte auch gestern bis auf eine Ausnahme im ersten Drittel hervorragend. Insgesamt dreieinhalb Minuten in doppelter Unterzahl überstand die Mannschaft von Harold Kreis schadlos. Und weil im Mitteldrittel plötzlich auch die Zuger trafen, war die Partie nach 40 Minuten wieder ausgeglichen.

Der EVZ verdiente sich diesen Sieg, weil er sich wie am Freitag gegen die ZSC Lions ins Spiel zurückkämpfte und sich dem Druck der Tessiner nicht beugte. Goalie Tobias Stephan hielt seine Mannschaft trotz vier Gegen­toren im Spiel, und die Verteidigung hinterliess zumindest ab dem zweiten Drittel einen soliden Eindruck.

Dem EVZ fehlten mit Timo Helbling, Johann Morant und Santeri Alatalo drei Stammverteidiger. Kreis musste seine Abwehr umstellen und gab dem erst 17-jährigen Tobias Geisser an der Seite von Raphael Diaz wieder viel Eiszeit. Geisser gelang ein ordentliches Spiel: Neben dem Sieg darf er sich auch über eine Plus-2-Bilanz und seinen ersten NLA-Skorerpunkt freuen. Er gab den Pass zu Klingbergs 2:3.

Luft für Shedden wird immer dünner

Mit Freude dürfte Kreis auch zur Kenntnis genommen haben, dass die Torproduktion immer besser in Fahrt kommt. Die Defensive ist seit Saisonbeginn die grosse Zuger Stärke, nun klappt es endlich auch mit dem Toreschiessen: Mit Holden, Klingberg und Immonen trafen drei Ausländer, die lange in der Kritik standen. Vor allem Klingberg macht grosse Fortschritte.

Auf der Gegenseite wird die Luft für Doug Shedden immer dünner. Der ehemalige EVZ-Trainer steht unter Druck, weil seine teure Mannschaft statt um die Spitzenplätze nur um einen Platz im Playoff kämpft. Lugano leistet sich den Luxus, sechs Ausländer zu engagieren, aber Shedden scheint es nicht zu gelingen, diese Stars bei Laune zu halten.

Jonas von Flüe/Luganojonas.vonfluee@luzernerzeitung.ch

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Die besten Bilder der Partie vom 26. November 2016.


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