Zug bringt sich in arge Nöte

EISHOCKEY ⋅ Der EV Zug macht in Berlin keine gute Figur und geht wegen vieler Strafen 0:4 unter. Damit scheinen die Sechzehntelfinals der Champions League für die Zuger Endstation zu bedeuten.

05. Oktober 2016, 05:08

Berlin ist eine Stadt, die ganz grosse Geschichte atmet. Der Zweite Weltkrieg und kurz darauf der Kalte Krieg haben die deutsche Hauptstadt geprägt. Unweit der Mercedes-Benz-Arena steht die East Side Gallery, das am längsten noch erhaltene Teilstück jener Mauer, die Berlin zu Beginn der 1960er-Jahre geteilt hat. Ein Stück bewegende und auch menschenverachtende Geschichte.

Geschichte hat der EV Zug gestern keine geschrieben, er hinterliess keine Spuren in Berlin. Zu ineffizient und vor allem zu undiszipliniert war die Vorstellung. Darum ist die schwarze Berlin-Serie für seinen Coach Harold Kreis um ein Kapitel reicher. Der Deutsch-Kanadier, der 2009 mit Düsseldorf und 2012 mit Mannheim in der DEL-Finalserie von den Berlinern bezwungen wurde, musste die anschliessende Pressekonferenz einmal mehr als Verlierer bestreiten. Er sagte: «Der Spielausgang war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Wir verbrachten zu viel Zeit auf der Strafbank.»

Fäuste fliegen in der Pause

Der Trip nach Berlin konnte keinem EVZ-Anhänger Freude bereiten. Die empfindliche 0:4-Niederlage lässt die Aussicht darauf, dass der EV Zug die Sechzehntelfinals in der Champions League überstehen könnte, deutlich verschlechtern – auch wenn das Rückspiel am nächsten Dienstag in der Bossard-Arena noch aussteht. «Vier Tore sind im Eishockey nicht viel, darum ist unsere Hoffnung auf ein Weiterkommen nach wie vor gross», wehrte sich Kreis.

Ein bisschen Unterhaltung bot die Partie, welche die Eisbären mit Cleverness und Kaltblütigkeit geprägt haben, dennoch. Dafür waren vor allem Zug-Verteidiger Johan Morant und Berlins Stürmer Spencer Machacek besorgt. Sie, die sich schon zuvor in die Haare gekriegt haben und dafür auf der Strafbank sassen, liessen nach dem Ende des zweiten Drittels erneut die Fäuste sprechen, als sie sich auf dem Weg in die Garderobe befanden. Dafür kassierten sie je eine 5-Minuten- plus Spieldauer-Disziplinarstrafe. Für Zug war es bereits die zweite, nachdem schon Dominic Lammer zur Spielmitte wegen hohen Stocks unter die Dusche musste. Am Ende leisteten sich die Zuger insgesamt 70 Strafminuten. So wird ein positives Resultat natürlich verunmöglicht. «Wir spielten so oft in Unterzahl, dass uns am Ende die Energie für eine Reaktion fehlte», analysierte Kreis, der noch zwei Szenen auf Video überprüfen will. Eine betraf die Torszene mit Carl Klingberg. Er hatte einen von der Bande zurückgeprallten Schuss von Rafael Diaz über die Linie gedrückt. Doch statt auf Tor entschieden die Referees auf zwei Strafminuten gegen Klingberg wegen Behinderung. Die andere Torszene, in der die Schiedsrichter zweifelhaft entschieden, passierte nach einem Schuss Suris. In der Meinung, der Goalie hätte den Puck unter Kontrolle, unterbrachen sie das Spiel. Dabei hatte Diaz den Puck auf dem Stock.

Im zweiten Drittel ging der EVZ nach einem zuvor recht ausgeglichenen Spiel unter. Suri und Tobias Geisser verpassten gleich am Anfang je eine gute Chance zum 1:1. Daraufhin verpasste Barry Tallackson mit einer Direktabnahme Zug den Nackenschlag.

Andreas Ineichen/Berlinandreas.ineichen@luzernerzeitung.ch


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