Der Titan ist wieder aufgewacht

EISHOCKEY ⋅ Der SCB geruhte Hockey zu spielen, und der EV Zug verlor 1:6. Der SCB kann morgen in Zug Meister werden. Die Zuger erhalten immerhin eine Chance zum «letzten Hurra».
16. April 2017, 09:10

Klaus Zaugg, Bern

Wäre der Chronist faul, so würde er einfach den Matchbericht der ersten Finalpartie (5:0) kopieren, mit ein paar Handgriffen dem gestrigen Resultat anpassen und wiederverwenden. Mit der heutigen Technik kein Problem. Da der Chronist aber ein fleissiger ist, bemüht er sich, den gestrigen Ereignissen mit neuen Worten gerecht zu werden.

Es gibt trotz der krachenden Niederlage durchaus ein Kompliment für die Zuger. Sie haben mit den grandiosen Leistungen, mit der Rückkehr in diese Serie und dem Ausgleich zum 2:2 den SC Bern wieder zu richtigem Hockey provoziert. Im ersten Spiel hatte der Meister den EV Zug ernst genommen und richtiges Hockey zelebriert. Beeindruckt von den Leistungen des Herausforderers im Halbfinal gegen den HC Davos. Aber nach der Leichtigkeit dieses ersten Siegens war der Titelverteidiger überheblich, eingebildet, selbstherrlich und hochnäsig geworden. Die Zuger haben diesen Hochmut bestraft – aber auch dafür gesorgt, dass der Titan nach zwei Niederlagen gestern wieder aufgewacht ist.

Zusammenbruch der Zuger wie bereits im ersten Spiel

Der SCB geruhte gestern wieder Hockey zu spielen. Wir haben gestern den wahren SCB gesehen. Die Berner waren noch besser als beim 5:0 zum Finalauftakt. In Zahlen: In der ersten Partie fiel das 3:0 nach 21:16 Minuten. Gestern bereits nach 10 Minuten und 6 Sekunden. Nichts half mehr. Auch kein Timeout.

Der Meister ist mit einem «Furor Bernensis» über die Zuger gekommen und hat sich nicht mehr beruhigt. Erneut mahnte die Wucht an ein Naturereignis, an einen Sturm, ein Unwetter, an Aufruhr der Elemente, an einen Zyklon, Taifun, Tornado, Hurrikan, Orkan, Blizzard oder Tornado. Eine unheimliche Kombination aus Härte, Tempo und Leidenschaft. Eine Einzelkritik beim Verlierer ist überflüssig. Wie im ersten Spiel hat Zug einen kollektiven Zusammenbruch, einen Systemausfall erlitten.

Selbst dann, wenn Marcus Vinnerborg dem SCB nicht mit einer ungerechtfertigten Strafe gegen Lino Martschini den Weg zum 1:0 geebnet hätte, wäre für die Zuger gestern nichts zu machen gewesen. Der arrogante schwedische Headschiedsrichter, der sich mit kleinlicher Pfeiferei produziert, erweist den Schweizer Schiedsrichtern einen Bärendienst. Er sorgt dafür, dass die Refs ausgerechnet im Final wiederholt in Kritik geraten. Es ist nicht nachvollziehbar, dass bei den Unparteiischen nicht das Leistungsprinzip gilt und die Besten – beispielsweise Danny Kurmann – im Final nicht eingesetzt werden.

Das 5:0 im ersten Spiel war noch nicht das «Ende der Finalgeschichte». Ist dieses Ende nach der fünften Partie gekommen? Nein, noch immer nicht. Die Ausgangslage ist am Montag wieder eine andere. Der SCB kann Meister werden. Eine erneute «Spielblockade» der Berner ist nicht auszuschliessen. Zug hat nichts mehr zu verlieren und kann spielen, als gebe es kein Morgen. Dafür haben die Nordamerikaner einen passenden Ausdruck: «The Last Hurrah». Und auch an diese alte Sportweisheit sei nochmals erinnert: «It’s not over until the fat lady sings». Aber gestern hat die dicke Frau das Notenblatt zur Hand genommen und ihr Begleitorchester die Instrumente gestimmt. Sie ist bereit zu singen.

Bern – Zug 6:1 (3:0, 2:1, 1:0)

17031 Zuschauer (ausverkauft).– SR Stricker/Vinnerborg, Borga/Kaderli.

Tore: 2. Ebbett (Rüfesnacht, Lasch/Ausschluss Martschini) 1:0. 7. Bodenmann (Blum, Ebbett) 2:0. 11. Müller (Gagnon, Krueger) 3:0. 32. Rüfenacht (Arcobello/Ausschluss Helbling) 4:0. 35. (34:16) Grossmann 4:1. 36. (35:42) Arcobello (Rüfenacht) 5:1. 45. Untersander (Arcobello, Ebbett/Ausschluss Morant) 6:1.

Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Bern, 9-mal 2 Minuten gegen Zug.

Bern: Genoni; Jobin, Krueger; Untersander, Blum; Andersson, Gerber; Kamerzin; Hischier, Plüss, Scherwey; Lasch, Ebbett, Bodenmann; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Berger, Gagnon, Müller; Randegger.

Zug: Stephan; Helbling, Grossmann; Diaz, Morant; Schlumpf, Alatalo; Erni; Klingberg, Immonen, Senteler; Martschini, Holden, Suri; Zangger, McIntyre, Lammer; Peter, Diem, Schnyder; Fohrler.

Bemerkungen: Zug ohne Lüthi, Järvinen, Markkanen und Haller (alle überzählig). Blum (29.) und Diem (32.) verletzt ausgeschieden. Timeout Zug (11.).

Nach zwei Siegen müssen die Zuger im 5. Playoff-Finalspiel eine Niederlage hinnehmen. Sie unterliegen dem SCB mit 1:6.

Video: «Jetzt redt de EVZ»: 5. Spiel der Finalserie

Der EV Zug hat auswärts im fünften Spiel der Playoff-Finalserie gegen den SC Bern gleich mit 1:6 verloren. Zu viele Strafen, zu wenig Torgefahr. Können die Zuger das Blatt nochmals wenden? (shä/chg, 15. April 2017)

Video: EV Zug verliert in Bern

Beim fünften Finalspiel verlor der EVZ gegen Bern. Die Berner entschieden das Spiel 6:1 für sich. (Tele1, 16. April 2017)




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