EV Zug gegen HC Davos – der Vergleich in Zahlen

EISHOCKEY ⋅ Zum Auftakt der Playoff-Halbfinals empfängt der EV Zug heute den HC Davos (20.15 Uhr, Live auf SRF zwei und Zugerzeitung.ch). Unsere Zeitung nennt vier Faktoren, die über Sieg und Niederlage entscheiden können.
21. März 2017, 07:30

Pokale: 1 gegen 31 Meistertitel

Die Geschichte des 1921 gegründeten HC Davos ist geprägt von Erfolgen. 31 Mal gewannen die Bündner den Meistertitel. Damit halten sie den Rekord in der Schweiz – mit grossem Vorsprung vor dem SC Bern (14 Titel). Der HCD weiss also, wie wichtige Siege zu bewerkstelligen sind. Die erfolgreichste Zeit erlebte er zwischen 1938 und 1950, als er gleich elfmal triumphierte. Den letzten Meistertitel feierte er 2015. 14 Spieler des Meisterteams spielen heute noch in Davos (siehe «Alter»).

Mit diesen Erfolgen kann der EV Zug nicht mithalten. Den bisher einzigen Meistertitel in der NLA holte er 1998. Die Stars hiessen damals Bill McDougall, Wes Walz oder Misko Antisin. In den Jahren zuvor war der EVZ zweimal im Final gestoppt worden. Man muss dem EV Zug aber zugute­halten, dass er erst seit 50 Jahren besteht und lange Zeit in der 1. Liga und Nationalliga B spielte.

Was die Playoffs betrifft: Die jüngsten Aufeinandertreffen der beiden Teams 2015, 2011 und 2008 entschieden die Bündner alle für sich. Aber ein gutes Omen für die Zuger ist: Auf dem Weg zu ihrem bisher grössten Erfolg in der Vereinsgeschichte gewannen sie im Final von 1998 gegen – genau – den HC Davos.

Grösse: 182,68 gegen 186,00 cm

Die Körpergrösse allein muss noch kein Faktor sein. Genève-Servette war grösser als Zug (insgesamt 77 Zentimeter) und im Viertelfinal doch chancenlos. Mag diese Differenz von 77 Zentimetern noch im Graubereich des Zufalls liegen und keine Rolle spielen, so ist der Unterschied zu Davos (268 Zentimeter) bemerkenswert und ein Faktor, der bei der Beurteilung sehr wohl zu berücksichtigen ist. HCD-Trainer Arno Del Curto hat das körperlich grösste Team der Liga zusammengestellt. Die Bündner haben eine Durchschnittsgrösse von 186,00 Zentimetern, Zug von 182,68.

Davos hat sechs Abwehrspieler, die mindestens 190 Zentimeter gross sind, Zug nur einen (Timo Helbling). Zudem ist kein HCD-Verteidiger kleiner als 187 Zentimeter – bei Zug sind es fünf. Die Grösse ist kein Vorteil, wenn die Beweglichkeit fehlt.

Die HCD-Titanen stehen allerdings nicht auf hölzernen Füssen. Sie sind sogar erstaunlich beweglich – Arno Del Curto achtet auf flinke Füsse. Im Viertelfinal haben die Bündner mit dem HC Lausanne (154 Tore) ein offensiv erheblich stärkeres Team als Zug mit Genève-Servette (135 Tore) in Schach gehalten. Die Grösse der Verteidiger ist in dieser Serie ein Faktor.

Gewicht: 86,04 gegen 88,28 Kilo

Der Faktor Gewicht steht in Zusammenhang mit der Grösse. Je grösser, desto schwerer. Logisch. Zug kommt auf durchschnittlich 86,04 Kilo, Davos auf 88,28. Die Differenz beträgt also 2,24 Kilo.

Grösse bedeutet mehr Reichweite (was defensiv und offensiv Vorteile bringt). Mehr Gewicht erhöht die Standfestigkeit und die Durchschlagskraft. Zudem kann höheres Gewicht ein Hinweis auf mehr Kraft (Muskeln) sein. Nur ein regelmässig eingesetzter HCD-Stürmer (Andres Ambühl) ist leichter als 80 Kilo. Bei Zug sind es drei (Lino Martschini, Dominic Lammer, Fabian Schnyder).

Wie Martschini zeigt, können Schnelligkeit und Beweglichkeit ein Gewichtsmanko wettmachen – aber nicht alle leichten Spieler fliegen so übers Eis wie Martschini. Wenn es knapp wird, wenn sich eine Serie zum «Abnützungskampf» entwickelt, kann der Gewichtsvorteil die offensive Durchschlagskraft der weniger talentierten Spieler, also jener des dritten und vierten Blockes, erhöhen und so ein entscheidendes Plus sein. Auch deshalb hat der Zuger Sportchef Reto Kläy bei den Transfers vor der Saison dafür gesorgt, dass seine Jungs im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich 2,42 Kilo schwerer geworden sind.

Alter: 27,61 gegen 25,00 Jahre

Erfahrung ist in den Playoffs nur dann entscheidend, wenn es sich auch um Playoff- und nicht bloss um Erfahrung aus der Qualifikation handelt. Und wenn es eine siegreiche Erfahrung ist. Das Wissen, wie man Titel gewinnt, ist im Eishockey so etwas wie «Herrschaftswissen». Meisterteams haben meist einen Kern aus erfahrenen Haudegen, und das Durchschnittsalter ist höher als 28 Jahre. Die Zuger (27,61 Jahre im Schnitt) sind erfahrener als Davos (25,00 Jahre), auch ihre Playoff-Erfahrung ist grösser – und trotzdem ist dies noch kein automatischer Vorteil. Weil die Davoser mehr Siegeserfahrung haben. 14 Davoser spielten bereits im Meisterteam von 2015 eine Rolle und wissen, wie man Meister wird.

Beim EV Zug wissen das nur Sven Senteler, Robin Grossmann und Timo Helbling. Aber auf der vielleicht entscheidenden Position spricht die Erfahrung ganz klar für Zug. Torhüter Tobias Stephan hat reichlich Playoff-Erfahrung. Zwar noch keine meisterliche. Aber immerhin kam er mit Servette 2010 in den Final und dort gegen den SC Bern bis ins 7. Spiel. HCD-Goalie Gilles Senns Erfahrung beschränkt sich hingegen einzig und allein auf den soeben gespielten Viertelfinal gegen den HC Lausanne.

Klaus Zaugg und Sven Aregger


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