Josh Holden dank Hypnose im Hoch

EISHOCKEY ⋅ Der Kanadier Josh Holden spielt im EV Zug so gut wie seit Jahren nicht mehr. Sein Erfolgsgeheimnis beruht auf gesunder Ernährung – und Hypnose.
25. Januar 2016, 00:00

Am Montagmittag flatterte die dürre Mitteilung herein: Josh Holden hat seinen auslaufenden Vertrag im EV Zug wie erwartet bis 2017 verlängert. Ganze fünf Sätze war die Nachricht dem Klub wert, dabei gäbe es viel zu schreiben. Denn die Beziehung zwischen Holden und dem EVZ ist eine besondere, eine Amour fou, die dem Kanadier im Spätherbst seiner Karriere noch einmal eine Vertragsverlängerung eingebracht hat. Holden wird 39 Jahre alt sein, im nächsten Winter, der drittälteste Feldspieler der Liga und jener Ausländer mit den meisten Dienstjahren.

Die Kraft des Unterbewusstseins

Das ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, in diesem schnelllebigen Geschäft und einer Zeit, in der nur noch Romantiker mit nicht in Franken messbaren Werten wie Klubtreue, Ehre und Verbundenheit vertraut zu sein scheinen. Vor allem aber ist die Entwicklung darum erstaunlich, weil sie nicht absehbar war. Holden mag seit seinem Wechsel von Langnau nach Zug im Sommer 2008 das Aushängeschild dieses Klubs gewesen sein – zuletzt jedoch schlug ihm vor allem Argwohn entgegen. In der Horrorsaison 2013/14 kritisierte er seine Teamkollegen öffentlich – und war in der Kabine danach wochenlang isoliert. Dazu kamen: mässige Darbietungen – und, immer wieder, Sperren. Die Meinungen waren gemacht: Schon die Vertragsverlängerung bis 2015, im Herbst 2013 ein Alleingang des CEO Patrick Lengwiler, sei ein Fehler gewesen; Holden gehöre bei der nächsten Gelegenheit entsorgt.

Dass es anders, ganz anders kam, ist eine Geschichte über Willenskraft, über Disziplin, über Stolz. Sie geht so: Im Februar 2015 realisiert Holden, dass er sich ändern muss. Gerade war er von der Liga-Justiz zum achten Mal aus dem Verkehr gezogen worden, dieses Mal für einen Stockschlag gegen Klotens Tommi Santala, acht Spiele Sperre.

Die teils rüden Fouls haben Holden viel Kredit gekostet, sein Ruf ist ramponiert. Sich ändern, das sagt sich leicht, doch es ist eine Herausforderung, zumal als Profi in diesem Alter. Holden entschliesst sich zu einem unorthodoxen Schritt. Wenn er sich schlafen legt, spielt er auf dem iPod hypnotische Sprachmuster ab. Hier ein entspannender Moment und dort ein positiver Gedanke. Man kann das als Firlefanz abtun, Holden aber hat es geholfen. Er sagt: «Ich bin ausgeglichener geworden. Es ist verrückt, wie das Unterbewusstsein arbeitet.»

Die Ernährung umgestellt

Holden sagt das, und man kann seine Aussage leicht mit Fakten untermauern. Sein Total an Strafminuten beträgt 18, es ist der mit Abstand tiefste seiner gesamten Laufbahn. Die Hypnose ist dafür eine Erklärung, das Mentaltraining die zweite und die Ernährung eine dritte. Holden hat seine Ernährung umgestellt und isst kaum noch Fleisch. Er sagt: «Der Verzicht hat bei mir zu einer Reduktion punkto Aggressivität geführt.» Ähnliches war vor einigen Jahren von Mike Tyson zu vernehmen, dem früheren Weltmeister im Schwergewichtsboxen, der inzwischen gänzlich auf tierische Produkte verzichtet; kein Fleisch, kein Honig, kein Käse. Tyson sagte: «Wäre ich früher Veganer geworden, hätte ich mich nicht so lange so verrückt aufgeführt.»

So weit geht Josh Holden nicht, doch es ist augenfällig, dass ihn ein neues Lebensgefühl beflügelt. Mit 16 Toren und 25 Assists aus 41 Spielen ist Holden so produktiv wie seit fünf Jahren nicht mehr, er erlebt gerade seinen zweiten Frühling. Die jüngste Vertragsverlängerung soll darum nicht die letzte gewesen sein; die Chancen auf ein zehnjähriges Dienstjubiläum in Zug sind intakt, idealerweise verbunden mit der Verwirklichung seines ewigen Traums: einem Titelgewinn mit dem EV Zug.

Ob zu diesem Anlass auch seinem Arbeitgeber ein paar würdigende Worte einfallen würden?


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