Tobias Stephan und das «gute Gefühl»

EISHOCKEY ⋅ Tobias Stephan (33) hat massgeblich dazu beigetragen, dass der EV Zug in den Playoff-Halbfinals steht. Noch fehlt dem Goalie ein Meistertitel. Das will er ändern.
20. März 2017, 07:24

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Tobias Stephan geniesst diese Zeit. Trotz des Drucks. Trotz der grossen Verantwortung, die er trägt. «Ich lasse mich nicht verrückt machen während der Playoffs», sagt der EVZ-Goalie. Er weiss, dass er ein Spiel allein entscheiden kann – im positiven wie im negativen Sinne. Macht er einen Fehler, führt das meist zu einem Gegentor. Er sagt: «Meine Rolle ist speziell. Die Frage ist, wie man mit dem Druck umgeht. Der Druck muss positiv sein, er muss einen stärker machen.»

In den bisherigen Playoff-Spielen hat Stephan gezeigt, wie gut er den Druck bewältigen kann. In der Viertelfinal-Serie gegen Genève-Servette (4:0) entschied er das Duell mit seinem Gegenüber Robert Mayer klar für sich. Während sich Servettes Nationaltorhüter mehrere schwerwiegende Fehler leistete und zweimal das Eis vorzeitig für die nominelle Nummer 2 räumen musste, verhalf Stephan seiner Mannschaft mit starken Paraden zum Erfolg. «Tobias strahlt Sicherheit und Ruhe aus. Wenn wir ihn brauchen, ist er da», sagt Trainer Harold Kreis.

Mentaltraining ist ein wichtiger Faktor

Stephans Fangquote in den Viertelfinals betrug über 96 Prozent – ein überragender Wert. Doch für den 33-Jährigen ist diese Statistik «nicht so aussagekräftig», zumal sie auf erst vier Spielen beruht. Stattdessen lobt er seine Vorderleute, die ihm die Arbeit vereinfacht hätten. «Sie klären meine Abpraller und sorgen dafür, dass meine Sicht nicht verdeckt ist. Ausserdem lassen sie den Gegner zu wenigen Überzahlsituationen vor meinem Tor kommen.» Trainer Kreis findet: «Die Verteidiger und Tobias arbeiten sehr gut zusammen.»

Der Zürcher Stephan spielt seine dritte Saison beim EV Zug. Nach einigen unkonstanten Leistungen im letzten Herbst verrichtet er seinen Job auf hohem Niveau. Jetzt – in der wichtigsten Saisonphase – ist Stephan noch fokussierter, noch konzentrierter. Der Alltag besteht aus Spielen, Trainieren, Erholen. Er liest keine Zeitungen, «weil es mir nichts bringt. Ich analysiere meine Leistungen selber oder mit den Trainern und Teamkollegen.» Vieles, was ihn ablenken könnte, blendet er aus. Seine Ehefrau unterstützt ihn nach Kräften. Sie kümmert sich in dieser Zeit auch um Sohn Lenny, der im Januar auf die Welt kam.

Ein wichtiger Faktor ist das Mentaltraining. Stephan verwendet verschiedene Techniken. «Ich habe in meiner Karriere mit vielen Mentaltrainern und Sportpsychologen gearbeitet und von allen etwas lernen können.» Vor einem Spiel zum Beispiel visualisiert er in seinem Kopf verschiedene Szenen, die sich ereignen könnten. Zudem weiss er, wie er während eines Matches seine Gedankengänge steuern kann – etwa wenn es dem Team nicht nach Wunsch läuft oder ihm ein Fehler unterlaufen ist.

Stephan etablierte sich bei den Kloten Flyers in der NLA. 2006 wechselte er in die NHL zu den Dallas Stars, für die er elf Spiele bestritt. Zum ersten Mal in seiner Karriere war er nicht die Nummer 1. Er musste den Umweg über die AHL, die zweithöchste Liga in Nordamerika, nehmen. Sich zuerst beim Farmteam bewähren. «Diese Erfahrungen helfen mir», erzählt er. «Die Karriere ist wie ein Prozess, in dem ich mich stetig weiterentwickelt habe.»

Vizemeister mit Genève-Servette

Nach seinem USA-Abenteuer unterschrieb er 2009 in Genf, wo er fünf Jahre bleiben sollte. Mit Servette stand er 2010 im Playoff-Final, scheiterte aber in sieben Spielen am SC Bern. Die Wahl zum Schweizer Torhüter des Jahres war nur ein schwacher Trost. Stephan gewann mit Servette immerhin den Spengler-Cup. Er absolvierte vier A-Weltmeisterschaften mit dem Nationalteam und war auch im Kader, als die Schweiz 2013 die Silbermedaille gewann. Ein Meistertitel fehlt ihm aber. Stephan, der in Zug einen Vertrag bis 2018 hat, ist zuversichtlich, dass sich das ändern wird. «Ich glaube, diesen Titel werde ich noch holen. Wir haben in dieser Saison so hart gearbeitet wie noch nie und sind dazu fähig, die Meisterschaft zu gewinnen.» Der Erfolg des EVZ steht und fällt massgeblich auch mit seinen Leistungen im Tor. Stephan sagt: «Ich habe ein gutes Gefühl.»

Playoffs

Halbfinals. 1. Runde. Dienstag, 19.45: Bern – Lugano. – 20.15: Zug – Davos (SRF zwei).


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