Zugs beste Tage in diesem Jahrhundert

PLAYOFF-FINAL ⋅ Alles beginnt von vorne. Zug gewinnt in der Verlängerung gegen den SC Bern 3:2 und gleich die Finalserie zum 2:2 aus.
13. April 2017, 23:45

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Und dann stürzt das mächtige SCB-Bollwerk in sich zusammen wie die unüberwindlichen Mauern von Jericho beim Schall der Posaunen. Nationalverteidiger Eric Blum kann die Scheibe nicht kontrollieren, Nationaltorhüter Leonardo Genoni auch nicht und Fabian Schnyder trifft in der Verlängerung zum 3:2. Der Stürmer, der die Leidenschaft und den Willen der Zuger personifiziert, hat gleich zwei SCB-Hexenmeister des Verteidigungsspiels, des Abwehrens, irritiert, schachmatt gesetzt. Es ist sein zweiter Treffer in diesem Spiel. Die Finalserie steht 2:2. Alles beginnt wieder von vorne. Die Geschichte des Finals 2017 muss neu geschrieben werden.

Es ist ein grosser Sieg für die Zuger. Für die Zuschauer ist es mehr als einfach ein Hockeyspiel. Es ist ein Drama in mehreren Akten, spannender, aufwühlender wäre nicht möglich gewesen. Erst braust der Sturm der Begeisterung durch die Arena. 1:0. 2:0. Der Himmel ist die Limite. Dann kehrt der SCB zurück. Tobias Stephan kassiert zwei Treffer. Haltbar? Sagen wir es so: hätte er diese zwei Pucks abgewehrt, hätte niemand von einem «Big Save», einer grossen Parade oder zwei verpassten grossen SCB-Chancen gesprochen. Aus Euphorie im Stadion wird trotzige Verzweiflung. Bangen, Hoffen, Zittern. Und dann die Erlösung in der Verlängerung. Zu einem Zeitpunkt, als schon die Dämonen des Zweifels im Anzug waren. Unser Eishockey ist berühmt für die tolle Stimmung in den Stadien. Doch das, was gestern in Zug los war, übertrifft sogar die Stimmung der beiden SCB-Heimspielen in der grössten Arena Europas. Zug rockte. Zug bebte. Keine Frage: in dieser Arena vermag die Mannschaft Energie aufzusaugen. 

Dieses 3:2 nach Verlängerung ist ein Sieg des Willens, des Charakters, der Leidenschaft – aber auch der klugen Taktik. Die Zuger dominierten den SCB im Startdrittel und legten mit einer 2:0-Führung die Basis für den Sieg. Es war vielleicht das beste und mit ziemlicher Sicherheit das intensivste Drittel der Zuger in dieser Saison. Die Berner, am Anfang zu selbstsicher, zu arrogant, kehrten im Mitteldrittel ins Spiel zurück – aber es reichte nur noch zum Ausgleich. Sie bekamen den Gegner zwar in Griff, aber Zug liess sich nicht mehr aus dem Konzept bringen. Ein wenig ist dieser Sieg auch eine Dividende des Sieges vom Dienstag in Bern: die Zuger wissen, dass sie doch gewinnen können. Diese Zuversicht haben sie gestern nie verloren, auch nicht nachdem aus dem 2:0 ein 2:2 geworden war.

SCB-Leitwolf Martin Plüss sagte nach dem Spiel, so vieles spiele sich im Kopf ab. Er vertraut auf die Stärken seiner Mannschaft, die sich schon so oft in Titelkämpfen bewährt und die letzte Saison die Meisterschaft gewonnen hat. Auch die Zuversicht der Berner ist ungebrochen. Aber etwas hat sich grundsätzlich verändert: die Zuger wissen jetzt, dass sie den grossen, mächtigen SCB besiegen können. Vor dem Finale waren sie tief im Herzen noch nicht sicher, ob sie tatsächlich dazu in der Lage sind, diesen grossen, mächtigen SCB zu bodigen. Nach zwei Finalspielen schien es für die Zuger gar unmöglich, diesen grossen, mächtigen SCB auch nur zu beunruhigen. Die Berner führten 2:0.
Jetzt steht es 2:2. Wir haben soeben die besten Tage des Zuger Hockeys in diesem Jahrhundert erlebt. Und diese Tage sind noch nicht vorüber.

Zug - Bern 3:2 (2:0, 0:1, 0:1, 1:0) n.V.

7015 Zuschauer (ausverkauft). - SR Stricker/Wiegand, Castelli/Fluri. - Tore: 12. Lammer (Martschini, McIntyre) 1:0. 16. Schnyder (Diem) 2:0. 22. Plüss 2:1. 44. Moser 2:2. 63. Schnyder 3:2. - Strafen: je 4mal 2 Minuten. - PostFinance-Topskorer: Martschini; Arcobello.

Zug: Stephan; Helbling, Grossmann; Diaz, Morant; Schlumpf, Alatalo; Erni, Fohrler; Klingberg, Holden, Senteler; Martschini, Järvinen, Suri; Zangger, McIntyre, Lammer; Peter, Diem, Schnyder.

Bern: Genoni; Untersander, Blum; Jobin, Krueger; Noreau, Gerber; Andersson; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Hischier, Plüss, Scherwey; Lasch, Ebbett, Bodenmann; Berger, Müller, Randegger; Reichert.

Bemerkungen: Zug ohne Immonen (gesperrt), Lüthi, Markkanen und Haller, Bern ohne Gagnon, Garnett, Kamerzin, Kreis, Thibaudeau, Rochow, Dubois, Meyer (alle überzählig). Pfostenschuss Ebbett (38.).

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