«Was da passierte, war wirklich der Wahnsinn»

NACHGEFRAGT ⋅
18. Mai 2017, 08:45

Die User von www.zugerzeitung.ch haben entschieden. Im All-Star-Team von 50 Jahren EV Zug steht Lars Weibel im Tor (467 von 1094 Stimmen), Rafael Diaz (549 von 1131 Stimmen) und Dino Kessler bilden die Verteidigung, im Sturm sind Paul Christoffel (348 von 1318 Stimmen), Wes Walz (301) und Henrik Zetterberg (179) gesetzt. Christoffels Wahl als Stürmer mit den meisten Stimmen ist überraschend, hat der heute 57-Jährige doch in den 1980er-Jahren gespielt und ist der jüngeren Generation kaum mehr bekannt.

Paul Christoffel, Sie sind im All-Star-Team Sturmpartner von Henrik Zetterberg und Wes Walz – nicht schlecht!

Das stimmt, allerdings wäre es fraglich, ob ich in dieser Linie wirklich spielen würde …

Zetterberg und Walz sind in der NHL mehrfache Millionäre geworden, Sie hingegen müssen bis zur Pensionierung arbeiten (er ist in leitender Funktion bei der Stadtantenne Baar tätig, Anm. d. Red.) – neidisch?

Nein, nein, das war halt eine andere Zeit. Allerdings haben die Älteren damals uns auch darauf aufmerksam gemacht, wie gut wir es doch hätten im Vergleich zu ihnen. Ich zum Beispiel arbeitete während der Eishockeykarriere nur am Anfang.

Sind Sie erstaunt über Ihre Wahl ins All-Star-Team?

Schon ein wenig. In Zug kennen mich ja die meisten jungen Fans nicht mehr. Ich vermute, es haben auch Leute aus der Restschweiz abgestimmt – ich habe ja in verschiedenen Klubs gespielt.

Wie sind Sie eigentlich 1981 nach Zug in die NLB gekommen – als früherer Meisterspieler mit Arosa?

Ich war vorher in Kloten, aber diese Region hat mir als Bündner ehrlich gesagt nicht so behagt. Zugs TK-Chef Louis Wettstein hat mich angefragt, und ich war dankbar für diese Möglichkeit.

Sie haben in Ihrer Zeit alles erlebt: 1982 den Abstieg in die 1. Liga, 1987 die Rückkehr in die NLA.

Es war wirklich ein Auf und Ab. Aber auch in der Abstiegssaison hatten wir eine gute Zeit in der Mannschaft. Klar, dass acht oder neun Kanadier spielten, war nicht so lustig. Aber unter den weiteren Spielern und mit den Funktionären hatten wir dennoch einen guten Zusammenhalt, das hat mir gefallen. Das Familiäre hat den EVZ immer ausgezeichnet, und ich habe mich in Zug wohlgefühlt – deshalb bin ich seit dem Jahr 1981 in diesem Kanton wohnhaft geblieben, auch nach den späteren Vereinswechseln.

Halten Sie noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern?

Mit Philipp Neuenschwander, der ja auch in Ägeri wohnt, unterhalte ich mich ab und zu, oder auch mit René Schädler. Insgesamt habe ich heute noch wenig mit Eishockey zu tun. Ich informiere mich über das Fernsehen oder die Zeitung über den EVZ, bin aber kaum mehr im Stadion. Vielleicht ändert sich das ja jetzt im Jubiläumsjahr etwas.

 

Wie gefällt Ihnen eigentlich der heutige EVZ?

Es ist eindrücklich, wie aus dem Verein eine Firma geworden ist. Das ist ein Riesenunterschied zu damals, aber es ist gut für Zug, dass es so gekommen ist.

 

Welche ist die bleibendste Erinnerung an Ihre Aktivzeit?

Ganz klar das Aufstiegsspiel gegen den ZSC 1987. Die Partie musste wegen eines Polizeieinsatzes gegen die wütenden Fans unterbrochen werden. Schliesslich gewannen wir und stiegen auf. Ich hatte zuvor schon vieles erlebt und war 1980 mit Arosa Meister geworden. Aber was da im Hertistadion passierte, war wirklich der Wahnsinn.

www. Alle Beiträge zum EVZ-Jubiläum: zugerzeitung.ch/evz50

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