Absenzenliste: Kreis behält die Ruhe

EISHOCKEY ⋅ Der EV Zug wirkt noch nicht so stabil wie in der Vorsaison. Das hat auch damit zu tun, dass ihm ein kompletter Block an Stammspielern fehlt. Trainer Harold Kreis macht sich darüber keine Sorgen.
14. September 2017, 07:56

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Vier Punkte aus drei Spielen ist nicht das, was sich der EV Zug vom Saisonstart erhofft hat. Dass die Ansprüche des Vize-Schweizer-Meisters höher liegen, liessen auch die Aussagen der Zuger am Dienstagabend vermuten. Nach dem mühsam erkämpften Sieg in der Verlängerung gegen Lausanne freuten sie sich nicht in erster Linie über die zwei Punkte, sondern ärgerten sich, dass sie das Spiel nicht schon innert 60 Minuten zu ihren Gunsten hatten entscheiden können.

In der Tat wirkt der EVZ noch nicht so gefestigt wie in der vergangenen Saison. Gegen Lausanne verspielten die Zentralschweizer eine 3:1-Führung und gerieten zwischenzeitlich 3:4 in Rückstand. Durch individuelle Fehler liessen sie sich im Mitteldrittel aus dem Konzept bringen. «Phasenweise haben wir unsere konsequente und einfache Spielweise vermissen lassen», sagt Trainer Harold Kreis. «Es gibt ­einige Details, die wir noch genau anschauen müssen.» Er meint damit unter anderem das Positionsspiel und das Verhalten in gewissen Defensivsituationen.

«Wir werden das gut überstehen»

Die dünne Personaldecke macht die Aufgabe nicht gerade leichter. Anfang Woche erreichten den EVZ zwei personelle Hiobsbotschaften: Verteidiger Timo Helbling wurde von der Liga gesperrt, weil er im Startspiel in Davos den Schiedsrichter Micha Hebeisen umgefahren hatte. Er muss noch vier Spiele zuschauen. Ebenfalls in Davos erlitt Center David McIntyre eine Adduktorenverletzung. Der Kanadier fällt drei bis vier Wochen aus. McIntyre und Helbling befinden sich in illustrer Gesellschaft. Denn seit Wochen fehlen auch die Routiniers Reto Suri (Knie), Santeri Alatalo (Brustmuskel) und Nolan Diem (Schulter). Damit muss der EVZ derzeit ohne einen kompletten Stammspieler-Block auskommen. In Zug bricht deswegen keine Panik aus. Trainer Kreis sagt: «Es ist, wie es ist. Wir werden damit zurechtkommen und das gut überstehen. Ich mache mir keine Gedanken.»

Die Absenzen führen allerdings dazu, dass die jungen Spieler vermehrt in den Blickpunkt rücken. Im EV Zug wissen sie, dass die Integration der Talente Geduld erfordert. Kreis attestiert den Jungen «einen guten Job». Und Sportchef Reto Kläy sagt: «Für sie ist es eine Chance. Jede Minute Eiszeit bringt sie im Lernprozess voran.»

Eine weitere Konsequenz der langen Verletztenliste: Die besten Kräfte werden vermehrt forciert. Captain Raphael Diaz kommt auf eine durchschnittliche Eiszeit von knapp 25 Minuten pro Spiel, er steht damit in der Liga an zweiter Stelle. Die langen Einsätze kosten Energie, aber Kläy glaubt nicht, dass dies für gute, routinierte Spieler ein Problem ist. Der fünfte Ausländer Josh Holden war bisher noch kein adäquater Ersatz für McIntyre. Dem 39-jährigen Kanadier ist nach einer Verletzungspause die mangelnde Spielpraxis anzumerken.

Erst ein Gegentor in Unterzahl

Dafür funktionieren die Special-Teams immer besser. In Unterzahl hat der EV Zug erst ein Gegentor erhalten. Und das, obwohl er bereits 31 Minuten und 49 Sekunden im Boxplay agieren musste. Gegen kein anderes Team wurden mehr Strafen ausgesprochen. Auch im Powerplay ist ein Aufwärtstrend erkennbar. Nachdem die Zuger aus den ersten zwölf Überzahlsituationen nur ein Tor erzielt hatten, polierten sie die Bilanz am Dienstag gegen Lausanne auf: Sie nutzten drei von vier Chancen.

Ein weiterer Lichtblick: Ende September dürfte die Personaldecke wieder etwas dicker werden. Wenn alles gut geht, stehen Reto Suri und Nolan Diem dann wieder zur Verfügung.


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