Am Ende fehlt dem EV Zug gegen Lugano die Kraft

EISHOCKEY ⋅ Der intensive Meisterschaftstart am Freitag in Davos hat Spuren hinterlassen: Der EV Zug verliert in seinem ersten Heimspiel 2:4 gegen Lugano.
10. September 2017, 07:54

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Noch bis heute können vor der Bossard-Arena künstliche Stiere in allen Farben bestaunt werden. Der Ort für diese sogenannte Stierparade könnte kaum passender sein. Der Stier ist das Wappentier des EV Zug. Er steht für Kraft und Dynamik – Eigenschaften, die auch dem EVZ wichtig sind. Kraftvoll und dynamisch wollten die Zuger daher auch in ihrem ersten Liga-Heimspiel gegen Lugano auftreten.

Dabei mussten sie allerdings auf ihren stämmigsten Verteidiger verzichten. Haudegen Timo Helbling wurde vorsorglich für ein Spiel gesperrt, weil er am Freitag in Davos den Headschiedsrichter Micha Hebeisen von hinten umgestossen hatte. Die National League eröffnete in der Nacht auf Samstag ein Verfahren gegen Helbling, der Fall liegt nun beim Einzelrichter. Gemäss neuem Strafenkatalog drohen Helbling zwei bis neun Spielsperren. Mit dem Urteil ist am Montag oder Dienstag zu rechnen. «Es war eine unglückliche Aktion von Timo», sagte Sportchef Reto Kläy. «Aus unserer Sicht trifft ihn keine grosse Schuld. Er richtete den Fokus auf das Spielgeschehen an der Bande, und der Schiedsrichter war nicht optimal positioniert. Wenn man selber gespielt hat, kennt man solche Situationen.»

McIntyre laboriert an Adduktorenverletzung

Weiterer prominenter Abwesender auf Zuger Seite war David McIntyre. Der Kanadier erlitt eine Adduktorenverletzung. Für ihn rückte der nominell fünfte Ausländer Josh Holden ins Team.

Die Partie gegen Lugano hatte nicht die Intensität wie das Davos-Spiel am Vortag. Aber auch sie war lange derart offen, dass es hellseherischer Fähigkeiten bedurft hätte, um den Ausgang zumindest zu erahnen. 2:2 stand es nach 40 Minuten. Die Tessiner waren zweimal in Führung gegangen, Viktor Stalberg (3. Saisontreffer!) und Dominic Lammer (erstes Zuger Powerplay-Tor!) realisierten jeweils den Ausgleich. Die Frage war, welches Team im letzten Drittel noch den nötigen Biss hatte, das Eis als Sieger zu verlassen. Die Antwort lieferte Lugano gleich mit zwei Toren, wobei dem Ex-Zuger Dario Bürgler sein zweites des Abends glückte. Diesmal konnten die Zuger nicht mehr reagieren, was letztlich auch dem kräfteraubenden Sieg nach Penaltyschiessen gegen Davos geschuldet war. «Das Spiel in Davos hat definitiv Kraft gekostet», sagte Verteidiger Robin Grossmann. «Wir haben unsere besten Kräfte stark forciert. Das haben wir gegen Lugano gespürt. Der Gegner hat das eiskalt ausgenützt.» Vorwerfen lassen müssen sich die Zuger, dass sie aus ihren Überzahl-Möglichkeiten (insgesamt sechs) zu wenig Kapital geschlagen haben. «Die Automatismen greifen noch nicht richtig», hielt Grossmann fest. Und sein Abwehrkollege Dominik Schlumpf meinte: «Wir müssen einfach spielen und versuchen, mehr Schüsse aufs Tor zu bringen und mehr Verkehr vor dem Goalie zu erzeugen.»

Die Bossard-Arena war gestern übrigens ausverkauft. Durch die Euphorie über den Finalvorstoss im Frühling ist die Nachfrage nach Tickets gestiegen. Der EVZ hat deshalb die Arena auf diese Saison hin ausgebaut. Neu bietet sie Platz für 7200 Fans (zuvor 7015). Rund 5500 Saisonkarten wurden bisher verkauft, Sitzplätze sind nur noch vereinzelt erhältlich. Der Klub hofft, dass er letztlich zirka 500 Saisonkarten mehr absetzen kann als letzte Saison, in der es insgesamt knapp 5200 waren. Auch die erstmals seit fünf Jahren leicht erhöhten Preise bremsen die Nachfrage nicht.


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