Der Aufstieg der alten WG-Kollegen

EISHOCKEY ⋅ Bis vor kurzem haben sie gemeinsam in einer Hockey-WG gelebt. Jetzt wollen sich die jungen Verteidiger Tobias Geisser und Tobias Fohrler beim EV Zug in der National League etablieren.
15. September 2017, 08:14

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Einmal pro Woche griffen sie zum Putzlappen und räumten die Wohnung auf. Sie kochten und diskutierten zusammen. Und manchmal gab es auch Meinungsverschiedenheiten. So, wie es in einem normalen Haushalt eben vorkommt. «Wir waren wie eine Familie», sagt Tobias Fohrler.

Eine «Familie» mit spezieller Konstellation allerdings. Die EVZ-Verteidiger Fohrler und Geisser lebten in der vergangenen Saison in einer Eishockey-WG in Hünenberg – gemeinsam mit weiteren Talenten des Farmteams EVZ Academy. «In dieser Zeit sind wir zusammengewachsen und Freunde geworden», erzählt Tobias Geisser. Er wohnt noch immer in der WG. Fohrler dagegen ist kürzlich ausgezogen, und das hat mit seiner echten Familie zu tun. In seiner neuen Wohnung in Steinhausen kann er seinen Eltern aus Deutschland ein Gästezimmer anbieten, wenn sie ihn in der Schweiz besuchen. Aber Geisser und Fohrler sehen sich immer noch jeden Tag – auf dem Eis. Die jungen Abwehrspieler haben beim EVZ einen Zweijahresvertrag unterschrieben und sind seit dieser Saison feste Grössen im Kader der National League.

Nicht USA – Geisser wird in Zug gebraucht

Der 18-jährige Engelberger To­bias Geisser, eines der grössten Talente im Schweizer Eishockey, erlebt gerade eine aufregende Zeit. Im Sommer ist er von den Washington Capitals gedraftet worden, was ihm die Chance auf eine Zukunft in der NHL eröffnet. In einem Development-Camp in den USA konnte er die Organisation bereits kennen lernen. Die Begeisterung der Leute hat ihn beeindruckt. Allein zu den Trainings kamen Hunderte Zuschauer. Neben dem Eis lernte er in Vorträgen, was es braucht, um seinen Traum von einer NHL-Karriere zu verwirklichen. Thema war unter anderem Ernährung für Profis. Vor kurzem hätte Geisser auch an einem Rookie-Turnier in Florida teilnehmen können, das aber wegen des Hurrikans abgesagt wurde. Und auch die Einladung zum Vorsaison-Trainingslager der Capitals kann er nicht wahrnehmen, weil er wegen der langen Verletztenliste in Zug gebraucht wird. «Es wäre sicher ein Riesenerlebnis gewesen», sagt Geisser, lässt aber durchblicken, dass er sich ganz in den Dienst des EVZ stellt.

Genau so, wie es auch Tobias Fohrler beherzigt. Der 20-jährige Hüne aus Deutschland (1,96 m, 103 Kilo) hat im ersten Playoff-­Finalspiel gegen Bern auf sich aufmerksam gemacht, als er eine Massenkeilerei auslöste. «Durch meine Statur bin ich prädestiniert dazu, robust zu spielen. Wenn ich so dem Team helfen kann, freue ich mich», sagt Fohrler. Auf die Rolle als Mann fürs Grobe will er sich aber nicht reduzieren lassen. «Ich bin überzeugt, dass ich mehr draufhabe.»

Fohrler hat einen Schweizer Pass, weil seine Mutter aus dem Raum Basel kommt. Vor zwei Jahren an der U18-WM in Zug und Luzern, wo er für die deutsche Nationalmannschaft spielte, ist der Kontakt zum EVZ entstanden. Er wechselte von den Kölner Haien zu den Zuger Elite-Junioren. Wie Geisser ist er über das Farmteam kontinuierlich an die National League herangeführt worden. Jetzt wollen sie sich auf höchstem Niveau etablieren. «Durch jeden Einsatz auf dem Eis gewinnen wir an Erfahrung», sagt Fohrler.

Die nächste Gelegenheit dazu erhalten sie heute in Langnau und am Samstag gegen Kloten. Beide Gegner sind noch sieglos, aber Geisser warnt: «Sie sind hungrig auf ein Erfolgserlebnis. Wir müssen parat sein.» Womöglich wird auch EVZ-Academy-Spieler Sandro Forrer (19) wieder zum Einsatz kommen – ein aktuelles Mitglied der Eishockey-WG in Hünenberg.


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