Die Ära Kreis ist in Zug vorbei

EISHOCKEY ⋅ Nach dem enttäuschenden Ausscheiden in den Playoff-Viertelfinals trennt sich der EV Zug von Trainer Harold Kreis (59). Die Zentralschweizer suchen nun einen Coach, der die Nachwuchsstrategie des Klubs konsequent mitträgt.
17. April 2018, 05:00

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Unmittelbar nach dem Viertel­final-Aus gegen die ZSC Lions war Harold Kreis wie gewohnt die Ruhe selbst. Geduldig stellte er sich den Fragen der Journalisten. Er behielt auch nach kritischen Einwänden die Nerven und analysierte sachlich das frühe Saisonende des EV Zug. Dabei musste er schon damals geahnt haben, dass es auch um seinen Job ging.

Seither sind vier Wochen vergangen, und es war in dieser Zeit verdächtig ruhig in Zug. Die Klubführung hat sich Zeit gelassen mit der Aufarbeitung der Saison. CEO Patrick Lengwiler sagt: «Wir wollen nicht aus den Emotionen heraus handeln. Es war ein Reifeprozess.» Daraus resultiert nun ein Entscheid, der für viele im Umfeld des Klubs absehbar war: Der EVZ und Kreis trennen sich – ein Jahr vor Vertragsende. «Wir haben den Entschluss gemeinsam mit dem Trainer gefasst und gehen im Guten auseinander», sagt Lengwiler. «Harold Kreis hat die Mannschaft in den vier Jahren seines Wirkens stabilisiert. Wir sind ihm für seine Arbeit dankbar.» Gleichwohl wuchs in der Klubführung die Überzeugung, dass sie den bis 2019 laufenden Vertrag mit Kreis nicht verlängern wird. «Da ist es besser, wenn wir jetzt den Bruch machen. Wir wollten gegenüber dem Trainer ehrlich und fair sein», so Lengwiler.
 

Dreimal war Schluss nach der ersten Playoff-Runde

Der 59-jährige Deutsch-Kanadier Kreis hat in seinen vier Saisons in Zug die Qualifikation zwar immer in den Top 4 abgeschlossen. In den Playoffs war er aber weniger erfolgreich. Dreimal scheiterte er mit dem Team in den Playoff-Viertelfinals. Die positive Ausnahme war der Finaleinzug im vergangenen Jahr.

Doch das dürftige sportliche ­Abschneiden ist nicht der Hauptgrund für die Trennung, sondern Kreis’ fehlende Identifikation mit der Klubphilosophie. Der EVZ versteht sich heute als Ausbildungsverein. Er hat vor vier Jahren die Hockey Academy gegründet, wo junge Spieler unter professionellen Bedingungen trainieren und eine KV-­Lehre absolvieren können. 2016 folgte das Farmteam EVZ Academy in der Swiss League, das ihnen den Sprung in die National League erleichtern soll. Der EVZ will zur besten Schweizer Ausbildungsstätte für Hockey-Talente werden. Ein wesentlicher Teil des NL-Kaders soll künftig aus Eigengewächsen bestehen. Dafür braucht es einen Trainer, der die Jungen ans höchste Niveau heranführt. Kreis ist zweifellos ein fachkundiger Coach, aber kein grosser Jugendförderer. CEO Lengwiler formuliert es so: «Wir brauchen einen Headcoach, der unsere Strategie zu 100 Prozent mitträgt.»

 

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Wird Kossmann zum Thema?

Der Vertrag mit Kreis wird per Ende April aufgelöst. Die Suche nach einem Nachfolger hat ­begonnen. Eine naheliegende Lösung wäre Hans Kossmann. Der ehemalige Fribourg- und Ambri-Trainer hat Ende Jahr die ZSC Lions übernommen und sie in den Playoff-Final geführt. Da aber Serge Aubin neuer Coach in Zürich wird, ist der Kanada-Schweizer nach Saisonende wieder verfügbar. Er hat beim ZSC jungen Spielern das Vertrauen ­gegeben, was zur Strategie in Zug passen würde. Lengwiler sagt: «Wir hatten bisher keinen Kontakt. Wir lassen uns Zeit, den richtigen Mann für die kommenden Jahre zu finden. Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Lösung präsentieren werden.»

Der neue Trainer wird dann mitbestimmen, wie sich der Staff zusammensetzt. Deshalb ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, ob der finnische Assistenztrainer Waltteri Immonen eine Zukunft hat in Zug.


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