Erhoffte Zuger «Attacke» bleibt aus

EISHOCKEY ⋅ Dem EV Zug droht im Playoff-Viertelfinal am kommenden Dienstag das Aus. Er verliert bei den ZSC Lions mit 0:5 und liegt nun in der Serie mit 1:3 im Hintertreffen.
17. März 2018, 23:14

René Barmettler, Zürich

rene.barmettler@luzernerzeitung.ch

Wenn der Trompeter im Hallenstadion zu seinem Solo ansetzt, folgt im Anschluss aus zahlreichen Kehlen der ZSC-Anhänger lauthals ein «Attacke!!!». Dieses Signal verstand das Heimteam: Es gewann das dritte Spiel nacheinander in dieser Serie und führt mit 3:1. Am Dienstag in der Bossard-Arena könnte nun für den EV Zug bereits das Saisonende eingeläutet und die Ferienprospekte an die Spieler verteilt werden, weil sie am Samstagabend nicht in der Lage waren, ihrerseits wie erhofft zu attackieren.

Es war ja nicht so, dass die Zuger chancenlos gewesen wären. Vor dem Führungstreffer der Lions im zweiten Spielabschnitt besassen sie genügend Möglichkeiten, die Partie in eine andere Richtung zu lenken. Nach dem 0:1 agierten sie jedoch zu kopflos und ermöglichten den Zürchern dank sinnfreien Strafen, das Skore auszubauen.

EVZ: Gleichzeitig zu dritt auf die Strafbank

Die ZSC Lions liessen im Vorfeld dieses vierten Spieles nichts unversucht, nach der 2:1-Führung in der Serie bei ihrem Publikum eine Euphorie zu entfachen. Tausende weisse T-Shirts und Fähnchen wurden verteilt. Der Platzspeaker forderte die Fans auf, dieses Kleidungsstück fortan während der restlichen Playoff-Spiele zu tragen – es könnte nun noch oft zum Tragen kommen. Die Stimmung im mit 11200 Zuschauern ausverkauften Stadion hörte sich ansprechend an. Das lag aber vor allem am Geschehen auf dem Eis. Beide Teams spielten Tempohockey, es war etwas los vor beiden Toren. Es gab zwar noch keine Treffer, aber doch einige hochkarätige Chancen auf beiden Seiten. Die beste auf Zuger Seite vergab Reto Suri (16.), der frei stehend den Puck nicht im Tor unterbringen konnte. Dafür hatten das Checks-Austeilen und Provokationen Hochkonjunktur, und so kam es nach der ersten Pausensirene als Höhepunkt noch zu einer Massenkeilerei.

Video: Massenschlägerei auf dem Eis

Nach dem ersten Drittel geraten die Spieler vom EV Zug und den ZSC Lions aneinander. (Twitter / @MysportsCH, 17.03.2018)

Während der Pause beruhigten sich die Gemüter. Und Zug machte nun Dampf. In der 27. Minute tauchten Garrett Roe und Viktor Stalberg vor dem ZSC-Gehäuse auf: Doch der Schwede schoss an die Torumrandung. Wenige Sekunden danach traf Sven Senteler die Latte, und auch der anschliessende Energieanfall von David McIntyre trug keine Früchte. So kam es, wie es fast kommen musste: Nolan Diem verlor in der eigenen Zone den Stock – Marco Miranda bediente Raphael Prassl – 1:0 (35.). Es war ein Treffer der vierten Zürcher Sturmformation.

Als dann Dominic Lammer, Johann Morant und Roe gleichzeitig auf die Strafbank mussten, war es um die Zuger geschehen. Drew Shore erhöhte auf 2:0 (40.), und Lauri Korpikoski führte mit dem 3:0 die endgültige Entscheidung herbei. Nach dem enttäuschenden letzten Heimauftritt blieb die erhoffte Reaktion der Zuger aus.

Video: ZSC Lions - EV Zug 5:0

Der EV Zug verliert die ZSC Lions diskussionslos mit 0:5 und liegt in der Serie mit 1:3 zurück. (Youtube / Mysports, 17.03.2018)

ZSC Lions - Zug 5:0 (0:0, 2:0, 3:0)

11'200 Zuschauer (ausverkauft). - SR Dipietro/Wiegand, Borga/Stuber. - Tore: 35. Miranda (Prassl) 1:0. 40. (39:38) Shore (Ausschluss Roe, Lammer) 2:0. 44. Korpikoski (Pettersson, Phil Baltisberger) 3:0. 48. Suter (Ausschluss Alatalo) 4:0. 50. Shore (Pettersson) 5:0. - Strafen: je 9mal 2 Minuten. - PostFinance-Topskorer: Pettersson; McIntyre.

ZSC Lions: Flüeler; Klein, Phil Baltisberger; Sutter, Geering; Guerra, Berni; Seger; Pettersson, Shore, Korpikoski; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Wick, Suter, Kenins; Künzle, Prassl, Miranda.

Zug: Stephan; Helbling, Grossmann; Diaz, Morant; Schlumpf, Alatalo; Geisser, Leeger; Martschini, Roe, Stalberg; Klingberg, McIntyre, Suri; Lammer, Diem, Senteler; Zehnder, Kast, Schnyder.

Bemerkungen: ZSC Lions ohne Blindenbacher, Nilsson, Sjögren und Marti (alle verletzt), Pelletier und Vey (überzählige Ausländer), Pestoni (überzählig), Zug ohne Holden (überzähliger Ausländer). - 48. Head-Schiedsrichter Wiegand Marc Wiegand schied verletzt aus (von da an nur noch Alessandro Dipietro als Head-Schiedsrichter). - 56. Stephan hält Penalty von Korpikoski.


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