Santeri Alatalo: Erst mal genug vom Bankdrücken

EISHOCKEY ⋅ Nach längerer Verletzungspause steht Verteidiger Santeri Alatalo (27) heute in Biel wieder auf dem Eis. Seine Rückkehr nährt die Hoffnung auf den Zuger Befreiungsschlag.
14. November 2017, 08:07

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Auf dem Bildschirm in der Bar der Bossard-Arena läuft ein Länderspiel der finnischen Eishockey-Nationalmannschaft. Santeri Alatalo, der Finne mit Schweizer Lizenz, schaut aufs TV-Gerät und sagt mit einem breiten Grinsen: «Sorry, ich habe jetzt doch keine Zeit für ein Interview. Ich muss meinen Landsleuten beim Spielen zusehen.»

So ist Santeri Alatalo: nie um einen Spruch verlegen. Der EVZ-Verteidiger, dessen Vater Matti den EHC Visp in der Swiss League coacht, strahlt stets eine gewisse Lockerheit aus. Und seit er mit der Mannschaft wieder auf dem Eis trainiert, ist er noch mehr aufgeblüht. Die Freude und der Tatendrang sind ihm nach der längeren Verletzungspause anzumerken. Und vielleicht kann er damit seine Teamkollegen anstecken, die zuletzt nach sieben Niederlagen in Folge in der Meisterschaft ja nicht viel zu lachen hatten. Heute in Biel gibt Alatalo sein Comeback im EVZ-Dress.

Geräusch beim Muskelriss hat er noch immer im Ohr

Der 27-jährige Abwehrspieler mit offensiven Qualitäten, der seit 2013 in Zug verteidigt, hat selbst eine schwierige Zeit hinter sich. Wenige Wochen vor Saisonbeginn verletzte er sich in seiner Heimat folgenschwer. Beim Bankdrücken zog er sich einen Muskelabriss in der Brust zu. Dabei hatte er nicht einmal besonders viel Gewicht gestemmt. Die Ärzte gehen davon aus, dass der Muskel schon zuvor angerissen war. Alatalo hat das Geräusch, dieses unangenehme Reissen in der Brust, noch immer im Ohr. «Davon habe ich Albträume», sagt er, um mit einem Schmunzeln anzufügen: «So schnell werde ich nicht mehr Bank drücken.»

Als er nach dem MRI die Diagnose erhielt mit dem Zusatz, vier bis fünf Monate pausieren zu müssen, war das für Alatalo ein «riesiger Schock». Und es schmerzte ihn, bei den Spielen nur Zuschauer zu sein. Täglich schuftete er sechs bis sieben Stunden für seine Rückkehr. Er war morgens oft der erste und nachmittags der letzte Spieler in der Bossard-Arena. Krafttraining, Physiotherapie, Reha und Massagen standen auf dem Programm. Der grosse Wille des Finnen hat sich gelohnt. Der Heilungsprozess entwickelte sich derart günstig, dass Alatalo nun mehrere Wochen früher als zunächst angenommen in den Meisterschaftsbetrieb zurückkehren kann.

Alatalos Comeback nährt die Hoffnung auf den Zuger Befreiungsschlag. Aufgrund der Verletzungsmisere im Klub standen zuletzt nur drei routinierte Ver­teidiger im Aufgebot. In den vergangenen sieben Spielen kassierte der EVZ, der grossen Wert auf eine stabile Defensive legt, im Schnitt 3,86 Gegentore. «Das sind zu viele», betont Alatalo. Er hofft, dass er gemeinsam mit Larri Leeger, dem routinierten Neuzugang aus Fribourg, wieder mehr Ruhe in die Abwehr bringen kann.

Eigene Spiele nochmals angeschaut

Alatolo weiss aber auch, dass er einige Spiele brauchen wird, um zurück in den Wettkampfrhythmus zu finden. Matchtempo, Zweikämpfe, Stellungsspiel: Das hat ihm in den letzten Monaten gefehlt. Er hat sich deshalb Aufzeichnungen der letzten Saison angesehen, um sich in Erinnerung zu rufen, was in seinen Spielen gut war und was schlecht. Er sagt: «Ich will der Mannschaft schnell helfen können.»

Dann spricht er davon, den Traum als Eishockeyprofi leben zu können. «Deshalb sollte man jeden Tag geniessen.» Und was ist mit dem Druck, endlich wieder gewinnen zu müssen? «Wir müssen jetzt Punkte holen, egal wie. Aber unser Team hat Biss. Ich habe keine Angst um den EVZ.» Er bleibt locker, dieser Santeri Alatalo.


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