Jesse Zgraggen: «Es geht nicht primär ums Geld»

INTERVIEW ⋅ Der Ambri-Verteidiger Jesse Zgraggen (24) wird in den nächsten drei Saisons für den EV Zug spielen. Es geht ihm nicht um das Geld, sondern um die besseren sportlichen Perspektiven.
24. November 2017, 08:12

Der Ambri-Verteidiger Jesse Zgraggen (24) wird in den nächsten drei Saisons für den EV Zug spielen. Zgraggen ist in Kanada aufgewachsen, hat aber eine Schweizer Lizenz. Seine Eltern kommen aus dem Kanton Uri, wo Zgraggen als Bub nach dem Unfalltod seines Vaters ­einige Jahre lebte, bevor er gemeinsam mit seiner Mutter und dem Bruder zurück in die kanadische Provinz Alberta ging. Der Donatoren-Club HCAP hat Zgraggens Wechsel 2014 zu Amrbi eingefädelt und sich auch an der Finanzierung des Spielers beteiligt.

Jesse Zgraggen, warum wechseln Sie auf die nächste Saison von Ambri zum EVZ?

Ich spiele nun schon meine vierte Saison beim HC Ambri-Piotta, und ich könnte nichts Schlechtes über diesen Klub sagen. Aber Zug bietet mir eine neue Herausforderung.

Beim EV Zug werden Sie künftig auch mehr verdienen. Hat das Geld Ihren Entscheid beeinflusst?

Ich habe auch von Ambri eine gute Offerte erhalten. Es geht bei meinem Wechsel nicht primär ums Geld.

Sondern um die besseren sportlichen Perspektiven?

Genau. Der EVZ stand im Frühling gegen Bern im Final und ist fast immer in den Playoffs vertreten. Ich werde nächstes Jahr 25 und habe noch nie Playoffs gespielt. Eine Hockeykarriere ist kurz. Ich möchte die Chance haben, um den Meistertitel zu spielen.

In der Leventina erhalten Sie viel Verantwortung in der ersten Linie. In Zug werden Sie womöglich nicht mehr eine so tragende Rolle haben. Können Sie damit leben?

Im Eishockey ist nichts garantiert, man muss sich die Anerkennung erst verdienen. Ich möchte auch in Zug ein Top-4-Verteidiger sein und möglichst viel spielen. Ich weiss aber, dass ich dafür hart arbeiten muss.

Sie haben ihre Profikarriere vor dreieinhalb Jahren in Ambri gestartet und haben dem Klub viel zu verdanken. Wie schwer fällt es, Ambri zu verlassen?

Es war kein einfacher Entscheid. Ich habe häufig mit den Leuten in der Organisation darüber geredet. Sie verstehen und unterstützen mich. Mit Sportchef Paola Duca habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Ich bin wirklich dankbar für alles, was Ambri mir ermöglicht hat.

Besonders für die Urner Fans sind Sie eine Identifikationsfigur. Und als Vorzeigekämpfer verkörpern Sie die Werte des leidenschaftlichen Aussenseiterklubs. Wie reagieren die Ambri-Fans auf Ihren Wechsel?

Es ist schon seltsam, dass man in der Schweiz während der Saison bei einem anderen Klub unterschreiben kann. Einige Fans sind enttäuscht, und das kann ich nachvollziehen. Aber ich verspreche: Ich werde für Ambri bis zum Schluss 100 Prozent geben, um das grosse Ziel – die Playoffs – zu erreichen.

Worauf freuen Sie sich in Zug am meisten?

Zug ist eine schöne Stadt und liegt zentral, nahe bei Zürich und Luzern. Ausserdem ist es auch in den Kanton Uri nicht weit. So kann ich immer noch meine Grosseltern in Flüelen besuchen.

Interview: Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch


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